Netzwelt-Ticker: Handy-Tod war nur ein Ablenkungsmanöver

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Es war wohl doch kein explodierender Akku, der einen koreanischen Arbeiter tötete: Das verbrannte Handy sollte von einem tragischen Unfall ablenken. Außerdem: Studie weist Tech-Stress nach, Gamer outet unsaubere TV-Berichterstattung, Richtlinie schafft DVB-H-Standard. Das und mehr im Überblick.

Korea: Explodiertes Handy war nur Ablenkung

Machte am Donnerstag weltweit Schlagzeilen: Das explodierte Handy, das angeblich einen Arbeiter tötete
REUTERS

Machte am Donnerstag weltweit Schlagzeilen: Das explodierte Handy, das angeblich einen Arbeiter tötete

Das Blut lief der Leiche noch aus der Nase, auf dem Hemd des Toten zeichnete sich ein Rußfleck in Form eines Handys ab. Der 33-jährige Südkoreaner muss heftig zugerichtet gewesen sein: Frakturen an Rippen und Wirbelsäule, Quetschungen der Lunge stellten die Amtsärzte fest. Trotzdem vermuteten die Ermittler zunächst einen explodierenden Handy-Akku als Todesursache. Der Explosionsdruck sei auch für die Brüche verantwortlich gewesen.

Jetzt aber erfolgte eine dramatische Wendung: Ein Kollege des Toten gestand einen schrecklichen Unfall. Das explodierte Handy sollte davon ablenken, dass er das Opfer beim Rangieren mit einem Baufahrzeug an einem Felsen totquetschte. Die Polizei untersucht nun, ob das Telefon wegen des hohen Drucks explodierte oder vom Unfallverursacher in Brand gesteckt worden ist.

Italien im Technostress

Immer mehr Italiener leiden einer Untersuchung des Journalisten Enzo di Frenna zufolge unter Technostress: Di Frenna befragte Hunderte Arbeitnehmer, die den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbringen und ständig online sind. 80 Prozent erklärten, schwer gestresst von all der Technik zu sein, fasst die ORF Futurezone die Studie, die nun als Buch erschien, zusammen. "Es handelt sich um Menschen, die zwischen neun und zwölf Stunden am Tag am Computer verbringen", berichtete der Experte.

Schon mit dem Lesen und Beantworten von E-Mails verbrachten die Befragten mehrere Stunden am Tag. All die Elektro-Nervereien führten zu Verzettelung, Konzentrationsproblemen und sinkender Arbeitsleistung. Unternehmen sollten die Gesundheitsrisiken und die Kosten nicht unterschätzen, die mit diesem Stress zusammenhängen.

Computerspiele: Zehn Minuten Medienschelte

Als die Killerspiel-Debatte das Fernsehen erreichte, ging vielen bis dahin gutgläubigen jungen Fernsehzuschauern ein Licht auf: Nur weil ein Fernsehkanal öffentlich-rechtlich ist, heißt das noch lange nicht, dass dessen Berichterstattung deswegen auch zwangsweise neutral und wahrheitsgemäß sein muss. Matthias Dittmayer scheint so ein frustrierter Zuschauer gewesen zu sein – und schritt zur Tat. Der 22-Jährige Jurastudent und Computerspieler schaute sich an, was die Sendungen "Hart aber Fair", "Frontal 21", "Kontraste" und "Panorama" zum Thema Computerspiele und Gewalt zu sagen haben. Für sein YouTube-Video schnitt er die Beiträge zusammen, analysierte deren Aussagen, stellte viele von ihnen richtig und entlarvte manche Halbwahrheit.

