Von Felix Knoke
Die Online-Jugendschützer von Jugendschutz.net haben den Bericht "Jugendschutz im Internet 2009" vorgelegt ( PDF-Datei, 10 MB). Demnach hat das Unternehmen, das im staatlichen Auftrag arbeitet, im vergangenen Jahr 19.000 Angebote kontrolliert und dabei 2400 Verstöße gegen den Jugendschutz registriert, vor allem Porno-Seiten (42 Prozent).
Laut Jugendschutz.net hat sich der Anteil der Angebote, die Selbstgefährdungen propagieren - etwa Pro-Ana- und Suizid-Foren - allerdings im vergangenen Jahr auf 22 Prozent der Online-Anzeigen verdoppelt. Insgesamt meldeten Surfer insgesamt 8000 Angebote. Als jugendgefährdend eingeschätzte Angebote können nach dem Hinweis durch Jugendschutz.net "in drei von vier deutschen Fällen" schnell beseitigt werden. Wer nicht kooperiert, dem drohen eine Meldung bei der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und vielleicht auch Bußgelder.
2009 untersuchte Jugendschutz.net zum ersten Mal die sogenannten Boy-und-Girl-Lover-Foren, in denen Pädosexuelle Missbrauchsphantasien austauschen und sich gegenseitig darin bestärken, diese auch auszuleben. Für 2010 sei eine Kampagne gegen sogenannte Posen-Angebote mit Sitz im Ausland geplant, in denen Kinder als Sexobjekte präsentiert werden.
Erstmals versuchten sich die Jugendschützer auch an einer Einordnung von islamistischen Propagandavideos. Jugendgefährdend seien die, wenn darin Minderjährige für den Heiligen Krieg rekrutiert werden sollen oder zeigen, wie Kinder terroristische Attacken, Erschießungen und Geiselnahmen trainieren. Videos gelten nun als verrohend, "wenn sie den Eindruck erwecken, es sei völlig normal und angemessen, in den 'Heiligen Krieg gegen Ungläubige' zu ziehen und Kinder zum bewaffneten Kampf auszubilden".
Die Jugendschützer beobachteten weiterhin einen Anstieg von rechtsextremen Angeboten, Neonazis vernetzten sich immer stärker über eigene Communitys. Jugendschutz.net dokumentierte 93 Szene-eigene Netzwerke (Vorjahr: 37, Zunahme um 150 Prozent); ein sehr großer Teil enthielt strafbare Inhalte (80 Prozent).
Jugendschutz.net durchforstet das Internet auf der Suche nach jugendgefährdenden Angeboten, reagiert auf Online-Anzeigen und informiert bei Verstößen die FSK und die Kommission für Jugendmedienschutz. Jugendschutz.net versucht darüber hinaus, Plattformbetreiber wie YouTube und MyVideo zu einem besseren Jugendschutz zu bewegen. Bei Tests von Video-Plattformen 2009 stellte Jugendschutz.net "zahlreiche Mängel" fest: versteckte Meldefunktionen für bedenkliche Inhalte, lange Bearbeitungsdauern. "Deutsche Portale entfernten gemeldete Videos innerhalb einer Woche, ausländische Plattformen teilweise überhaupt nicht oder viel zu spät. Kein Dienst gab Rückmeldung, wie gemeldete Beiträge einzuschätzen sind und ob sie gelöscht wurden."
Tauss mahnt Blogger ab
Der wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilte ehemalige SPD- und Piratenpolitiker Jörg Tauss wehrt sich mit einer Abmahnung gegen die Darstellungen im Ruhrbarone-Blog ("Journalisten bloggen das Revier"). Tauss stört sich an der angeblich unwahren oder verfälschenden Darstellung im Blog, etwa an der Feststellung, er habe "die Freiheit des Netzes missbraucht", wo er die kinder- und jugendpornografischen Inhalte doch auf anderem Wege erhielt. Tauss dazu in einer Twitter-Nachricht vom 1. Juni: "Habe jetzt auch mal Blogger abgemahnt. Ich bin die erbärmliche Hetze der @Ruhrbarone leid, die sich nie mit mir in Verbindung gesetzt haben." Die Ruhrbarone kündigen im Blog an, eine Unterlassungserklärung in einem der vier angemahnten Punkte abzugeben.
