Netzwelt-Ticker Irisscan hebt Handy-Sperre auf

Eine Ex-Kiezgröße will nicht mehr wie früher heißen, Google Earth macht Ratespielchen, Internetzensur nimmt zu. Das und mehr im Nachrichten-Überblick.


Schlüssel und Geheimnummern können schnell geklaut werden, die biometrische Ausstattung eines Menschen weit schwieriger. Das ist das Prinzip biometrischer Verfahren zur Identitätserkennung wie dem Irisscan. Der wurde jetzt als zusätzliche Sicherung fürs Handy adaptiert.

Menschliches Auge: Soll Handys entsperren
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Menschliches Auge: Soll Handys entsperren

Wenn die Pin zur Entsperrung nicht ausreichend ist, kann zukünftig noch der Blick des Besitzers in die Kamera fällig werden. Voraussetzung für die von Oki Japan entwickelte Technik ist eine Kamera mit mindestens einem Megapixel Auflösung.

Das erstmalige "Einlesen" des Besitzerauges auch der Entperrungsprozess soll nur wenige Sekunden dauern und nur in einem von 100.000 Fällen fehlschlagen.

Ex-Kiezgröße mag Spitznamen nicht mehr

Karl-Heinz "Kalle" Schwensen, früher einer der Großen auf dem Hamburger Kiez, mag seinen alten Spitznamen nicht mehr. Er lässt inzwischen manche Blogger und Medien abmahnen, die den alten Namen noch verwenden. Den Spitznamen, der auch im Song "Dein Herz schlägt schneller" der Hamburger Band "Fünf Sterne Deluxe" fällt, in deren Musikvideo Schwensen 1998 auftrat. Heute findet er, der Spitzname sei "rassistisch, diskriminierend, abwertend und daher ansehensmindernd". Die Aktion traf nicht nur die "Taz", die den Spitznamen aus ihrem Online-Archiv löschen musste, auch mehrere Blogger erhielten eine entsprechende Abmahnung und eine Kostennote über 899,40 Euro.

Wikias nächster Schritt zur Google-Konkurrenz

Unterdessen kommt der Wikipediagründer Jimmy Wales auf seinem Weg, dem Suchmaschinenriesen Google Konkurrenz zu machen, ein gutes Stück voran. Für die geplante Suchmaschine namens Wikia wurde jetzt der Web-Crawler Grub gekauft, dessen Spider das Web durchsuchen und indizieren sollen, wie Wales am Freitag mitteilte. Dabei leihen sich die virtuellen Suchmannschaften über das sogenannte "Distributed Computing" die jeweils nicht genutzte Rechenkraft von Computern, auf denen Grub installiert worden ist.

Kein Zutritt zu US-IT-Sicherheitskonferenz für deutschen Hacker

In Hacker- und IT-Sicherheitskreisen hat der Name "Halvar Flake" einiges Gewicht. Seit Jahren ist sein Träger Thomas Dullien regelmäßiger Referent auf der Sicherheitskonferenz des amerikanischen IT-Unternehmens Black Hat in Seattle. So war es auch dieses Jahr geplant, doch es kam anders. Nach neunstündigem Flug verweigerte ihm der US-Zoll die Einreise ins Land und schickte ihn postwendend mit dem nächsten Flugzeug zurück nach Deutschland. Der Grund: wie jedes Jahr hatte Dullien reichlich Vortragsunterlagen dabei, aber im Unterschied zu den Vorjahren wurde ihm nun die visafreie Einreise verboten. Nachdem er viereinhalbe Stunden verhört worden war, wurde ihm mitgeteilt, er benötige ein "Vorübergehendes Arbeitsvisum für besondere Berufszweige (H1B)". Natürlich gesondert und vor Antritt der Reise zu beantragen. Eigentlich müssten die US-Behörden den Mann gut kennen, wundert sich Dullien. Denn bei seinen Vorträgen und Workshops waren regelmäßig auch Angehörige der NSA und des Verteidigungsministeriums anwesend.

OSZE: Weltweiter Anstieg der Internetzensur

Die Organisation für Sicherheit in Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat dieser Tage auf eine besorgniserregende Entwicklung aufmerksam gemacht: die Internetzensur nimmt überall auf der Welt zu. Im jüngsten Report "Governing the Internet" werden mehr als 20 Staaten aufgezählt, die teilweise umfangreiche Gesetze erlassen haben, die die jeweilige Opposition im Lande einschüchtern und Verdächtige vom Internet fernhalten sollen. Neben Kasachstan und Georgien führt der Bericht ähnliche Beispiele für Webzensur von China bis Iran, Sudan und Weißrussland auf. Einer jüngsten Fälle ereignete sich in Malaysia, wo ein neues Gesetz Kommentare in Foren oder Blogs unter Strafe stellt, die den Islam oder den König verunglimpfen. Inzwischen hat der Informationsminister Kasachstans die Kritik der OSZE zurückgewiesen. Sein Land sei zum Aufbau der Demokratie entschlossen, dazu gehörten auch freie Medien sowie der Ausbau des Internetangebotes. Im Gegensatz dazu stellt der OSZE-Bericht fest, der staatlich reglementierte Onlinezugang sei langsam und dabei teurer als in Westeuropa - bei vergleichsweise viel niedrigerem Durchschnittseinkommen. So kann man die Menschen auch daran hindern, online zu gehen.

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