Von Felix Knoke
Die indische Regierung hat nach Informationen des India-Blogs der "New York Times" die Internetfirmen Google, Yahoo, Facebook und Microsoft aufgefordert, ihre Angebote vor der Veröffentlichung in Indien auf "abfällige, aufrührerische oder diffamierende Inhalte" hin zu überprüfen.
Am Montag trafen sich hochrangige Abgesandte der vier Internetfirmen mit Kapil Sibal, dem indischen Minister für Telekommunikation, um das Thema zu besprechen. Eine unbekannte Quelle berichtet von dem Treffen: Sibal habe eine Facebook-Seite aufgerufen, auf der Sonia Gandhi, die Präsidentin der indischen Kongresspartei, verspottet wird. Der Minister sagte zu den Vertretern der Web-Riesen: "Das ist nicht akzeptabel." Die anwesenden Abgesandten der Internetfirmen sollen Möglichkeiten finden, solche und ähnliche Inhalte zu überwachen und zu filtern.
Unmöglich, finden die geladenen Internetfirmen: Für eine Überwachung und Zensur ist das schiere Datenvolumen im indischen Internet zu groß; sie wollen außerdem nicht entscheiden, was zu abfällig oder diffamierend für eine Veröffentlichung ist. "Sollte es ein Gesetz oder eine richterliche Anordnung geben, werden wir uns darum kümmern können", sagte der Vertreter einer der zu dem Treffen geladenen Webfirmen.
Facebook und Google sind in Indien nicht ganz so dominant wie im Westen: Das Land hat laut Weltbank 1,1 Milliarden Einwohner, die International Telecommunication Union schätzt den Anteil der Onliner auf zehn Prozent - das wären gut 110 Millionen Menschen. Facebooks Anzeigensystem schätzt die Reichweite des Netzwerks auf 38 Millionen Personen in Indien. Google erreicht im Monat in Indien 63 Millionen Nutzer, schätzte im September die Marktforschungsfirma ViziSense.
Die Äußerngen des Ministers sind nicht der erste Versuch der indischen Regierung, das Web im Land zu kontrollieren. Immer wieder werden Websperren und -überwachung von Internet-Anbietern eingefordert. Bekannt geworden ist vor allem das Ringen der Regierung mit dem Blackberry-Hersteller RIM, dessen Dienst für verschlüsselte E-Mails den Überwachern ein Dorn im Auge war - angeblich aus Angst vor Terror, Extremismus und Separatismus.
Was am Dienstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Netzticker | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH