Netzwelt-Ticker Krankenkasse verknüpft Gesundheitskarte und E-Ausweis

Noch sind die Sicherheitsbedenken nicht ausgeräumt, da prescht schon die erste Krankenkasse mit der Verknüpfung von Ausweis und Gesundheitskarte vor. Außerdem: Master-Key zur HDMI-Verschlüsselung aufgetaucht, Israel macht Sexfilmanbieter reich, und Bill Gates bekommt endlich den Silbernen Büffel.

Wie geht's, Erika? - Eine bald elektronisch zu beantwortende Frage?
dpa

Wie geht's, Erika? - Eine bald elektronisch zu beantwortende Frage?


Wie heißt es doch so schön: Was technisch machbar ist, wird irgendwann auch gemacht, selbst wenn anderes versprochen wurde. Das könnte auch für die Verknüpfung der Daten der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) mit denen des elektronischen Personalausweises gelten. Hieß es noch unlängst, die Anwendungen und entsprechenden Datenbanken sollten getrennt bleiben, stellte die KKH-Allianz nun ein Projekt vor, das die befürchtete Verbindung zumindest im Ansatz sucht.

Die Krankenkasse plant dabei eine Art Kombi-System, mit dem sich ein Versicherter via Internet authentifizieren und sodann auf seine in der eGK gespeicherten Gesundheitsdaten zugreifen kann. Technisch soll das kein Problem sein, es existiert bereits ein Kartenleser, der sowohl die einsteckbare eGK lesen kann als auch berührungslos Daten vom Personalausweis abruft, wie Heise.de berichtet.

Auf entsprechende endgültige gesetzliche Regelungen hat die Krankenkasse dabei offensichtlich nicht gewartet, schon im Oktober sollen die zwei Millionen Versicherten die Lesegeräte gratis erhalten. Natürlich haben sie die Maschinchen indirekt dennoch bezahlt, die Kosten werden aus Mitteln des Konjunkturpakets II bestritten. Und die wiederum trägt der Steuerzahler.

Die Macher versprechen hoch und heilig, das Prozedere sei sicher: "Oberste Priorität hatte bei der Entwicklung dieser technischen Neuheit der Schutz der Versichertendaten vor dem Zugriff Unbefugter, der durch ein spezielles Verschlüsselungsverfahren gewährleistet ist."

Großzügig übersehen sie dabei, wie löchrig ihr System hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit ist. Schon im August demonstrierte der Chaos Computer Club (CCC) zusammen mit dem ARD-Magazin "Plusminus", wie leicht auf dem Chip des Ausweises gespeicherte Daten abgefangen werden können. Selbst Neuntklässlern gelang es inzwischen unter Zuhilfenahme von Lötkolben und Schraubenzieher, eine Apparatur zu basteln, die den Ausweis-Chip umgehend lahmlegt.

Ist die HDMI-Verschlüsselung geknackt?

Diese Nachricht dürfte bei der Filmindustrie für lange Gesichter sorgen: Im Internet ist anscheinend ein Master-Key aufgetaucht, mit dem die (an den HDMI-Anschluss gebundene) HDCP-Verschlüsselung ausgehebelt werden kann. Die wird üblicherweise bei HD-Material wie DVDs und Blu-ray eingesetzt, der Kopierschutz soll deren unzulässige Vervielfältigung verhindern. Der neue Generalschlüssel setzt dieses System genauso außer Kraft wie auch die Beschränkung auf Abspielgeräte bestimmter Hersteller. Damit kann jetzt auch HDCP-verschlüsseltes Material mit Geräten genutzt werden, die nicht einmal dafür vorgesehen sind.

Damit beginnt womöglich die große Freiheit nicht nur für die Finsterlinge der Raubkopierszene, sondern auch für Otto Normalverbraucher. Der hat sich schon immer darüber geärgert, dass er von den teuer bezahlten und zerbrechlichen Scheiben keine Kopien für alle Fälle ziehen darf.

"Winfuture" sieht noch weitere potentielle Profiteure vom Ende des HDCP-Kopierschutzes: Eine Reihe von Elektronikherstellern könnte sich zukünftig kostspielige Lizenzgebühren sparen oder sogar "Funktionen implementieren, die laut HDMI Licensing nicht erlaubt sind".

