Netzwelt-Ticker GPS-Keuschheitsgürtel erbost Frauen

Damenunterwäsche soll ihren Standort künftig per GPS melden, was vielen Damen missfällt. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Die Online-Paketverfolgung von DHL hatte ein Loch, in China wird bald eine echte Einkommensteuer für virtuelle Güter fällig. Und vieles mehr.

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Letztes Jahr amüsierten wir uns noch über den Rfid-Chip im Slip, der nicht nur Datenschützern zu weit ging. Dieses Jahr müssen Unterwäscheträgerinnen nicht einmal mehr an Lesegeräten vorbeigehen, um Auskunft über die Art ihrer Bekleidung und ihren Aufenthaltsort zu geben. Die Unterhose funkt ihren Standort jetzt selbst nach draußen, GPS sei Dank.

Fein verwoben: Unterwäsche orten per GPS
AFP

Fein verwoben: Unterwäsche orten per GPS

Die Erfinderin der funkenden Damenunterwäsche, die brasilianische Modeschöpferin Lucia Lorio, verteidigt sich, sie würde Produkte für "moderne, technik-affine Frauen" fertigen. Feministinnen sehen das anders, fürchten der Funkslip sei das Hightech-Gegenstück zu einem Keuschheitsgürtel, den unsichere Männer ihren Partnerinnen künftig anlegen würden. Dafür müssen sie allerdings erst einmal tief in die Tasche greifen: 900 bis 1300 Dollar soll die technophile Damenmode kosten. Lorio glaubt, dass das Kleidungsstück Frauen in gefährlichen Weltgegenden "Sicherheit" verschaffen könnte, wenn sie alleine ausgehen, "ob in London, New York oder Rio de Janeiro".

Sicherheitsleck bei Paketverfolgung

Das kommt ja gerade rechtzeitig vor dem Verschicken der Weihnachtspakete: In der Online-Paketverfolgung von DHL soll eine große Sicherheitslücke klaffen. Offensichtlich sind Kundendaten nicht ausreichend vor dem Einblick Dritter geschützt. Darauf gekommen ist das "Linux-Magazin".

Die per E-Mail verschickte Kontrollnummer zur Nachverfolgung einer Sendung aus einem Onlineshop enthielt einen Link. Der führte aber nicht nur zur Lieferadresse des Mail-Empfängers. Stattdessen wurden die Daten zweier weiterer DHL-Kunden angezeigt, mitsamt genauen Angaben zu Lieferdatum und -ort. Um Hunderte weitere Kundenadressen herauszubekommen, war lediglich ein bisschen Herumspielen mit erfundenen Paketnummern erforderlich.

Ein weiterer Grund für das Leck ist die Faulheit vieler DHL-Kunden, die einfach das vom Paketdienst vorgegebene Standard-Passwort beibehalten hatten. DHL wurde vo dem Magazin benachrichtigt. Zur Sicherheit sollte aber trotzdem jeder DHL-Kunde nicht nur über neues Geschenkpapier nachdenken, sondern auch sein Passwort wechseln.

China führt Steuer auf virtuellen Besitz ein

Gewaltige Werte werden virtuell geschaffen, wechseln den Besitzer, gehen in Flammen auf. Das Geschehen ähnelt wildem Schlachtengetümmel. Nein, hier ist nicht von der Finanzkrise und taumelnden Börsen die Rede, sondern von Onlinespielern. Die treiben teilweise großen Aufwand, um beim Drachenjagen auch die richtigen Waffen zu benutzen.

Von diesen Online-Rollenspielern gibt es weltweit Abermillionen, einen erklecklichen Anteil davon in China. Und diese Spieler will die Regierung in Peking jetzt zur Kasse bitten. Eine Art Einkommenssteuer auf virtuellen Besitz soll 20 Prozent der Einkünfte in die Staatskasse spülen, die solche Online-Aktivitäten in der realen Welt erbringen. Allerdings ist noch unklar, wie der chinesische Fiskus die verschiedenen Online-Währungen auf einen einheitlichen Standard trimmen will. Auch die Verfolgung der wohl auch im virtuellen Raum unvermeidlichen Steuerbetrüger dürfte noch für gewisse Schwierigkeiten sorgen.

Klage: US-Wahlcomputer verletzen das Urheberrecht

Nicht genug, dass Wahlmaschinenfabrikant Diebold schon wegen der Fehleranfälligkeit und Manipulierbarkeit seiner Geräte regelmäßig kritisiert wird. Jetzt steht die Firma auch noch wegen Klauens vor dem Kadi. Die kalifornische Softwareschmiede Artifex beklagt die Verwendung ihres "Ghostscript"-Programms zum Auslesen und Drucken von Pdf-Dateien durch Diebold. Dazu hätte der Automatenhersteller überhaupt keine Lizenz erhalten, würde aber mit Hilfe der Artifex-Software Gewinne machen. Gleichwohl veranschlagen die Kläger den entstandenen Schaden nicht allzu hoch, der Streitwert liegt bei 150.000 Dollar.

Britische Schule: Handys statt Schulbücher

Nicht nur Zeitungen spüren die Printkrise und ziehen zunehmend ins Web um, auch Schulen merken den Druck zur Virtualisierung. In London gehen die Verantwortlichen der Hackney City Academy, einer Schule, die 2009 ihre Pforten öffnen soll, entsprechend konsequent weiter und schaffen Schulbücher gleich komplett ab.

Vorbei die Zeit speckiger, durch zahllose Schülerhände gegangener Folianten, in Zukunft kommt der Lehrstoff direkt aufs Handy. Dazu sollen alle Materialien, die wichtigen Lehrstoff enthalten, in einer E-Edition in Pdfs umgewandelt werden. Zu diesem Zweck arbeitet die Schule mit diversen Verlagen und der University of Aberystwyth zusammen. Schuldirektor Mark Emmerson sieht im Schritt ins Virtuelle auch einen gesundheitlichen Vorteil. Schließlich müssten die Schüler dann nicht mehr kiloschwere Schulranzen mit sich herumtragen.

Außerdem:

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