Netzwelt-Ticker Gruner + Jahr prüft Klage gegen iPhone-Tagesschau

Der Streit um die digitale Expansion des Angebots der ARD eskaliert: Jetzt könnte es zu einer ersten Klage kommen. Außerdem: Raue Sitten und drastische Worte in der britischen Politik, islamische Empörung über Nacktscanner und Bilighandys ab elf Euro. Das und mehr im Überblick.

GEZ-Zentrale: Verlage protestieren gegen die gebührenfinanzierten iPhone-Angebote
DPA

GEZ-Zentrale: Verlage protestieren gegen die gebührenfinanzierten iPhone-Angebote


Der Streit um die geplante Expansion des öffentlich-rechtlichen Medienangebots eskaliert: In der vergangenen Woche berichtete SPIEGEL ONLINE, dass der NDR-Rundfunkrat, der die Auswirkungen neuer GEZ-finanzierter Angebote auf die private Konkurrenz prüfen soll, dem geplanten Angebot fürs iPhone einen Freifahrtschein ausstellen will. Die Angebote von Tagesschau.de sollen ohne weitere Prüfung auf allen technischen Verbreitungswegen zugänglich gemacht werden .

Medienhäuser, die ähnliche Angebote durch Werbung oder Aboeinnahmen finanzieren müssen, sehen solche durch GEZ-Zwangsgebühren mit sicherem Budget ausgestattete Konkurrenz kritisch. Das Medienunternehmen Gruner + Jahr (hält Anteile am SPIEGEL-Verlag) prüft nun juristische Schritte gegen den NDR. Ein Sprecher von G+J erklärte dem Fachmagazin " W&V", man behalte sich sowohl zivilrechtliche Schritte, wie "den Weg über die Verwaltungsgerichte" vor.

Laut W&V Online wird Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (er hat die Rechtsaufsicht über die ARD-Anstalt) nicht gegen die umstrittene Vorlage des NDR-Rundfunkrats für einen Ausbau von Tagesschau.de intervenieren.

GEZ-Einnahmen 2004 - 2008

Jahr Hörfunk Fernsehen Neuartige Empfangsgeräte Gesamt
2004 2,57 Mrd. Euro 4,28 Mrd. Euro 6,85 Mrd. Euro
2005 2,65 Mrd. Ero 4,46 Mrd. Euro 7,12 Mrd. Euro
2006 2,71 Mrd. Euro 4,56 Mrd. Euro. 7,28 Mrd. Ero
2007 2,72 Mrd. Euro. 4,56 Mrd. Euro. 5,9 Millionen Euro 7,29 Mrd. Euro
2008 2,72 Mrd. Euro. 4,52 Mrd. Euro. 11 Millionen Euro 7,26 Mrd. Euro

Quelle: GEZ Geschäftsbericht

Die aus den GEZ-Einnahmen finanzierten Angebote allein der ARD-Anstalten sind im Web längst ein großer Konkurrent für die Angebote von Verlagen, wie die Nutzungszahlen von ARD Online im vorigen August demonstrieren:

Nutzungszahlen deutscher News-Sites: Wie sich das GEZ-Web breit macht

Angebot Visits (Millionen) PIs (Millionen)
Bild.de 103,1 1360,4
SPIEGEL ONLINE 102,6 526,1
ARD Online gesamt* 34,5 204
FOCUS ONLINE 22,2 132,8
sueddeutsche.de 21,7 151
Tagesschau.de allein 20,2 61,5
WELT ONLINE 18,6 142,8
FAZ.NET 17 91,8
stern.de 14,6 152,3
ZEIT online 10,3 60,4
rp-online (Rheinische Post) 9 71,3
DerWesten.de (WAZ) 6,8 78,4
Hamburger Abendblatt Online 5,1 47

* zu ARD Online zählen die fünf Online-Gemeinschaftseinrichtungen der ARD: ARD.de, tagesschau.de, sportschau.de, boerse.ARD.de und DasErste.de. Für das ARD Netzwerk (sämtliche Onlineangebote der ARD) veröffentlichen die Rundfunkanstalten keine Visits. Die PIs sind aber mit 505 Millionen im August 2009 doppelt so hoch wie die für ARD online.
Quellen: ARD Online Nutzungszahlen August 2009, IVW Online Nutzungsdaten August 2009

lis

Britische Politiker beschimpfen sich per Twitter

In Großbritannien scheinen die politischen Sitten zusehends zu verrohen. Im Mutterland der liberalen Demokratie holzen die Parlamentarier mittlerweile auf Tiefkeller-Niveau. Das jüngste Beispiel lieferte vergangene Woche der Labour-Abgeordnete David Wright, der die konservativen Tories in einem Twitter-Eintrag als "dreckfressende Schweine" bezeichnet hatte. Der geschäftsführende Vorsitzende der Tories Eric Pickles hat nun gefordert, der Labourmann möge sein Verhalten erklären.