Web-Gemeinde rüstet zu Aktionstagen für inhaftierten Wikileaks-Informanten

Das war ein ziemlich martialisches Getöse, das die Verhaftung von Bradley M. begleitete. Der Ex-Soldat hatte via Wikileaks das Video veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie Soldaten einer Hubschauberbesatzung im Irak Zivilisten, darunter zwei Reuters-Journalisten, begleitet von skandalösen Anfeuerungen unter Feuer nehmen und töten. Politiker der Republikaner hatten schon die Todesstrafe für den Informanten gefordert, nun verkündete ein Militärsprecher, dem 22-Jährigen drohten beim bevorstehenden Prozess bis zu 52 Jahre Haft. Doch M. hat auch Verbündete, Bürgerrechtler und Unterstützer bereiten sich im Netz auf Aktionen vor. Das sollen nicht nur Demonstrationen oder Mahnwachen sein, sondern auch " Whistleblower-Partys" und Informationsveranstaltungen.

Israel kauft Twitter-Account von Pornoanbieter

Da haben die Eltern von Israel Meléndez ihrem Sohn nach vielen Jahren noch zu unverhofftem Reichtum verholfen. Denn der Mann, der seinen Unterhalt als Anbieter von Sexfilmchen im Internet bestreitet, konnte seinen Vornamen jetzt ordentlich versilbern. Unter dem hatte er nämlich 2007 einen Twitteraccount @Israel eingerichtet. Wie der "Guardian" berichtet, habe der Mann den Zwitscherdienst ursprünglich unter einem anderen Namen genutzt. Den legte er jedoch still, um einer Ex-Freundin zu entkommen.

Dieses Jahr nun trat das Büro des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu an Meléndez heran, um ihm sein Profil mit dem klingenden Namen abzukaufen. Er stimmte der Transaktion zu, für einen immerhin sechsstelligen Betrag wechselte das virtuelle Aushängeschild den Besitzer.

Das Erstaunliche ist dabei der Umstand, dass die Angelegenheit gleich mehrfach gegen bei Twitter geltende Regeln verstößt. Zum einen sollte eigentlich verhindert werden, dass sich User einen Namen oder Begriff als Account-Namen zulegen, um ihn sodann meistbietend zu verkaufen. Und außerdem ist laut der Nutzungsbedingungen auch der Handel mit Profilnamen selbst untersagt.

Aus diesem Grund wandten sich die israelischen Behörden offensichtlich auch nicht an Twitter, sondern gleich an den Account-Inhaber.

Bill Gates ist endlich Büffelträger

Microsoft-Gründer Bill Gates, Studienabbrecher, Geschäftsmann im Ruhestand und seit einigen Jahren vor allem Philanthrop, sammelt Auszeichnungen, seit er in Frührente ging. Nach der Verleihung des Order of the British Empire durch Queen Elizabeth II. und der Ehrendoktorwürde durch die von ihm einst unzureichend besuchte Harvard-Uni kann er sich jetzt noch ein schickes Pfadfinderabzeichen an die Brust heften.

Er wurde nämlich von den amerikanischen Pfadfindern mit der höchsten Auszeichnung geehrt, die die Organisation an Erwachsene vergibt. Vertreter der Boy Scouts of America erklärten, er verdiene den Silbernen Büffel für seinen Erfolg mit Microsoft, noch mehr aber für seine humanitäre Arbeit mit seiner Stiftung.

Als Junge war Gates in den 60er Jahren selbst Pfadfinder in seiner Heimatstadt Seattle. In den 70ern ging seine Mitgliedschaft ins Passive über, da er zunehmend mit Firmengründen beschäftigt war: Seine erste machte er mit 14 Jahren auf.

Endlich Büffelträger: Ex-Pfadfinder Bill Gates
AP Photo/The Seattle Times, Ellen M. Banner

Endlich Büffelträger: Ex-Pfadfinder Bill Gates

Der Preis des Silbernen Büffels wurde 1925 zur Würdigung von Verdiensten um die Jugend geschaffen. Mit ihm wurden unter anderen Flugpionier Charles Lindbergh, der frühere US-Außenminister Colin Powell, Walt Disney und 14 US-Präsidenten ausgezeichnet.