Quit Facebook Day: 30.000 weniger
Mehrere zehntausend Internetnutzer haben das Internet-Kontaktnetzwerk Facebook nach Angaben von Aktivisten am Montag aus Protest gegen die Datenschutzpolitik des Unternehmens verlassen. Bis um Mitternacht (MESZ) in der Nacht auf Dienstag seien insgesamt 32.749 Facebook-Mitglieder einem Aufruf gefolgt und hätten dem sozialen Netzwerk den Rücken gekehrt, teilten die Organisatoren auf der Website Quit Facebook Day mit. Die Gruppe, die ihre Identität nicht näher bekanntgab, hatte für Montag Facebook-Nutzer aufgerufen, ihre Nutzerkonten zu schließen.
Angesichts der etwa 500.000.000 Facebook-Mitglieder weltweit und angeblich 500.000 Neueinträgen täglich sind die 30.000 Austritte freilich nur symbolisch zu verstehen - nicht unbedingt im Sinne der Veranstalter der Aktion ...
kno/AFP
iPhone: Zugriff statt Passwortschutz
IT-Experte Bernd Marienfeld hat durch Zufall eine peinliche Lücke in Apples iPhone-Sicherheit entdeckt. Wer früh genug sein nicht freigeschaltetes iPhone mit einem Rechner verbindet, hat uneingeschränkten Zugriff auf die dort gespeicherten Bilder, MP3s, Videos, Sprachnotizen. Schlimmer noch: Wie Heise Security nachweisen konnte, können mit diesem Simpel-Hackangriff auch Notizen, SMS-Nachrichten und sogar Passwörter ganz einfach vom iPhone ausgelesen werden. Alles, was es dazu braucht, ist ein Windows-Computer, iTunes und das richtige Timing.
Apple untersucht den Fall laut Heise und Marienfeld noch - die internationale Online-Presse sieht aber schon die Zukunft des iPhones als Business-Handy gefährdet. Laut Readwriteweb werden vier von zehn iPhones an Geschäftskunden verkauft - die auch von Apples Sicherheitsversprechen angelockt werden: Auf iPhones seien Geschäftsdaten sicher.
Eigentlich sollen Verschlüsselung und Authentifizierung den Zugriff auf die Daten eines iPhones reglementieren: Nur wer eine vierstellige Ziffernfolge kennt oder mit Hilfe eines zuvor als legitim authentisierten iTunes auf das iPhone zugreift, darf Bilder, MP3s und private Daten einsehen. Doch wer früh genug sein iPhone an seinen Rechner anschließt, kann den Check-Vorgang überlisten, das iPhone wehrt sich nicht mehr gegen unrechtmäßigen Zugriff - eine Hackmethode, die selbst Computeranfänger beherrschen.
Deutsche schickten so viele SMS wie noch nie
2009 verschickten die Deutschen die Rekordzahl von 34,4 Milliarden SMS und damit fast 24 Prozent mehr als 2008, teilt der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) auf Basis von Daten der Bundesnetzagentur mit. Rechnerisch tippte jeder Bundesbürger im Schnitt 420 SMS pro Jahr ins Mobiltelefon. Der Umsatz mit Text- (SMS) und Bildnachrichten (MMS) dürfte von 2,5 Milliarden Euro 2009 auf geschätzt 2,3 Milliarden Euro in diesem Jahr zurückgehen. Hintergrund seien günstige netzinterne Kurznachrichten.
lis/dpa
Schizophrenie-Training für Australiens Polizisten
Australische Polizisten müssen lernen, besser mit schizophrenen Menschen umzugehen - und versetzen sich mit Hilfe eines 3D-Systems in die Psyche eines Schizophrenie-Kranken inmitten einer paranoid-psychotischen Episode: Hinterhältige Stimmen flüstern Gemeinheiten, Unschuldsgesichter verwandeln sich in Lästerfratzen, alles bunt, alles in Bewegung. Der "Sydney Morning Herald" nahm am Training teil: "Es war verstörend, obwohl man weiß, dass [die Erfahrung] im Gegensatz zu einer echten psychotischen Episode jederzeit abgeschaltet werden könnte."
Weitere Meldungen
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Netzticker | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH