Netzwelt-Ticker: Lieber Netz als Sex

Jede zweite Frau, behauptet eine neue Studie, verzichtet lieber auf Sex als aufs Internet. Zum Fest erfreut Microsoft die Kundschaft der Konkurrenz, aber nicht die eigene. Und das Wahlkampfteam von John McCain verschleuderte Blackberries mit vertraulichen Daten. Das und mehr im Überblick.

Umfrage: lieber Internet-Zugang als Sex

Vielleicht wird das Web doch noch zum besten Freund der Enthaltsamkeitsliga: Desinteresse ist die beste Verhütung
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Vielleicht wird das Web doch noch zum besten Freund der Enthaltsamkeitsliga: Desinteresse ist die beste Verhütung

Sex ist doch nicht alles. Jedenfalls legen das die Ergebnisse einer Umfrage mit mehr als 2000 Teilnehmern nahe, die Harris Interactive im Auftrag des Chipherstellers Intel durchführte. Das überraschende Ergebnis: Fast jeder dritte Mann (30 Prozent) würde eher zwei Wochen lang auf Sex verzichten als sich freiwillig für den gleichen Zeitraum vom Netz abklemmen zu lassen.

Bei Frauen liegt die Bereitschaft zur webinduzierten Enthaltsamkeit mit 46 Prozent sogar noch viel höher. Fast zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten gestanden ein, ohne Internet-Zugang nicht mehr leben zu können. Was das alles vor dem Hintergrund, dass wir 2009 das Darwin-Jahr begehen, aus evolutionsbiologischer Sicht für uns bedeutet, mag man gar nicht bis ans einsame Ende durchdenken.

Microsoft bedient Apple-Kunden (statt der eigenen)

Im langen Wettbewerb der Aktionen unter dem Motto "Wie stellen wir uns möglichst effizient selbst ein Bein" haben die Experten von Microsoft wieder die Führung übernommen. Die Redmonder stellten jetzt Seadragon Mobile vor, eine Software, mit der Bilder angezeigt werden können. Der Trick: Egal, wie schnell oder lahm die eigene Internet-Anbindung ist, kann stets mit derselben Geschwindigkeit in das Motiv hinein- oder herausgezoomt werden.

Möglich wird das durch Abspeichern des Bildes in verschiedenen Auflösungen, beim Nachladen werden nur die relevanten Teile nachgeliefert. Die dem zugrundeliegende Technik bildet auch das Herz für Photosynth, Microsofts ziemlich beeindruckendem Bildprogramm, das aus beliebigen Fotos 3D-Panoramen erstellen kann. Nur logisch, dass das Programm auf Riesendisplays ebenso laufen soll wie auf Handys.

Eine feine Sache für alle Nutzer von Windows Mobile Phones, sollte man denken. Doch mitnichten, Seadragon wurde lediglich auf die Anforderungen des iPhone abgestimmt. Wenn schon das die Konkurrenz von Apple froh macht, dann gilt das erst recht für den Umstand, dass Seadragon Mobile seit dem Wochenende auch im App Store zu bekommen ist. Womit Microsofts Live Labs die erste Abteilung in Redmond ist, die für die direkte Konkurrenz arbeitet. Aber nicht fürs eigene Haus.

USA: McCain-Team verschleudert Blackberries mit vertraulichen Informationen

Gut einen Monat nach Barack Obamas Wahlsieg ist es um den im Präsidentschaftswahlkampf unterlegenen John McCain recht still geworden. Und wenn noch nachträgliche Neuigkeiten vom Wahlkampfteam McCain/Palin an die Öffentlichkeit gelangen, dann solche wie die vom Ramschverkauf nicht mehr gebrauchter Blackberry-Handys.

Die Geräte waren Fundstücke, von unbekannten Besitzern verloren und mit längst erschöpften Akkus. Aber nicht immer auch mit geleerten Datenspeichern. Von den zum Schleuderpreis von 20 Dollar pro Stück unters Volk gebrachten Telefonen war mindestens eines voll mit vertraulichen Daten über wichtige Personen und jeder Menge interner E-Mails des Wahlkampf-Teams.

Die Handynummern wichtiger republikanischer Politiker fanden sich darunter ebenso wie die von Lobbyisten und Journalisten. Einer der Betroffenen wurde mit dem trockenen Kommentar zitiert: "Sie hätten das Zeug löschen sollen. Aber wenn man bedenkt, wie der McCain-Wahlkampf gemanagt wurde, ist das keine Überraschung."

Mac-Klon von EFi-X oder nicht?

Unklarheit im Bereich der nachgemachten Apple-Rechner. Nur Stunden, nachdem der Unterhaltungselektroniker EFi-X ein kleines Gerät angekündigt hatte, mit dem sich im Handumdrehen jeder handelsübliche PC mit Apples Betriebssystem Mac OS X ausstatten lässt, wird schon wieder zurückgerudert. Denn EFi-X USA wollte zusammen mit dem USB-Stick einen Highend-Rechner für stolze 2100 Dollar vertreiben.

Ein mitgelieferter Adapter sollte dabei der Mac-OS-X-Software vorgaukeln, sie liefe auf einem Mac. Die taiwanische Unternehmensmutter, Halbleiterhersteller ASE, ließ jedoch mitteilen, es gäbe keinerlei Pläne, Maschinen zu verkaufen oder den Verkauf von Maschinen zu unterstützen, die Markenrechte berührten. Der Rückzug erfolgte anscheinend, ohne dass Apple bislang rechtliche Schritte angekündigt oder unternommen hätte.

Peking: Restaurant im "World of Warcraft"-Stil

Es gibt ja außerhalb Asiens so manche Vorurteile über chinesische Speisegewohnheiten, die auch Leckereien umfassen, bei denen sich der durchschnittliche Europäer eher mit Grausen abwendet. Die neueste Nachricht von Pekings Herdfeuern könnte aber auch hiesigen Spielefans buchstäblich das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. In der chinesischen Hauptstadt eröffnete dieser Tage das erste Restaurant, das ganz auf die Bedürfnisse von "World of Warcraft"-Fans zugeschnitten ist.

Während die Küche urige Speisen wie aus Azeroth bietet, kann der Rollenspieler sich an diversen Terminals zum WoW-Spielen einloggen. Die Atmosphäre wird durch das entsprechende Design unterstützt, der Eingang ist der Start-Animation des Spiels nachempfunden. Im Restaurant selbst, "Halle der Schneestürme" (der Betreiber von WoW heißt Blizzard) genannt, laufen auf großen Plasmaschirmen Spielsequenzen ab. Fehlt nur noch, dass man als 600-Kilogramm-Kerl mit Stierkopf und Hörnern oder blauer Elf-Vampir-Hybrid zum Mahl erscheint. Anderseits: Heu und Blut machen sich auf Speisekarten auch nicht gut.


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