Netzwelt-Ticker Jugendschutz verlangt richtig Zielen statt Sperren

Kinderpornografie findet überwiegend via Peer-to-Peer statt, nicht über Websites, zeigt eine Studie. England sucht trotzdem einen WWW-basierten Weg im Kinder- und Jugendschutz. Außerdem im Überblick: Verbraucherschützer kritisieren Internetwirtschaft und mit Smartphones für ein besseres Klima.

Das Web-Stoppschild (Archivbild): Sperren hilft wenig, weil der Datenverkehr woanders läuft
DPA

Das Web-Stoppschild (Archivbild): Sperren hilft wenig, weil der Datenverkehr woanders läuft

Von Carolin Neumann


Deutschlands Politiker haben bei Weitem kein Monopol auf ideell lobenswert motivierten Übereifer, wenn es um den Schutz von Kindern im Internet geht. Während in der Webszene hierzulande gerade die Empörung über Netz-Altersfreigaben und andere Teile des kommenden Jugendmedienschutz-Staatsvertrages hochkocht, wird auch in Großbritannien eine neue Herangehensweise gefordert.

Jeder dritte Zehnjährige sei schon mal über Online-Pornografie gestolpert, beklagt die konservative Abgeordnete Claire Perry aus dem Südwesten Englands. Sie will den Schutz für Unter-18-Jährige stärken und dafür die Service-Provider in die Pflicht nehmen, entsprechendes Material an Altersprüfungen zu binden. Die technischen Voraussetzungen gebe es bereits. Wie genau dieses von ihr als "Opt-in" bezeichnete System funktionieren soll, erklärt Perry nicht, versucht aber in ihrem Appell auf politics.co.uk mögliche Gegenargumente wie das horrender Kosten gleich zu widerlegen.

Hauptargument für alle möglichen Regulierungsansätze für das WWW ist seit Jahren die Bekämpfung der Kinderpornografie im Internet. Die aber, zeigt aktuell wieder eine Studie, die das "White IT"-Bündnis diese Woche in Hannover vorgestellt hat, spielt sich eher in Ausnahmefällen im WWW ab.

Eines der dort präsentierten Ergebnisse: Die "Löschen statt Sperren"-Initiative gegen Kinderpornografie scheitere nicht nur am Widerstand der Länder, in denen die Server mit dem illegalen Material stehen. Vor allem wird demnach ein Großteil der pornografischen Inhalte via P2P verteilt - ein Verbreitungsweg, den WWW-basierte Maßnahmen wie das Sperrgesetz oder Perrys Idee einer Altersfreigabe gar nicht berühren.

Auch interessant: Laut den Erhebungen, durchgeführt vom Kriminalwissenschaftlichen Institut der Universität Hannover, spielt in dieser Szene Geld offensichtlich kaum eine Rolle. "Von einem 'Milliardenmarkt für Kinderpornografie' kann also offenbar einmal mehr keine Rede sein", schreibt dazu Netzpolitik. Genau dies wird aber immer wieder als Argument für rigide Sperrvorschläge angeführt.

Opt-in für Online-Marketing in Deutschland gefordert

Verbraucherschützer haben der Internetwirtschaft in Deutschland vorgeworfen, im großen Stil Daten der Web-Anwender meist ohne deren Einverständnis zu sammeln und auszuwerten. "Der gläserne Verbraucher ist im Internet bereits Realität", sagte Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Ihm geht es vor allem um den Einsatz von Cookies, mit denen die Unternehmen nach seinen Worten systematisch das Verhalten potentieller Kunden ausspionieren.

Der Verband forderte am Donnerstag "Mindeststandards für den Daten- und Verbraucherschutz in der Online-Welt". Web-Unternehmen müssten sich zunächst "eine aktive, informierte Einwilligung von den Anwendern" einholen, bevor sie Daten erheben und verarbeiten. Sprich: Opt-in statt wie bislang in den meisten Fällen Opt-out bei der Anmeldung auf einer Seite.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) schloss sich der Transparenzforderung an. "Nutzer müssen (...) die Möglichkeit erhalten, ihre Rechte zum Beispiel auf Auskunft oder Löschung von Daten einfach und effektiv wahrzunehmen."

Die Internet-Wirtschaft sträubt sich. Die Forderungen machten die Finanzierung kostenloser Web-Angebote durch Werbung quasi unmöglich. Außerdem würden nur Unternehmen in Deutschland und der EU benachteiligt, da ein Opt-in für jede Erhebung von Daten international nicht durchsetzbar sei.

can/dpa-AFX

GPS-Projekt in China soll Emissionen weltweit verringern

In Zeiten teils irrationaler Kritik an technischen Fortschritten wie der GPS-Implementierung sind positive Nachrichten eine gern gesehene Abwechslung. So könnten Dienste wie Google Maps und generell die GPS-Ortung auf Smartphones in Chinas Metropolen einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Ein Projekt unter Beteiligung der Telekom und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) soll das Verkehrsaufkommen in Peking und Shanghai mit ihrer Hilfe optimieren, berichtet Golem.

