Netzwelt-Ticker Hulu heißt der Youtube-Killer

NBC und News Corp bereiten den Start des Mega-Videoportals Hulu vor. Allofmp3 will bald wieder den umstrittenen Betrieb aufnehmen. Die Musikbranche feiert vier Jahre Kunden verklagen, während Sony fast unbemerkt den Connect-Shop schließt. Das und mehr im Überblick.


Dass NBC Universal und News Corp gemeinsame Sache mit einem Videoportal machen wollen, war seit März dieses Jahres klar. Jetzt haben die beiden Unternehmen laut Adweek aber auch den Namen des Youtube-Konkurrenten enthüllt: Hulu.

Hulu soll eine Anlaufstelle für Serienfans werden, die dort in einer "urheberrechtsfreundlichen Umgebung" ganze Folgen anschauen können. NBC will zunächst zum Beispiel Episoden der Serien "The Office" und "Friday Night Lights" streamen, Fox den Erfolgsgaranten "Die Simpsons" und die dramatische Cop-Serie "K-Ville".

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DPA

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Die Sendungen sollen über Hulu hinaus jedoch auch noch bei Videoservices von AOL, MSN, MySpace und Yahoo! vertrieben werden, wie die Unternehmen in einer Pressemitteilung vom März ankündigen: Für eine Videoseite mit noch nie dagewesener Reichweite.

Voraussichtlich ab Oktober ist es dann so weit, bis jetzt können sich Besucher von Hulu.com nur für einen Betatest registrieren.

In allen offiziellen Verlautbarungen zum Joint Venture ist bisher - wie üblich - nur vom US-Markt die Rede. Das macht es wahrscheinlich, dass die Inhalte auch nur für dortige Nutzer lizenziert sind - analog beispielsweise zu den Musikservices von Yahoo, die in Deutschland auch nur in Teilen abrufbar sind. Interessant ist es trotzdem: Der Start von Hulu könnte den Beginn eines Trends hin zu einem TV der Produzenten einleiten, vorbei an den herkömmlichen Vertriebskanälen. Und ein Erfolg des Modells dürfte für eine weitere Verbreitung sorgen.

Trotzdem bleibt noch eine Frage zu klären: Was hat es bloß mit dem komischen Namen auf sich? Hulu-Chef Jason Kilar erklärt das so: Der Name strahle Spaß und Einfachheit aus. Das Wort sei kurz, einfach zu buchstabieren, einfach auszusprechen und reime sich überdies mit sich selbst.

So wie Gaga?

Allofmp3: Große Politik, große Worte, viel Tamtam

Kann es sein, dass eine eigentlich harmlose Website über die Zukunft eines ganzen Landes mitentscheidet? Nachdem Allofmp3 vor Gericht überraschend als rechtens erklärt wurde und die Seitenbetreiber bereits ihre Rückkehr ins Geschäft ankündigten, holen die Handelsvertreter der Vereinigten Staaten nun wieder einen Knüppel aus dem Sack, den sie längst zufrieden weggepackt hatten: Den WTO-Beitritt Russlands.

Handelsvertreter-Sprecher Sean Spicer drückt das so aus: "Wir wollen nach wie vor Russland dabei helfen, der WTO beizutreten." Dafür müsse man sich dort aber auch an Abmachungen halten, gerade wenn es um Rechte an geistigem Eigentum gehe: "Ich sehe für Russland keine Zukunft in der WTO, solange Webseiten wie Allofmp3.com noch im Internet stehen."

Harte Worte – doch mit dem Okay des Richters kann Allofmp3 nicht einfach abgeschaltet werden. Dazu bräuchte es Gesetzesänderungen – und zwar schnell. Bis Ende des Jahres wollte Russland eigentlich der WTO beigetreten sein.

Klage gegen PC Tools: Zango gibt auf

Zango stellt Adware her: Software, die unter dem Deckmantel eines angeblich nützlichen Programms Werbung auf die Rechner argloser User schleust. PC Tools stellt das Programm Spyware Doctor her, das Software, die den User unter dem Deckmantel eines angeblich nützlichen Programms für Werbezwecke aushorcht, erkennt und löscht.

Zango verklagte PC Tools im Mai dieses Jahres, weil diese die Zango-Adware als "potentiell schädlich" einstufte. Diese Woche zog Zango die Klage und die Forderung nach 35 Millionen Dollar Entschädigung zurück. Wohl weil der Richter bereits eine einstweilige Verfügung gegen PC Tools zurückwies, da Zango "wahrscheinlich nicht in der Lage ist zu zeigen, dass die Software des Verteidigers unfair oder irreführend ist", so die richterliche Begründung laut einer Pressemeldung von PC Tools..

