Netzwelt-Ticker London will EU-weite Online-Durchsuchung

Kein Richter, nur ein Verdacht - das soll der britischen Polizei demnächst schon reichen, um EU-weit Online-Durchsuchungen durchführen zu dürfen. Datenschützer und Opposition sind erschüttert. Außerdem im Überblick: Norwegen stellt Beatles-Katalog online und angeblich gibt es nun das MacBook Wheel.


Ohne richterliche Genehmigung soll die britische Polizei zukünftig Online-Durchsuchungen im Inland und in EU-Staaten durchführen. Das fordert Presseberichten zufolge das britische Innenministerium. Die Entscheidung folgt der Ministerkonferenz der Europäischen Union, die Pläne hegt, den Polizeikräften der EU-Staaten grünes Licht für eine Ausdehnung ihrer Ermittlungsarbeiten zu geben.

Im Vereinigten Königreich soll das dann so aussehen: Ein Beamter kann eine Online-Durchsuchung anordnen, sobald er glaubt, dass sie "angemessen" und "notwendig" ist, um ein schweres Verbrechen aufzudecken oder zu verhindern. Ein Verbrechen gilt dabei als schwer, wenn das Gesetzbuch dafür mehr als drei Jahre Haft vorsieht.

Bürgerrechtsgruppen und die britische Opposition lehnen diese Pläne teilweise ab: Die Ausweitung der Ermittlungsbefugnisse müsse reguliert werden, sie werfe ernsthafte Datenschutzbedenken auf. Mit Sorge beobachten Bürgerrechtler und Netzaktivisten, wie die Überwachungsmöglichkeiten im Vereinigten Königreich immer mehr ausgebaut werden. Herbe Kritik hagelte es bereits für die kürzlich angekündigten Pläne, den gesamten Kommunikationsverkehr der Insel auf "Black Boxes" zu speichern und womöglich noch von einer Privatfirma sichern zu lassen. Das wäre ein digitaler Überwachungsstaat, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat.

Norwegen stellt gesamten Beatles-Katalog online

Die Beatles sind noch nicht im Internet-Zeitalter angekommen, aber es sieht ganz so aus, als ob der skandinavische Staat Norwegen sie da mitten rein zieht: Dank einer Abmachung zwischen Norwegens Staatsfunk und der Rechteverwaltungs-Organisation Tono dürfen jetzt auch musiklastige Radiosendungen als Podcast im MP3-Format ins Netz gestellt werden - solange Musik weniger als 70 Prozent des Programms ausmacht. Mit dabei: Der komplette Beatles-Katalog. Denn im Jahr 2001 stellte ein Radiosender jeden einzelnen Beatles-Song samt einer dreiminütigen Hintergrundgeschichte vor. Für Beatles-Fans heißt das, dass sie nun legal MP3s von ihrer Lieblingsband besitzen können - solange sie nur mit Skalpell und Engelsgeduld die Podcasts von norwegischem Singsang befreien. Mal schauen, ob der Beatles-Rechteverwerter Apple Corps Norwegens Online-Plänen einen Strich durch die Rechnung macht.

Noch mal: iTunes soll sich von DRM verabschieden und weitere Gerüchte

Apple hat laut "Cnet News" Verträge abgeschlossen, die dem Kopierschutz im Download-Laden iTunes ein Ende machen: Sollten die Berichte stimmen, werden damit nach EMI nun auch die verbleibenden drei Major-Musiklabels ihre Songs ohne digitales Rechtemanagement (DRM) anbieten. Zusammen mit der Aufgabe von DRM soll Apple ein neues Preismodell einführen, in dem alte Songs weniger kosten als neue. Hits sollen zunächst für 99 Dollar-Cent angeboten werden, dann aber auf 79 Cent fallen. Nicht weniger wichtig ist die Einigung über den Funkvertrieb von Musik: Damit sollen iTunes-Kunden künftig Musik nicht nur über eine Internet-Verbindung, sondern auch über das Datennetz ihres Handyanbieters kaufen und herunterladen können.

Fotosoftware: Picasa für Mac ist da

Google hat seine praktische Fotoverwaltung Picasa nun auch für den Mac veröffentlicht. Das sind gute Nachrichten für alle Mac-Nutzer, die nicht iPhoto einsetzen wollen oder können. Picasa organisiert Fotos, verändert sie, lädt sie ins Netz und wieder herunter, sieht überdies auch noch ziemlich schick aus und ist vor allem kostenlos. Noch ist Picasa für Mac OS noch eine Beta-Version, wartet aber mit praktisch allen Funktionen der Windows-Variante auf. Die wichtige Frage ist nun natürlich: Ist Picasa vielleicht sogar besser als iPhoto? Mashable.com versucht eine Antwort.

Adobe Flash, Apple Safari vermasseln Privatsphären-Test

Da kann man noch so sehr an den Datenschutzeinstellungen im sichersten Browser der Welt herumfummeln, Plug-ins wie Adobe Flash vermasseln einem alle Versuche, seine Privatsphäre zu schützen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Sicherheitsexpertin Katherine McKinley von iSec Partners. Sie setzte ein Softwaretool auf ein paar bekannte Browser an, untersuchte, welche Spuren ein Surfer auf einem Rechner hinterlässt. Die Zusammenfassung: Einige Browser, vor allem Apples Safari für Windows, verwischen diese Spuren kaum, Plug-ins von Drittanbietern unterminieren die Datenschutzanstrengungen der Nutzer.

Am ganz großen MacBook-Rad drehen

"Bis ich das MacBook Wheel sah, wusste ich gar nicht, wie sehr ich Tastaturen hasse." Das MacBook Wheel ist, glaubt man diesem "The Onion"-Beitrag, die neuste, bahnbrechende Erfindung von Computerhersteller Apple. Ein Laptop ohne Tastatur, nur mit gigantischem Scroll-Rad. Mac-Fans läuft darob das Wasser im Munde zusammen, allen anderen klappt die Kinnlade runter: Das beste vom iPod und das beste vom Mac in einer gemeinsamen Plastikhülle. Schon bald soll eine verbesserte Version erscheinen: ein Mac ganz ohne Bildschirm und Scroll-Rad.



Weitere Meldungen:

Europäische Standby-Richtlinie tritt in Kraft

Anti-Filesharing- Trojaner blockiert Tauschbörsen

Royal Navy will Windows für Kriegsschiffe

Ruhe, das Gadget-Orchester spielt

Bitte schreien sie ihre Festplatten nicht an

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.