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21. März 2011, 16:09 Uhr

Netzwelt-Ticker

Icann gibt grünes Licht für Rotlicht-Domain .XXX

Von Richard Meusers

Der langjährige Zank um Porno-Adressen fürs Web kommt an sein Ende, das Bundesverfassungsgericht erteilt Privat-Quick-Freeze eine Absage und Facebook hilft beim Fang von Einbrechern. Das und mehr im Überblick.

Was kaum mehr einer glaubte, wird doch noch wahr: Die seit mehr als einem halben Jahrzehnt heiß umstrittene Zulassung der Porno-Domain .xxx kommt. Nach einem knapp acht Jahre währenden Hickhack in Gremien und Regierungen genehmigte die Icann die Rotlichtadresse. Doch bei der zentralen Adressvergabestelle fürs Internet sehen einige bereits neue Probleme auftauchen. So erklärte Icann-Vorstand Georg Sadowsky, schon aufgrund der zu erwartenden Inhalte sei es sehr wahrscheinlich, dass mehrere Länder mit Filtermaßnahmen gegensteuern würden. "Wir wissen zwar alle, dass schon heute gefiltert wird, die Schaffung von .xxx wäre aber der erste Akt des Vorstands, der direkt zum Einsatz von Filtern ermutigt", hatte Sadowsky laut "Heise" gewarnt.

Das war wohl auch der Grund, warum er gemeinsam mit zwei weiteren Vorständen gegen die Entscheidung stimmte. Und die Skeptiker scheinen Recht zu behalten. Gegenüber der "Washington Post" verkündete ein Sprecher der saudischen Botschaft, in seinem Land werde die .xxx-Domain auf jeden Fall komplett ausgefiltert.

Da dürften andere Pläne der Icann auf weitaus weniger Widerstand stoßen. Neben der Zulassung der Schmuddel-Domain sollen bis zum Sommer auch eine ganze Reihe "anständiger" Toplevel-Domains abgenickt werden. Das könnten dann Regional-Adressen wie .bayern und .berlin sein, aber auch solche, die Sparteninteressen bedienen wie zum Beispiel .sport. Natürlich wird es im Zuge der Genehmigungsverfahren unweigerlich zu neuen Streitigkeiten kommen. Denn ganz sicher stoßen die Vorschläge mancher Interessengruppen nicht überall auf Gegenliebe. "Heise" nennt als potentiell besonders strittige TLDs .nazi oder .gay - wie wahrscheinlich die auch immer sein mögen.

Bundesverfassungsgericht kanzelt Kanzlei ab

Das hatte man sich bei einer Abmahnkanzlei so schön gedacht. Die Anwälte stritten für einen Mandanten gegen Internet-Provider, um eine Speicherpflicht von IP-Adressen auf Zuruf durchzusetzen. Die Dienstanbieter hätten dann jedesmal, wenn ein Film- oder Musikanbieter dies verlangt hätte, Verbindungsdaten speichern müssen. Was nicht anderes als eine Art privates Quick-Freeze-Verfahren gewesen wäre - ohne lästigen Umweg über Gerichte.

Die zuständigen Juristen waren von diesem Konzept allerdings wenig begeistert. Bereits vor dem Oberlandesgericht Hamm hatten die Petenten eine Niederlage kassiert, waren aber unverdrossen vors Bundesverfassungsgericht gezogen. Doch die Obersten Richter bestätigten die Vorinstanz und watschten die speicherfreudigen Anwälte kräftig ab. Die Klage wurde gar nicht erst angenommen. Denn, so das Gericht, "Annahmegründe ... liegen nicht vor, denn die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig. Sie erfüllt nicht die ... Anforderungen an eine substantiierte Darlegung der Beschwerdebefugnis (1.), der Notwendigkeit einer Vorlage an den Gerichtshof der Europäischen Union (2.) und der Beachtung des Grundsatzes der materiellen Subsidiarität (3.)".

Mit anderen Worten, resümiert der Rechtsanwalt Udo Vetter: "Den Anwälten gelang es in diesem Fall noch nicht mal, einen formal ordnungsgemäßen Antrag ans Verfassungsgericht zu formulieren."

Facebook kauft App-Entwickler Snaptu

Bis zu 70 Millionen Dollar ist Facebook der Erwerb von Snaptu wert. Die mobile Anwendungsplattform ist praktisch auf jedem internetfähigen Mobiltelefon lauffähig. Sie bildet die Grundlage für eine Vielzahl von Java-basierten Applikationen, bereits 27 Millionen Handybesitzer sollen die eine oder andere der Snaptu-Entwicklungen bereits nutzen.

Was an Snaptu so besonders ist, könnte als Prinzip der Einfachheit beschrieben werden. Die Macher erklären es so: "Wir wollen nützliche und innovative Dienste für die 95 Prozent der Handybesitzer anbieten, die keinen Zugang zu hochentwickelten Smartphones haben."

Das fanden die Verantwortlichen des weltweit größten Social Networks offenbar interessant genug, um die Geldbörse zu öffnen. In den nächsten Wochen soll die Übernahme des 2007 gegründeten israelischen Start-ups über die Bühne gehen.

Mit Facebook-Statusmeldung Einbrecher gestellt

Es ist eine altbekannte Tatsache, dass manche Langfinger mit Hilfe der Facebook-Statusmeldungen überprüfen, ob ein Haus- oder Wohnungsbesitzer gerade nicht daheim ist und sich damit eine lohnende Gelegenheit bietet. Doch es geht auch umgekehrt, wie der Student Nitesh Bhakta im US-Bundesstaat Georgia feststellte. Der junge Mann saß gerade im Wohnzimmer, als Einbrecher ins Haus eindrangen. Bhakta griff sich seinen Laptop und floh auf den Dachboden, während die Ganoven Bhaktas Großmutter und Schwester fesselten und begannen, das Haus zu verwüsten. W-Lan sei Dank hatte Bhakta Internetzugang und tippte in Panik in sein Facebook-Profil "Hilfe, Einbrecher, kein Telefon!".

Sein bester Freund, zufällig ebenfalls online, sah die Meldung und alarmierte umgehend die Polizei. Als die Beamten mit Sirenengeheul anrückten, ergriffen die Einbrecher die Flucht, einer von ihnen konnte wenig später festgenommen werden.

Auch das noch:

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