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Seite 1
soldraconiseptem 15.09.2010
1. Meisterleistungen
Das ist ja ein Ding - man kann sich auf einem Internetportal einer Krankenkasse einloggen und seine persönlichen Daten einsehen... Unfassbar! Frau Aigner, wann rufen Sie zum Boykott auf? Zum Boykott von Krankenkassen, der deutschen Staatsbürgerschaft und des Internets allgemein? Und wie bitte? Neuntklässler haben den Chip vom Personalausweis kaputtgemacht? Herzlichen Glückwunsch, lieber WDR für diese investigative Aufklärung. Mal ehrlich, um das zu machen, braucht man keine Neuntklässler ins Bild zu schieben, man braucht auch keinen Lötkolben und auch nicht Roman Stumpf vom WDR. Wer seinen Ausweis unbedingt kaputtmachen will, dem reicht ein Hammer, eine Schere oder ein Vierjähriger, der das Ding in den Reißwolf steckt. Alberner geht es wohl kaum. Da hat mal wieder jemand journalistische Sorgfalt mit (öffentlich-rechtlicher) Dramatik und Arroganz verwechselt. Gibt es eigentlich ein Preisgeld für den ersten Journalisten, der die Schlagzeile "elektronischer Personalausweis gehackt" aufbietet? Den Preis hat sich Frau Seeliger von der taz schon letztes Jahr gesichert, als sie einen Vortrag des CCC zu Sicherheitsmechanismen schlicht zum "Hack" umdefiniert hat. Eine echte Meisterleistung! Mehr kreative Ideen zum Ausweis kaputtmachen gibt es hier: http://www.langkabel.de/?p=210
no_mainstream 16.09.2010
2. Klar Meisterleistungen - im Aufbauschen
Genauer lesen bitte, es geht nicht darum die Daten der Gesundheitskarte "im Internet" zu lesen, sondern offline zuhause am PC. Gute Idee, wie soll ich sonst überprüfen was die Aerzte so alles über mich geschrieben haben...? Und kennen sie schon den neusten Skandal? Man kann einen alten Papierausweis *klauen* und ganz schlimme Sachen damit machen! Ich würde ihn sofort vernichten, das ist wohl das sicherste....
Danny Wilde 16.09.2010
3. Na ja
Zitat von soldraconiseptemDas ist ja ein Ding - man kann sich auf einem Internetportal einer Krankenkasse einloggen und seine persönlichen Daten einsehen... Unfassbar! Frau Aigner, wann rufen Sie zum Boykott auf? Zum Boykott von Krankenkassen, der deutschen Staatsbürgerschaft und des Internets allgemein? Und wie bitte? Neuntklässler haben den Chip vom Personalausweis kaputtgemacht? Herzlichen Glückwunsch, lieber WDR für diese investigative Aufklärung. Mal ehrlich, um das zu machen, braucht man keine Neuntklässler ins Bild zu schieben, man braucht auch keinen Lötkolben und auch nicht Roman Stumpf vom WDR. Wer seinen Ausweis unbedingt kaputtmachen will, dem reicht ein Hammer, eine Schere oder ein Vierjähriger, der das Ding in den Reißwolf steckt. Alberner geht es wohl kaum. Da hat mal wieder jemand journalistische Sorgfalt mit (öffentlich-rechtlicher) Dramatik und Arroganz verwechselt. Gibt es eigentlich ein Preisgeld für den ersten Journalisten, der die Schlagzeile "elektronischer Personalausweis gehackt" aufbietet? Den Preis hat sich Frau Seeliger von der taz schon letztes Jahr gesichert, als sie einen Vortrag des CCC zu Sicherheitsmechanismen schlicht zum "Hack" umdefiniert hat. Eine echte Meisterleistung! Mehr kreative Ideen zum Ausweis kaputtmachen gibt es hier: http://www.langkabel.de/?p=210