Doch Wright gestand lediglich zu, die Redewendung "du kannst Lippenstift auf ein Schwein malen, aber es bleibt ein Schwein" benutzt zu haben. Das Wort "dreckfressend" habe jedoch ein Dritter hinzugefügt. Möglicherweise sei sein Twitteraccount auch gehackt worden.

Das sei eine billige Ausrede und wenig glaubwürdig, entgegnete Pickles, schon früher habe Wright Konservative als "Dreck" und "Abschaum" bezeichnet. Wright solle aufhören, Leute wie Dummköpfe zu behandeln. Und fügte an, das sei nicht die Sprache, wie man sie von einem Minister der Krone erwarte und auch nicht die Art, die Wahlbevölkerung zu behandeln.

" Offen gesagt, erwarten wir entweder eine Entschuldigung oder irgendeine Art der Erklärung", wird der konservative Politiker von der BBC zitiert. Was der angesprochene Wright kühl beantwortete, da habe er "wohl einen Nerv getroffen", Konservative würden sowieso "schnell in Harnisch geraten".

Nacktscanner verstoßen laut muslimischen Gelehrten gegen den Islam

Nicht nur Datenschützer hierzulande lehnen Nacktscanner wegen des tiefen Eingriffs in die Privatsphäre der Untersuchten ab. Auch muslimische Gelehrte haben sich mit den Maßnahmen zur Steigerung der Flugsicherheit befasst - und sind empört, wie "Dailytech" meldet.

Natürlich würden sie die Sicherheit an Flughäfen unterstützen, aber sie seien "zutiefst besorgt" über Scanner, die eine Art Nacktbild der Passagiere lieferten. Die allgemeine und öffentliche Verwendung solcher Scanner verstoße gegen die Lehren des Islam, das Naturrecht und sämtliche Religionen und Kulturen, die für Sitte und Anstand stünden.

Der Rat für islamisches Recht in Nordamerika (FCNA) betonte, es stelle einen klaren Bruch von islamischen Lehren dar, wenn Männer und Frauen nackt von anderen Männern und Frauen angeschaut würden. Bis zur Einführung der nächsten Scannergeneration, die körperliche Umrisse nur noch schematisch anzeigen, sollten muslimische Reisende darauf bestehen, lediglich von Sicherheitskräften abgetastet zu werden.

US-Mobil-Telko Verizon lässt Skype zu

Noch vor einiger Zeit hielten sämtliche Mobilfunkbetreiber gegenüber VoIP-Anbietern die Schotten dicht. Zu groß die Angst, die Gratisdienste würden ihnen das Geschäft verderben. Schnee von gestern, auf dem Mobile World Congress in Barcelona kündigte US-Telko Verizon die Wende an. Ab März sollen Skype-Nutzer auch das Mobilfunknetz von Verizon zur Gratistelefonie nutzen können.

Zunächst gilt dieses Angebot für eine Reihe von Smartphones, darunter der Blackberry und einige Android-Handys. Wie die Kooperation allerdings Verizon zu mehr Umsatz oder gar Verdienst verhelfen soll, bleibt bis auf weiteres ein Geheimnis. Einzelheiten des Deals, der die 90 Millionen Verizon-Kunden mit den knapp 600 Millionen Skype-Nutzern kombiniert, wurden nicht mitgeteilt. Der Mobilfunk-Konzern hoffe aber, durch die Kooperation neue Kunden für seine Smartphone- und Datenangebote zu gewinnen, zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Verizon-Marketingchef John Stratton.

Vodafone verkauft Spar-Handys ab 11 Euro

Und noch ein Preiswunder gibt es auf der spanischen Mobilfunkmesse zu bestaunen: Das derzeit wohl billigste Handy der Welt. Schon mit elf Euro ist der Käufer dabei und erhält dafür ein Handy der Marke "Vodafone 150". Das Superspartelefon hat ein monochromes Display, enthält eine Reihe polyphoner Klingeltöne, einen Wecker, Dualband-GSM und SMS-Funktion.

Die Version mit Farbdisplay soll für unter 15 Euro zu haben sein. Und wer nach nächtlicher Exkursion im Dustern das Schlüsselloch seiner Haustür nicht mehr findet, kann sich mit der eingebauten Taschenlampe heimleuchten. Außerdem unterstützt das Gerät auch Handy-Bezahldienste. Spätestens hier wird die Zielgruppe klar: Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Das Handy wird demnächst in Ländern wie Indien, Kongo und Südafrika angeboten.