Aber auch Zango sieht sich als Gewinner: Laut "The Register" hat PC Tools, die den Spyware Doctor auch über das kostenlose "Google Pack" vertreiben, Änderungen am Programm vorgenommen, die die Zango-Produkte nun nurmehr als "potentiell ungewollte Anwendungen" markiert.

Jahrestag: Vier Jahre Piraterieklagen

Es gibt etwas zu feiern, wenn man so will: Fast vier Jahre ist es her, dass die Plattenindustrie erstmals groß gegen 261 Tauschbörsenuser wegen Urheberrechtsverstößen gerichtlich vorging. Ein Zug, der die Filesharing-Welt umgekrempelte und für mächtigen Entwicklungsschub bei Piraterie-Technologien sorgte, wie das Thread Level-Blog von "Wired" resümiert - die Klagewelle als Fortschrittsmotor.

Seit dem 8. September 2003 ist die Zahl derer, die von den Plattenfirmen verklagt wurden, enorm gestiegen. Mit 20.000 ähnlichen Prozessen, Drohungen und außergerichtlichen Einigungen versuchte die Musikindustrie seitdem, dem freien Kopieren Einhalt zu gebieten.

Vergeblich, wie die Bürgerrechts-Organisation Electronic Frontier Foundation (EFF) am Mittwoch konstatierte: "Die Gerichtsverfahren funktionieren nicht. Obwohl das Wissen um die Klagen weitverbreitet ist, wird heute mehr als je zuvor über P2P-Netze heruntergeladen." Der EFF-Vorwurf: "Musikfans zu verklagen ist keine Antwort auf das P2P-Dilemma."

Hier spricht die Gegenseite: Die Musikindustrie sieht das ganz anders. Nach ihren Zahlen ist der Erfolg von P2P-Börsen rückläufig, was in Bezug auf Musikdownloads durchaus stimmen könnte. Trotzdem hat natürlich auch die EFF Recht: Das P2P-Tauschvolumen steigt, nur laden die meisten Nutzer dort heute Filme herunter. Musik tauschen die Kids vor allem per ICQ.

So weit nicht viel Neues. Aber der EFF-Bericht ist trotzdem interessant: Weil er protokolliert, analysiert und Hilfestellungen für Verklagte und Tipps für die Musikindustrie gibt.

Wer um die rechtliche Lage in Deutschland Bescheid wissen will – zum Beispiel, ob man für Gesetzesverstöße über ein offenes W-Lan haftbar ist – bekommt einen guten Überblick in einer FAQ, die Gulli.com in Zusammenarbeit mit einer Rechtsanwaltskanzlei erstellte..

Urheberrechtsposse: Viacom vs. Knight vs. Viacom

Mit Sternzerstörer, Todesstern und einem Lichtschwert in den regionalen Schulrat von Rockhingham, USA: Christopher Knights Wahlspot im Lokalfernsehen war witzig und abgedreht. Klar, dass er auf Youtube die Runde machte.

Der amerikanische Viacom-Sender VH1 nahm das Video in seine Webclipshow Web Junk 2.0 auf. Christopher Knight fand das toll und lustig, nahm einen Ausschnitt der TV-Show mit seinem Clip auf und stellte ihn wiederum bei Youtube ins Netz.

Doch da hört der Spaß auf, dachte Viacom und forderte Youtube auf, den Sendungsmitschnitt mit Knights eigenem Video offline zu nehmen: Knight verstoße gegen das Urheberrecht.

Der versteht jetzt die Welt nicht mehr. Dabei wird deutlich: Ist das Internet für sich schon ein niemals versiegender Quell von ständig neu entstehenden rechtlichen Grauzonen und Unsicherheiten, werden wir in Zukunft durch die Verknüpfung des Netzes mit anderen Medien wohl noch vielerlei anderen Rechtsschabernack erleben müssen.

Übrigens: Connect ist platt

Eine Nachricht für Euch zwei Kunden da draußen: Sony hat den Connect-Shop zu gemacht. Aber vielleicht war der Connect-Chef ja schon bei Euch, um Euch persönlich Bescheid zu sagen.

Für alle anderen: Sony hatte einmal einen Musikdownload-Shop namens Connect. Sehr erfolgreich war der aber nicht.

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