Das zehnminütige Video geriet bei YouTube zum kleinen Hit – schon 255.000 Mal wurden Surfer Zeuge, wie Dittmayer eine Sendung nach der anderen auseinander nimmt. Dabei ging es ihm gar nicht darum, auf die Gefährdung durch Videospiele einzugehen, wie Dittmayer in einer Mailingliste schreibt. Er wollte nur zeigen, "dass die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen fehlerhaft ist, im Kleinen und im Großen." Das gelang ihm zumindest im Fall Videospiele ziemlich gut …

2008: iPhone wird schneller

Nach vielen Kundenbeschwerden über einen zu langsamen Anschluss ans Datennetz hat Apple-Partner AT&T nun angekündigt, im nächsten Jahr das iPhone mit dem schnelleren 3G-Internetzugang auszustatten.

Die ORF Futurezone vergleicht diesen mit dem UMTS-Standard in Deutschland. Die USA lägen bei der Einführung leistungsstärkerer Mobilfunkstandards hinter Europa zurück. Doch die 3G-Ankündigung ist nicht so neu, wie es scheint. Apple-Chef Steve Jobs hatte schon vor Monaten angedeutet, es könnte ein schnelleres iPhone geben, sobald die entsprechenden Chips weniger Energie verbrauchen.

Noch mal 2008: Schäuble lauscht später

Doch die Futurezone hat noch mehr frohe Botschaften fürs nächste Jahr: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) rechnet im Streit mit der SPD über die Online-Durchsuchung nun erst 2008 mit einer Lösung. Eigentlich hätte das Gesetz für das Bundeskriminalamt (BKA) im kommenden Jahr auch die Möglichkeit für Online-Durchsuchungen von Computern "in engen Grenzen" geschaffen. Schäuble wollte noch dieses Jahr die Durchsuchungen einführen, scheiterte aber am Widerstand der SPD, die zunächst das Karlsruher Urteil im Frühjahr 2008 abwarten will.

Neue EU-Medienrichtlinie zu DVB-H jetzt EU-Standard

Mit der am Donnerstag beschlossenen Einführung der neuen EU-Fernsehrichtlinie "Audiovisuelle Mediendienste ohne Grenzen" modernisiert Europa den rechtlichen Rahmen, in dem sich audiovisuelle Mediendienste – jetzt auch on-demand-Dienste – bewegen können. Die neue Richtlinie sei besonders in Sachen Werbung weniger detailliert, flexibler und zukunftsorientierter. Das heißt: Pro Stunde dürfen zwölf Minuten Werbung gesendet werden, Product Placement ist erlaubt. Die Mitgliedsstaaten haben nun zwei Jahre Zeit, die Vorschläge in nationales Gesetz zu verwandeln.

Kommission und Rat gaben am Donnerstag weiterhin bekannt, dass DVB-H ab 2008 offizieller europäischer Standard für digitales, mobiles Fernsehen ist. Bereits im Juli dieses Jahres schlug die Kommission der Industrie vor, auf DVB-H zu setzen. Dieser Vorschlag habe bereits damals "im Markt zu einem unumkehrbaren Trend in Richtung DVB-H" geführt.

Klosuche per SMS

Ein neuer SMS-Dienst soll Londoner Handybesitzer vor einer unheilvollen, allzu langen Suche nach der nächsten öffentlichen Toilette retten.

In der Oxford Street, im West End, beim Big Ben und dem House of Parliament wurde gestern "SatLav" gestartet, ein Toilettensuchdienst für Handys. Touristen, Theaterbesucher, Einkäufer und Pub-Besucher müssten einfach nur das Wort "Toilet" per SMS an eine 50 Cent teure Rufnummer schicken – anhand der Signalstärke und Mobilfunkzelle soll dann eine passende öffentliche Toilette in der näheren Umgebung an den nach Erleichterung Suchenden geschickt werden. Ein Lokusierter Dienst, so zu sagen.

Das System umfasse bisher 40 Toiletten – und soll die Leute davon abhalten, die größte Toilette der Welt zu benutzen: Die Häuserecke. Jedes Jahr, so ließ die Bezirksverwaltung verlautbaren, landeten über 45.000 Liter Urin in den Straßen von Westminster.

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