Netzwelt-Ticker: Jack Wolfskin zieht die Krallen ein

Von

Jack Wolfskin lenkt im Tatzen-Streit ein, Amazon buhlt jetzt auch auf dem PC um E-Buch-Käufer und veröffentlicht eine kostenlose Lese-Software. Außerdem: Wissenswertes zu Windows 7, Mozilla räumt das Internet auf, und China rüstet wohl weiter zum Cyberkrieg. Das und mehr im Überblick.

Beanstandetes Tatzen-Design: Jack Wolfskin will "sein Vorgehen in Fällen von kleingewerblichen Angeboten verändern" Zur Großansicht
Monika Stelly

Beanstandetes Tatzen-Design: Jack Wolfskin will "sein Vorgehen in Fällen von kleingewerblichen Angeboten verändern"

Im Streit mit Kleinhändlern um angebliche Markenrechtsverstöße lenkt der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin lenkt ein. Das Unternehmen will seine umstrittenen Abmahnungen zurücknehmen. "Die zum Teil heftige Kritik unserer Kunden in den aktuellen Fällen der DaWanda-Anbieter nehmen wir ernst und zum Anlass, unser Vorgehen kritisch zu hinterfragen", erklärte Geschäftsführer Manfred Hell am Freitag am Unternehmenssitz in Idstein im Taunus. Heftige Reaktionen im Internet hätten zum Einlenken geführt.

Jack Wolfskin hatte mehrere Kleinhändler, die handgefertigte Produkte über den Online-Marktplatz DaWanda.de verkauft hatten, abgemahnt. Nach Ansicht des Unternehmens hatten sie sein geschütztes Tatzen-Logo verwendet. Jack Wolfskin forderte jeweils bis zu knapp tausend Euro. Die Abmahnaktion hatte im Internet Empörung ausgelöst. Gegen die zehn Anbieter werde es keine weiteren rechtlichen Schritte mehr geben, hieß es seitens des Unternehmens.

"Wir sind immer bemüht, mit Augenmaß und nur dort vorzugehen, wo wir unsere Schutzrechte wirklich gefährdet sehen", sagte Hell. Dies bedeute, dass Jack Wolfskin mit dem Entfernen der betroffenen Produkte von der Internetplattform die Fälle als erledigt ansehe und den Anbietern die Kosten erlasse. "Darüber hinaus wird Jack Wolfskin sein Vorgehen in Fällen von kleingewerblichen Angeboten verändern."

Fotostrecke

4  Bilder
Wolfskin-Abmahnwelle: Gegen diese Produkte geht Jack Wolfskin vor

Das Unternehmen werde in Zukunft zunächst auf anwaltliche Schritte verzichten und selbst Kontakt aufnehmen. "Anwaltliche Hilfe soll in Zukunft erst ein letzter Schritt sein."

dpa

Amazon macht den PC zum Kindle

Amazon wirbt mit einer kostenlosen Kindle-Software um mehr E-Buch-Käufer. Mit dem "Kindle for PC" genannten Programm soll man für den E-Book-Reader konzipierte digitale Bücher am PC nutzen können. Amazon-Kunden sollen damit E-Books im Amazon-Store kaufen, herunterladen und lesen können. Kindle-Besitzer können darüberhinaus ihre Anmerkungen und Lesezeichen zwischen dem Kindle-Lesegerät und der Lese-Software austauschen. PC-Software und Kindle wissen immer, wo im Buch der Leser gerade angekommen ist. Wer einen Touchscreen-PC und Windows 7 einsetzt, kann per Gestensteuerung in die Bücher zoomen und - zukünftig - Seiten per Fingerstrich umblättern. IPhone- und iPod-Touch-Besitzer kennen das vielleicht: Amazon bietet für diese Geräte bereits eine Lese-Software an.

Warum aber veröffentlicht Amazon die kostenlose Software? Zum einen geht es Amazon wohl ums günstige Geschäft mit E-Books. Deren Lagerung, Versand und Handhabung sind denkbar einfach. Außerdem treten immer mehr Firmen in den Markt für E-Book-Lesegeräte ein. Sony macht Amazon schon lange Konkurrenz, etliche kleinere Anbieter versuchen das ebenfalls und auch der US-Bücherriese Barnes and Noble hat ein eigenes Lesegerät vorgestellt.