Ihren Link fand ich zwar stimmig und kann ansonsten den E-Perso nicht sagen wir "moralisch" bewerten. Wohl aber die eGK. Ich arbeite in dem Bereich. Und sie ist überflüssig wie ein Kropf. Und genau *das* hier ist das Problem: FALSCH! Nämlich genau darum geht es, dass Ihre "Daten" eben nicht auf dem eGK-Chip gespeichert sind, sondern "im Internet". Und zwar in unlesbare Datentrümmer zerlegt und auf über das Bundesgebiet verteilten 5 Servern gespeichert. Allein Ihre eGK ist der Schlüssel für die Lesbarmachung dieser verteilten Daten, soweit so gut bzw. so sicher. Eine Sicherheitsdiskussion ist an dieser Stelle zwar immer noch führbar (Serverausfall o.ä.), aber irrelevant. Wesentlich bedeutsamer sind andere Aspekte: "Allein Ihre eGK ist der Schlüssel..."? Nicht ganz. Ihre Krankenkasse hat nämlich den zweiten Schlüssel. Was jedem Soz.Vers.Angestellten den detaillierten Blick in Ihre Krankenakten erlaubt, incl. Live-Kontrolle: aha, jetzt gerade ist Frau Müller/Herr Meier beim FA f. Geschlechtskrankheiten. Denn: Obligatorischer Bestandteil der eGK ist der Live-Online-Check des Versicherungsverhältnisses. En passent wird dabei die Arztpraxis zum verlängerten Krankenkassenbüro, denn evtl. Wohnsitzwechsel sollen so in der Arztpraxis statt in einer Kassen-Geschäftsstelle gepflegt werden. Auf der jetzt noch so geplanten und teils auch schon emittierten eGK werden (zukünftig erst) zwar einige Daten (außerhalb von Name, Geb.-Dat., Adr.) offline gespeichert sein, u.a. AUF WUNSCH Notfalldaten wie Medik.-Allergien, Insulin-Status, transplantierte Organe und ähnliches, aber das ist nichts, was ein entsprechender Patient nicht eh schon heute als Plastikkarte "am Mann" hätte, und die Plastikkarte hat den Vorteil, dass sie von jedem des Lesens Kundigen weltweit gelesen werden kann, im Gegensatz zur proprietär deutschen eGK. Und was verschwiegen wird, aber auf der Webseite des eGK-Betreibers "gematik" recherchierbar ist: Die wirklich interessanten Gimmicks, wie Röntgenbilder, Arztberichte, Medikamentenpläne etc. pp., werden zukünftig online gespeichert (s.o.) und sind dann als "Mehrwertdienst" abrufbar. Mit anderen Worten: kostenpflichtig. Die Gesundheitspolitik spricht seit Jahren von Wettbewerb und Transparenz. Das Gegenteil ist eingetreten. Aus meiner eigenen kleinen Sicht erkenne ich Wettbewerb in der zumindest ambulanten Medizin (Arztpraxis) nur bei einem Privatversicherungssystem. Bereits heute ist dort alles implementiert, was die eGK vorgaukelt: Maximale Transparenz für den Patienten UND den Versicherer, Kosteneffizienz bei Medikamenten etc., und zusätzlich: Entscheidungsfreiheit. Außerdem gibt es bereits heute zertifizierte USB-Stick-Hersteller, auf denen eine weltweit kompatible Software läuft, sodass jeder Patient, der es will, seine sämtlichen medizinischen Daten lückenlos auf Stick bei sich haben kann und auch selber jederzeit Lesezugriff hat. Dies aller aber setzte einen mündigen Bürger oder halt Patienten voraus. Und das ist sichtlich nicht erwünscht.
thoughtful 16.09.2010
4. .
Ist doch cool, wenn man bei einer Einreise in ein anderes Land gleich den Termin zum Urologen bekommt, weil im Ausweis knackbar steht, dass man Syphilis hatte. Oder stellen Sie sich vor, Sie bezahlen im Möbelgeschäft das Bett und bekommen gleich en passendes Matratzenangebot wegen Ihres krummen Rückens! An der Kasse im Supermarkt werden die Süßigkeiten gleich garnicht zum Bezahlen angenommen, weil Sie Übergewicht haben. ;-) Die Stasi wird eines Tages noch wegen ihrer Verschwiegenheit gelobt werden ;-(
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