Ausgehend von einem Experiment bei der Expo gibt es bereits eine Übersicht über Verkehrsströme und CO2-Ausstöße in Shanghai. Autofahrer sollen anhand solcher Daten ihre Routen umweltschonend planen können - ganz einfach durch den Griff zum internetfähigen Handy, das den besten Weg berechnet. Vom privaten Nutzer abgesehen liegt das Potential wohl vor allem in einer Nutzung zum Beispiel durch Verkehrsbehörden. Da nach Peking und Shanghai weitere Großstädte aus Asien, Südamerika und Afrika folgen sollen, verspricht das System im besten Fall eine großflächige Reduktion der in diesen Ländern besonders hohen Emissionen.

Auch das noch:



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
ryul 26.11.2010
1.
Zitat von sysopKinderpornografie findet überwiegend via Peer-to-Peer statt, nicht über Websites, zeigt eine Studie. England sucht trotzdem einen WWW-basierten Weg im Kinder- und Jugendschutz. Außerdem im Überblick: Verbraucherschützer kritisieren Internetwirtschaft und mit Smartphones für ein besseres Klima. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,731312,00.html
Ich brauch keine Studie anfertigen um zu beweisen, dass dieser schreckliche Mist über P2P stattfindet. Sowas ist logisch. Aber hauptsache man schmeisst viel Geld raus um ein Blatt Papier zu haben wo die Antwort draufsteht.
olleolaf 26.11.2010
2. So ein Unfug!
"Jeder dritte Zehnjährige sei schon mal über Online-Pornografie gestolpert, beklagt die konservative Abgeordnete Claire Perry aus dem Südwesten Englands." Schau an, gibt es Belege oder hat Claire ein Problem mit dem Internet? Unsere modernen Politiker merken gerade, daß es ein Internet gibt. Die Möglichkeiten haben die noch nicht realisiert. Verbieten? Kein Problem.
abfallverwertung 26.11.2010
3. Jugenschutz wird von Moralaposteln völlig übertrieben
"Jeder dritte Zehnjährige sei schon mal über Online-Pornografie gestolpert, beklagt die konservative Abgeordnete Claire Perry aus dem Südwesten Englands." Das ist wohl eher ein Aufsichtsproblem der Eltern als das des Internets - wenn es denn überhaupt ein Problem ist. Es kommt mir eher so vor, als werden diese "Probleme" des Jugendschutz herbeigeredet. Wir haben damals in der Schule auch Playboy-Heftchen herumgereicht, die immer irgendeiner von Papas Magazine-Sammlung mitgehen ließ. Heute findet das eben per Internet statt. Also nichts Neues und auch lange nicht so schlimm, wie immer dargestellt. Meine Generation hat den gelegentlichen Playboy- und Praline-Heftchen jedenfalls keinen Schaden erlitten. Im Gegenteil, es war gut für unsere Neugier. Warum werden eigentlich Nacktheit und Sexualtität von bestimmten Erzkonservativen nach wie vor so behandelt, als sei dies irgendwie abartig und müsse tabuisiert werden? Warum Kindern einbleuen, dass das alles "schmutzig" sei, wenn es doch zum Menschsein gehört? Manchmal könnte man meinen, die Jugendlichen müssten eher vor übereifrigen, verklemmten Aufsichtspersonen geschützt werden als vor dem Internet. Unter solchen Leuten finden sich eh die schlimmsten, wie man bei den achso heiligen Kirchenvertretern sehen konnte.
Celegorm 26.11.2010
4. ...
Zitat von olleolaf"Jeder dritte Zehnjährige sei schon mal über Online-Pornografie gestolpert, beklagt die konservative Abgeordnete Claire Perry aus dem Südwesten Englands." Schau an, gibt es Belege oder hat Claire ein Problem mit dem Internet? Unsere modernen Politiker merken gerade, daß es ein Internet gibt. Die Möglichkeiten haben die noch nicht realisiert. Verbieten? Kein Problem.
Vermutlich, und ein Problem mit einer korrekten Realitätswahrnehmung noch dazu. Anders lässt sich dieser immer wieder lächerlich Euphemismus des "darüber Stolperns" kaum erklären. Denn auch wenn das Internet in der Tat eine hohe Dichte erotischen und pornographischen Inhalts aufweist, um diesen zu sehen ist immer noch Vorsatz notwendig oder man bewegt sich zumindest in den zwielichtigen Bereichen des Webs. Sprich falls 10jährige über so etwas "stolpern", dann dürfte es daran liegen, dass diese das so wollen oder sich aufhalten, wo sie nicht wirklich hingehören. So oder so letztlich ein Problem, das sich höchstens über den Erziehungsweg minimieren lässt. Zu suggerieren, wie das konservative Kreise gerne tun, man würde beim harmlosen Surfen auf der Lego-Webseite ungewollt mit Hardcore-Pornographie bombardiert ist beinahe niedlich absurd.
Oberleerer 26.11.2010
5. .
Wenn die Kontrollfreaks so weiter machen, ist P2P bald die einzige Möglichkeit im Internet zu surfen, ohne permanent überwacht, belauscht und analysiert zu werden. Dann werden selbstorganisierende Netze per WLAN-Router aufgebaut. Das schwach besiedelte Land ist dann aber wohl wieder außen vor. Etwas OT: In meinem Bekanntenkreis hält sich hartnäckig das Gerücht, dass DSL erst Verbreitung fand, als jede Menge Herren um die 50/80 ins Internet drängten, seit in der Presse von dem vielen unkontrollierten Schmutz im Internet berichtet wurde.
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