Netzwelt-Ticker Klage gegen Datendrosselung

Der US-Provider Comcast ist verklagt worden, weil er den BitTorrent-Datenverkehr in seinem Netz ausbremste. Außerdem: Hacker verhaftet, Microsofts neuer Zune-Player, neues Web-Lexikon Jugend - Deutsch. Das und mehr im Überblick.


Als Recherchen der Nachrichtenagentur AP zeigten, wie der US-Internetprovider Comcast seinen Kunden mit gefälschten Internet-Signalen die Benutzung des Filesharing-Protokolls BitTorrent und sogar des Datenbank- und E-Mailprogramms Lotus Notes blockierte, war der Aufschrei groß: Ein Angriff auf die Netzneutralität sei das, der Gleichbehandlung aller Internet-Teilnehmer. Der Kalifornier John Hart machte nach Informationen von Ars Technica nun Nägel mit Köpfen und reichte eine Klage gegen Comcast ein. Die Klagegründe: Vertragsbruch, Bruch einer stillschweigenden Verpflichtung zu Treu und Glauben und die Verletzung eines kalifornischen Verbraucherschutz-Gesetzes.

Hart hofft nun darauf, seine Klage in den Rang einer Sammelklage heben zu können, Schadensersatz zu bekommen und Comcast zu einer Änderung der Geschäftspraxis zu bewegen.

Die wollen freilich von nichts Bösem wissen, erklären ihr Traffic-Management als Dienst am Kunden. Die amerikanische Regulierungsbehörde FCC, im gleichen Fall schon mit Internet-Aktivisten beschäftigt, schließt sich dieser Meinung an: Provider müssten die Möglichkeit haben, den Internetverkehr zugunsten aller User regeln zu können; weitere Regularien seien unnötig.

Das bekam nun Video- und Gamesdienstleister Vuze zu spüren. Dessen Geschäftsmodell ist die legale Verbreitung von Daten via BitTorrent. Eine BitTorrent-Blockade bei den großen Internetprovidern schädigt sein Geschäft - und lässt seine Kunden im Regen stehen. Das gilt für alle Anwendungen, die erfolgreich das wichtige BitTorrent-Protokoll einsetzen - zum Beispiel der Netzvideoplayer Miro oder das Onlinespiel World of Warcraft.

Schwedischer Tor-Hacker festgenommen

Gestern noch auf der Showbühne, heute schon im Knast: Dan Egerstad war für den "Hack des Jahres" verantwortlich. Über eine Lücke im Anonymisier-Dienst Tor gelangte er an 1000 Mail-Zugangsdaten von Botschafts- und Regierungsmitgliedern. Einhundert davon veröffentlichte er im Netz, um auf die Sicherheitslücke aufmerksam zu machen - mit Erfolg.

Der "Sydney Morning Herald" pries diesen "Hack des Jahres", User zerrissen sich die Münder darum, ob das jetzt legitim sei oder nicht mit all den Adressen, und die schwedische Kriminalpolizei nahmen Egerstad ganz pragmatisch hops, als der seine Wohnung verließ. Seine Computer wurden beschlagnahmt, er wieder entlassen und acht Playstation-Spielkonsolen zum Anlass genommen, Egerstad eine Diebstahlsanzeige aufzudrücken. Wie er das alles findet? Nicht toll, der "Sydney Morning Herald" schrieb es auf.

Schlüssel oder Knast: Tierrechts-Aktivistin verwirrt

Eine britische Tierrechts-Aktivistin wurde vom "Crown Prosecution Service" aufgefordert, den Schlüssel für verschlüsselte Daten herauszurücken, die auf ihrem beschlagnahmten Computer gefunden wurden. Kommt sie der Aufforderung nicht nach, drohen ihr bis zu zwei Jahre Haft. Das Problem nur: Die Aktivistin weiß nichts von verschlüsselten Daten, wie sie in einem anonymen Posting auf Indymedia UK beschreibt.

Wer denkt, die flunkere doch, sollte sich jedoch vor Augen halten, dass auf vielen Computern verschlüsselte Dateien liegen. Hobby-Entwickler, zum Beispiel aus der Demoszene, verwenden verschlüsselte Dateien, um sie vor den neugierigen Augen anderer Programmierer oder Hacker zu schützen.

Test: Der neue Flash-Zune

Als Microsoft den Zune als iPod-Konkurrenten vorstellte, hieß es allerorts: Das kann nichts werden. Und tatsächlich: Der klobige Audioplayer war ungeheuer unerfolgreich. Kein Wunder, Redmond verstand es, eigentlich interessante Features so zu vermurksen, dass man sie nicht verwenden konnte. Microsoft sah den Fehler ein - und schiebt nun eine rundumerneuerte Version mit Flash-Speicher nach. Ars Technica ist begeistert: Der Zune 8 sei toll.

Eine neue, hervorragende Oberfläche, tolle Features und eine schnelle Bedienung zeichneten das Gerätchen aus. Und obendrein kommen Käufer des ersten Zunes mit einem Firmware-Update in den Genuss aller Neuerungen.

Wenn dann nur nicht der Schrotgewehr-Wanderpokal wäre. Ars Technica hat folgende Vermutung: In Redmond werde regelmäßig im Rahmen einer Zeremonie ein Schrotgewehr an eine Abteilung verliehen, damit sie sich selbst in den Fuß schießen könne. Dieses Mal muss es (wieder) die Zune-Abteilung gewesen sein. Das einzige klare Alleinstellungsmerkmal des Microsoft-Players gegenüber dem iPod - eine Funktion zur Synchronisierung von Videodaten mit der Xbox360 - sei fast unbrauchbar, weil Microsoft mal wieder den eigenen Kunden nicht traue.

Was macht der Spross?

Liebe Eltern, schwärzen sich Ihre Kinder die Nägel, tragen sie verdächtige Fußball-Trikots mit "Ultra”-Aufdruck oder schwenken bunte Fähnchen zu Krawallmusik? Machen Sie sich Sorgen, wenn ihre Kleinen in unverständlichem Kauderwelsch von "LAN-Partys", "Threesixties" oder "Antideutsch" reden?

Seit fünf Jahren informiert die Website des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie der Universität Dortmund über Jugendszenen - und klärt auf, worüber man mit dem eigenen Nachwuchs nur schwer reden kann. Sind Gothics satanistisch, sind Gamer potenzielle Amokläufer?

Jugendszenen.com stellt in der neuen Fassung 21 Szenen vor, informiert Eltern über neueste Erkenntnisse aus dem Bereich der Jugendforschung und gibt Jugendlichen neue Ideen, wohin sich wenden, wenn die Eltern die eigenen Ansinnen (Frieden auf Erden; die ewige Herrschaft Cthulhus) durchschaut haben. Denn Reife ist, etwas zu tun, obwohl die Eltern es gut finden.

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