Möglicherweise als Antwort auf die verschärfte Konkurrenz hat Amazon am Donnerstag bereits den Preis des internationalen Kindle gesenkt: Um 20 Dollar auf 259 Dollar. Doch noch ist der E-Book-Markt jung und wild, gerade außerhalb der USA gibt es einiges zu beachten. Wer mit dem Kauf eines Lesegeräts liebäugelt, sollte sich lieber zunächst hier über die Fallstricke beim E-Buch-Kauf informieren.

Fotostrecke

16  Bilder
E-Books: Lesehilfen für Nerds

Windows 7: Installationshilfe für Netbooks und XP-Modus

Das neue Windows ist da und fast einhellig heißt es: Windows 7 ist besser als Vista, wahrscheinlich besser als XP - umsteigen! Aber, fragen sich Otto und Eva Normalsurfer: Ist das nicht riskant? Heißt es nicht: Never touch a running system, verändere nie, nie, nie etwas an einem funktionierenden Computer? Microsoft jedenfalls gibt sich reichlich Mühe, den Umstieg auf Windows 7 zu fördern: Mit einer eigenen Upgrade-Seite und einem Aktualisierungswerzeug, das überprüft, ob der Rechner überhaupt für einen Umstieg geeignet ist.

Speziell für Netbook-Besitzer gibt es jetzt außerdem eine ebenso praktische wie notwendigen Software, das "Windows 7 USB/DVD Download Tool". Die soll helfen, Windows 7 auf Rechnern zu installieren, die kein DVD-Laufwerk haben. Die kostenlose Windows-Software kopiert den Inhalt der Installations-DVD auf einen USB-Stick, von dem aus dann das Betriebssystem installiert werden kann.

Doch die USB-Installation ist auch für jeden anderen interessant: Ein USB-Stick ist praktischer als eine CD oder DVD, die Installation geht oft deutlich schneller als von einer Silberscheibe (Für Mac OS X gibt's diese Möglichkeit im Disk-Utility/Festplatten-Dienstprogramm). Außerdem hat Microsoft pünktlich zum Verkaufsstart von Windows 7 den versprochenen XP-Modus zum Download bereitgestellt, schreibt Winfuture. Wer alte XP-Programme nicht in Windows 7 betreiben kann, kann sich die fast 500 MB große Software kostenlos auf den Rechner laden.

Wem all das nicht geheuer ist, sollte sich diese kleine "Wired"-Auflistung ansehen: Sieben Dinge, die man vor dem Upgrade auf Windows 7 wissen sollte.

Mozilla Raindrop: Web-Geschnatter unterm Stalldach

Das Internet ist ein Zeltlager: E-Mails kontrolliert man in jenem Zelt, Twitter-Updates in diesem, die zehn Lieblingsblogs sind kreuz und quer über den Zeltplatz verstreut. Die Entwickler des Firefox-Browsers wollen all diese Kommunikationsorte in einem Programm namens Raindrop zusammenfassen. Dort sollen E-Mails, Blogeinträge, Twitter-Feeds und Instant Messages zusammenlaufen.

Das Entwicklungsteam beschreibt das so: Wenn Ihnen ein Freund einen Link von YouTube oder Flickr schickt, sollte ihr Messaging-Programm diese Fotos und Videos als Teil der Nachricht anzeigen können - bis jetzt müssen sie dafür immer und immer wieder in den Browser wechseln; Computernachrichten und Mailinglisten dürfen nicht die E-Mail-Inbox vermüllen.

Der Gedanke dahinter: Warum soll ich durchs Netz rennen, wenn das Netz auch zu mir kommen kann? Immer wieder gibt es Versuche, das zu regeln, etwa den "sozialen" Flock-Browser oder Google Wave. Mozilla Raindrop gibt's bislang nur als frühe Entwicklungsversion - und hier gibt's eine Video-Vorschau.

China rüstet angeblich zum Cyberkrieg

Dem Bericht einer US-Kommission zufolge rüstet China zum Cyberkrieg, heuert Hacker an und sammelt Informationen für einen langfristige Cyberattacke. Die U.S.-China Economic and Security Review Commission sieht eine enge Verknüpfung zwischen Chinas Hacker-Elite und der Regierung in Peking - auch wenn es dafür wenige Beweise gebe. Die Kommission führt als Beispiel einen Hacker-Angriff auf eine US-Firma an, der von IP-Adressen in China ausgeführt wurde - ein dürftiger Beleg. Aber, so die Logik der Kommission, solch ausgefeilte Attacken gelingen nicht ohne staatliche Unterstützung.

Weitere Meldungen:

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Netzticker
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Zum Autor
Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Fotostrecke
Kindle 2: Amazons neuer E-Book-Reader

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.