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23. April 2012, 16:12 Uhr

Netzwelt-Ticker

Instagram verbietet Magersucht- und Ritzfotos

Von Richard Meusers

Pinterest, Tumblr und nun Instagram verbieten Beiträge und Motive, die mit Selbstverletzung und Selbstschädigung im Zusammenhang stehen. Außerdem im Überblick: Google Street View gibt es jetzt auch für Israel, und ein Wikipedianer schafft eine Million Edits in sieben Jahren.

Gerade erst wurde Instagram durch seinen Milliarden-Deal mit Facebook plötzlich weltberühmt, da geht der Fotodienst mit einer Gesundheitsinitiative an die Öffentlichkeit. Die Richtlinien des Unternehmens wurden geändert und verbieten nun jeden Inhalt, der sich auf autoaggressives, selbstverletzendes Verhalten bezieht. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass mit sogenannten "Pro Ana"-Fotos, die Magersucht und Essstörungen verherrlichen, endgültig Schluss ist. Im hauseigenen Blog wird erklärt, dass nicht nur Anorexie-Fotos untersagt sind, sondern zusätzlich entsprechende Nutzerbeiträge und Hashtags wie "thinspiration", "probulimia" oder "proanorexia". Auch andere selbstschädigende Praktiken wie das Ritzen, also Selbstverletzung, sind betroffen.

Wer gegen diese Vorgaben verstößt, muss mit der sofortigen Löschung seines Profils rechnen. Von dem Verbot ausgenommen sind Angebote, die sich mit den genannten Phänomenen kritisch auseinandersetzen oder Hilfe anbieten. Mit diesem Schritt reiht sich Instagram bei den Online-Anbietern ein, die sich dem im Internet zu beobachtenden Trend entgegenstellen wollen, der ein auf extremer Magerkeit basierendes Schönheitsideal favorisiert. Schon zuvor hatten der Blog-Service Tumblr und der Fotodienst Pinterest ähnliche Änderungen ihrer Nutzungsbedingungen vorgenommen. Das weltgrößte Social Network Facebook allerdings hat seine AGB, anders als seine Neuerwerbung Instagram, noch nicht geändert, wie "Golem" anmerkt.

Das islamische Facebook kommt (noch mal)

Gottgefällig soll es sein und sich von den weltlichen Angeboten auf dem Markt unterscheiden. Die Macher des in Istanbul beheimateten Social Networks Salamworld sehen großes Potential darin, die Muslime weltweit auf ihrer Plattform zu organisieren. Bis Jahresende sollen bis zu 15 Millionen Neumitglieder geworben werden, bis 2015 sogar 150 Millionen. Dass es den Salamworld-Chefs allerdings nicht um eine Art fromme Online-Moschee geht, sondern vielmehr die Erschließung eines lukrativen Markts, macht das vierminütige Werbefilmchen deutlich, das auf YouTube für den Netzwerk-Newcomer trommelt. Konkurrenten gibt es übrigens längst: Ikhwanbook hieß ein Social Network, das die Muslimbruderschaft im Jahr 2010 startete, ebenfalls eigens für Muslime. Es war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels allerdings offline. Außerdem wird derzeit für ein weiteres Netzwerk für Muslime namens Salamlife geworben, das ebenfalls in wenigen Monaten eröffnet werden soll. Ob eines davon eine konkurrenzfähige Alternative zum auch in der muslimischen Welt sehr erfolgreichen Facebook werden wird, bleibt abzuwarten.

Google Street View jetzt auch für Israel

Während weltweit die Straßen und Plätze von Googles Panorama-Service jedem Netznutzer zugänglich gemacht wurden, blieben Fotos aus Israel tabu. Zu groß die Sorge, Terroristen könnten das Angebot bei der Planung von Anschlägen nutzen. Allen Bedenken zum Trotz sind jetzt dennoch Straßenbilder aus den zwei größten Städten des Landes, Tel Aviv und Jerusalem, online gegangen. Dort sind nun touristische Highlights ebenso zu betrachten wie Zeugnisse für die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern, wie Graffiti und Grenzzäune. Trotzdem wurden auch in Israel wie überall sonst in der Welt kleine Alltagsszenen eingefangen, etwa Kinder auf einer Spielplatzwippe.

Twitter knackt in Deutschland die Vier-Millionen-Marke

Knapp über vier Millionen Nutzer (unique visitors) hat die Website des Kurznachrichten-Netzwerks Twitter den Marktforschern von Comscore zufolge in Deutschland. So viele hätten die Website Twitter.com im März besucht. Wie viele aktive Twitterer Deutschland damit tatsächlich hat, ist jedoch unklar - mitlesen kann bei dem Dienst jeder, auch ohne eigenen Account und vor allem ohne selbst jemals eine eigene Nachricht abzusetzen. Einer Infografik von Statista zufolge, die ebenfalls auf Comscore-Zahlen basiert, sind die deutschen Internetsurfer im internationalen Vergleich nach wie vor eher verhaltene Twitter-Nutzer. Die relative Spitzenposition nehmen demnach die Netznutzer in den Niederlanden ein - 35 Prozent von ihnen sollen Twitter.com im Februar 2012 besucht haben. Selbst die USA, das Mutterland des Dienstes, kommen nur auf knapp 20 Prozent. Deutschland ist in dieser Statistik mit einem Anteil von gut sieben Prozent weit abgeschlagen. Ändern soll das der ehemalige Springer-Mann Rowan Barnett, der am 2. Mai seinen neuen Posten als Twitter-Deutschlandchef antritt.

Auch das noch:

cis

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