Roboter sollen Grund der Ostsee von WK-II-Minen säubern

Nicht nur an Land stoßen Bauarbeiter in Europa bis auf den heutigen Tag regelmäßig auf Blindgänger, nicht detonierte Bomben aus der Zeit des II. Weltkrieges. Schon deren Räumung ist stets mit großem Aufwand und Gefahr verbunden. Das gilt erst recht für die explosive Kriegshinterlassenschaft am Meeresgrund. Die stört zunächst niemanden, solange dort nicht Tiefseekabel oder Erdgasleitungen verlegt werden sollen.

Genau solche sollen aber in naher Zukunft zusätzliches Erdgas aus Russland nach Westeuropa liefern. Doch vor ihrer Verlegung muss eine Menge zum Teil hochgefährlicher Schrott entfernt werden. Bactec International, ein in der Minenräumung erfahrenes Unternehmen, schätzt die Anzahl von nicht explodierten russischen und deutschen Sprengkörpern auf 150.000. Bislang wurden 70 Minen identifiziert, jede mit 300kg Sprengstoff gefüllt, die auf der direkten Strecke der geplanten Erdgasleitung liegen. Vor ihrer Beseitigung wird zunächst viel Lärm unter Wasser veranstaltet, um Fische und Meeressäuger in der Nähe zu vertreiben. Dann platziert ein Schwimmroboter eine 5kg-Sprengladung an der Mine, die kontrolliert zur Explosion gebracht wird. Danach sammeln Roboter die Überreste auf.

Twitter wächst und wächst

Da haben schon manche dem Zwitscherdienst Twitter das Erreichen des Zenits und sein baldiges Ende prophezeit. Tatsächlich legte die Zuwachskurve täglicher Nutzer im Herbst eine Pause ein und stagnierte bei knapp 60 Millionen Besuchern. Doch im Januar zog die Kurve wieder an und landete laut Marktforscher Comscore bei 73,5 Millionen Nutzern, wie "Techcrunch" meldet. Was diese Zahl bedeutet, macht ein Vergleich deutlich: Vor einem Jahr gab es lediglich sechs Millionen Twitternutzer.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Freifrau von Hase 17.02.2010
1. Kanns nicht mehr hören....
Man kann das Thema GEZ und die damit verbundene Abzocke nicht mehr hören. Wer immer noch Gebühren zahlt.....selber schuld.
Gande, 17.02.2010
2. Gez??
Weg mit dieser Abzock-Vereinigung, dagegen ist ja die Mafia ein Kaffeekränzchen. Die sogenannten Öffentlich-Rechtlichen verschleudern doch das Geld. Die nehmen genug durch Werbeeinblendungen ein. Hoffentlich schafft es jemand, diesen Laden zu knacken!!
cha cha 17.02.2010
3. das Recht der Bürger ...
Zitat von sysopDer Streit um die digitale Expansion des Angebots der ARD eskaliert: Jetzt könnte es zu einer ersten Klage kommen. Außerdem: Rauhe Sitten und drastische Worte in der britischen Politik, islamische Empörung über Nacktscanner und Bilighandys ab elf Euro. Das und mehr im Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,678441,00.html
Das Recht der Bürger auf eine von Staat und Wirtschaft unabhängige Berichterstattung wiegt ganz sicher mehr als das Recht einiger weniger Verleger, durch Berichterstattung Geld verdienen zu können. Gruner + Jahr wird die Klage verlieren. Und das zurecht!
Bala Clava 17.02.2010
4. Weg mit Zwangsfernsehen
Zitat von cha chaDas Recht der Bürger auf eine von Staat und Wirtschaft unabhängige Berichterstattung wiegt ganz sicher mehr als das Recht einiger weniger Verleger, durch Berichterstattung Geld verdienen zu können. Gruner + Jahr wird die Klage verlieren. Und das zurecht!
Völlig richtig! Deswegen weg mit dem politikerverseuchten Staatsfernsehen von ARD und ZDF.
sichreid, 17.02.2010
5. Die Tagesschau gibt es bereits im Netz...
Jeder besitzer eines Smartphones mit Flash-Fähigkeit - kann sich bereits heute die Tagesschau in verschiedenen Versionen (Tagesschau in 100 sekunden etc.) auf dem Handy ansehen. Verschiedene Versionen sind verfügbar (Tagesschau in 100 sekunden etc.) Weiters kann man (auch iPhone-Besitzer) die Podcasts abonnieren. Wer jetzt gegen ein "App" klagen will, welches diese Möglichkeit beim iPhone erweitert, hat doch einen an der Klatsche!
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