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01. Juli 2009, 15:08 Uhr

Netzwelt-Ticker

Joost kapituliert

Von Richard Meusers

Mit Endverbraucherorientierung und der "Zukunft des Fernsehens" ist bei Joost nun Schluss, Twittern geht jetzt auch mit Flickr, und das iPhone bleibt rosa. Das und mehr im Überblick.

Zweimal haben Niklas Zennström und Janus Friis mit ihren Gründungen Glück und wirtschaftlichen Erfolg gehabt: KaZaA und Skype brachten ihren Erfindern Ruhm und Geld ein. Mit ihrem dritten Projekt Joost scheinen sie die Erfolgsstraße jedoch verlassen zu haben, das derzeitige Geschäftsmodell ist ein Flop.

Joost: Bei Versuchen, zum TV der Zukunft zu werden, hatte es - wie aktuell im "Michael Jackson Kanal" - doch selten mehr als Häppchen zu bieten, die man auch woanders bekam

Joost: Bei Versuchen, zum TV der Zukunft zu werden, hatte es - wie aktuell im "Michael Jackson Kanal" - doch selten mehr als Häppchen zu bieten, die man auch woanders bekam

Der Online-Videodienst, ursprünglich als Tauschbörsen-TV konzipiert, vollzog schon im Dezember die Wende zum YouTube-Klon, nicht zuletzt auch wegen Mangels an lizenzierten Inhalten. Die als Zielgruppe angepeilten Endverbraucher wurden mit dem Angebot trotz hoher Bildqualität nie so recht warm - vielleicht aus Faulheit, wenn man so will. Denn die meisten bevorzugen das Betrachten von Clips direkt im Browser und haben keine Lust, sich erst umständlich ein separates Programm zu installieren.

Auch inhaltlich hatte Joost immer Mangelerscheinungen: Die interessanteren Inhalte gibt es (zumindest in den USA) schon lange bei Hulu zu sehen. In Europa kann man sich online vornehmlich die letzten Blockade- und Rückzugsgefechte der klassischen TV-Szene ansehen - außer drögem Kram, programmwerbliche Häppchen und cineastische Resteverwertung ist da legal kaum etwas zu sehen. Kaum überraschend überließ da auch kaum ein Anbieter Joost nennenswerte attraktive Inhalte: Das Web-TV bietet vornehmlich Häppchen, Exotenkanäle und Musikvideos.

Von der "Zukunft des Fernsehens" ist nun bei Joost nicht mehr die Rede, vielmehr soll die Plattform streng unternehmensorientiert als Anbieter für verschiedene Telkos auftreten. Die neuerliche Wende in der Firmenpolitik bedeutet nicht nur für nutzergenerierte Inhalte das Ende, sondern auch für den bisherigen Technologiechef Matt Zelesko, der ebenso gehen muss wie weitere hundert Joost-Angestellte.

Yahoo lässt Twitter-Flickern zu

Wer twittert, will auch etwas sehen. Das Verlinken von Bildern im beliebten Zwitscherdienst hat einen großen Sprung nach vorn gemacht, seit gestern integriert nämlich Yahoos Fotodienst Flickr auch Twitter in sein Angebot. Das Feature namens Twitter2Flickr ermöglicht es Nutzern, Flickr-Fotos mit ihren Twitter-Accounts zu verbinden.

Dazu muss Flickr als erlaubte Anwendung zugelassen sein, die unter dem eigenen Nutzernamen Tweets absetzen darf. Soll ein Bild zum Beispiel in ein Blog eingefügt werden, erscheint nun auch eine Twitteroption, die entsprechenden Tweets erscheinen dann mit einer "flic.kr"-URL. Außerdem gibt es nun auch eine Twittersuche für Flickr-Fotos.

Das iPhone bleibt exklusiv bei T-Mobile

Noch in der letzten Woche gingen Gerüchte um, die Partnerschaft zwischen Apple und T-Mobile zur iPhone-Vermarktung in Deutschland nähere sich dem Ende, Cupertino verhandele bereits mit O2. Doch nichts da, das iPhone bleibt auch künftig rosa.

Gegenüber dem Brancheninfodienst "Teltarif" erklärte T-Mobile-Pressesprecher Dirk Wende, die Vermarktungsgemeinschaft zwischen den beiden Unternehmen sei langfristig angelegt, auch im kommenden Jahr werde das iPhone in Deutschland exklusiv nur bei T-Mobile zu haben sein.

Was im Umkehrschluss für Fans eines "freien" iPhones bedeutet, dass sie auch zukünftig den Weg übers Ausland gehen müssen, wenn sie ein Gerät ohne Vertrag und SIM-Lock bekommen möchten. Allerdings gibt's dann keine Herstellergarantie mehr von Apple.

Nasa veröffentlicht detaillierteste topografische Karte der Welt

Die amerikanische Weltraumagentur Nasa hat tief in den Fundus ihrer Bilddatenbanken gegriffen und eine topografische Karte der Erde in bislang einzigartiger Genauigkeit veröffentlicht. Aus 1,3 Millionen Satellitenbildern zusammengefügt, deckt sie 99 Prozent der Oberfläche unseres Planeten ab.

Das Bildmaterial stammt vom japanischen Fotosensor Aster, der an Bord des Satelliten Terra seit 1999 die Erde umkreist. Die aus seinen Daten generierte Karte zeigt die Erde zwischen 83 Grad nördlicher und 83 Grad südlicher Breite, die bislang genaueste Karte erreichte nur einen Abdeckungsgrad von 80 Prozent.

Der Leiter des wissenschaftlichen Aster-Teams Mike Abrams sieht eine ganze Reihe wissenschaftlicher und praktischer Anwendungsmöglichkeiten. Architekten und Städteplaner würden von dem neuen Material ebenso profitieren wie die Exploration von Bodenschätzen oder Naturschutzbelange.

Bald gibt's Skype auch für den Blackberry

Die Internet-Telefonie über den kostenlosen Service von Skype ist eine feine Sache, aber leider nicht für alle. Besitzer eines Blackberry mussten leider draußen bleiben, bis jetzt. Noch in diesem Jahr will Skype eine passende Software-Version für das Smartphone anbieten, wird der zuständige Mobilfunkmanager Dan Horner von "Informationweek" zitiert.

Das wird die Mobilfunk-Provider nicht glücklich machen, bedeutet dieser Schritt doch einen weiteren Einbruch in ihr eigentliches Kerngeschäft. Das leidet nämlich unter der Möglichkeit, mit dem Handy einfach übers Internet zu telefonieren. Mit einer Datenflatrate sind dann auch die Kosten überschaubar.

Bislang versuchen einige Telkos, aus der Not eine Tugend zu machen, und lassen die Nutzung von VoIP-Diensten über ihre Mobilfunknetze zu. Allerdings wird dafür dann eine zusätzliche Grundgebühr fällig. T-Mobile wird zum Beispiel ab dem Sommer eine neue Tarifoption einführen, die Kundschaft darf dann zu Preisen ab 9,95 Euro pro Monat die Vorteile von Skype und Co. ausnutzen. Oder genauer: das, was dann noch davon übrigbleibt.

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