Netzwelt-Ticker Mastercard prüft Zahlungssperre für Download-Plattformen

Wer mit Raubkopien Geld verdient, könnte Probleme beim Zahlungseingang per Mastercard bekommen. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Die britische Musikindustrie will Google zensieren, der Bookmarking-Dienst Delicious wird womöglich geschlossen, und Facebook nimmt sich kurz selbst vom Netz.

Von Carolin Neumann

Kreditkarten: Laut US-Medien verhandelt Mastercard über Maßnahmen gegen Raubkopierer
Reuters

Kreditkarten: Laut US-Medien verhandelt Mastercard über Maßnahmen gegen Raubkopierer


Das US-Kreditkartenunternehmen Mastercard ist nach Informationen des US-Nachrichtenportals Cnet.com angeblich bereit, Zahlungen an Anbieter raubkopierter digitaler Ware zu blockieren. Gemeint sind dem Bericht zufolge beispielsweise Download-Seiten wie Megaupload, bei denen man stets auch Kopien von Filmen, TV-Serienfolgen und Musikalben findet. Megaupload und ähnliche Dienste verlangen für Premiummitgliedschaften, die beispielsweise höhere Download-Geschwindigkeiten bieten, Geld. Bezahlen kann man via PayPal, Visa, Mastercard oder American Express oder über andere Zahlungsdienstleister. Die Zahlungssperre soll Lobbyisten zufolge im Zusammenhang mit dem Combating Online Infringement and Counterfeits Act (Coica) möglich werden, einem geplanten US-Gesetz zur Bekämpfung von Online-Piraterie, wonach der Generalstaatsanwalt die Befugnis bekäme, Web-Seiten abzuschalten.

Auf Anfragen von Cnet habe Mastercard nicht geantwortet. Der Verband der amerikanischen Musikindustrie bestätigte jedoch Cnet.com entsprechende Gespräche über eine Partnerschaft.

Britische Musikindustrie prangert Piraterie via Google an

Im Jahr 2010 haben einer Studie zufolge in Großbritannien fast acht Millionen Internetnutzer 1,2 Milliarden Songs illegal heruntergeladen. Diese neuen, offenbar deutlich gestiegenen Zahlen versetzen die britische Musikindustrie in Panik. Auf der Suche nach einem Sündenbock knöpft sich der Branchenverband BPI vor allem die Suchmaschinen vor. Sie seien inzwischen ebenso beliebt wie P2P-Programme, wenn es um das Auffinden von geklauten Dateien zum Download geht. 58 Prozent der Zugriffe finden demnach über Google statt.

Für das Unternehmen könnte das problematisch sein: MP3- oder Torrent-Suchmaschinen werden immer wieder mit Klagen überzogen, der Schritt zu Google ist da nicht mehr weit. Um Piraterie in den Suchresultaten beizukommen, sollen Begriffe, die eng mit Copyright-Verletzungen zusammenhängen, nicht mehr von der Autocomplete-Funktion erfasst werden. Laut dem Filesharer-Blog Torrentfreak geht der britischen Musikindustrie dies allerdings nicht weit genug. Google und andere Suchmaschinen sollen doch bitte noch deutlicher in ihren jeweiligen Algorithmus eingreifen und legale Angebote klar favorisieren. Wenn es nach dem Willen des Verbands geht, wird den Suchmaschinen das sogar gesetzlich vorgeschrieben, sagte BPI-Chef Geoff Taylor dem "Daily Telegraph". Die Regierung soll zudem Serviceprovider zwingen, Seiten, die illegal Musik verbreiten, zu schließen.

Yahoo beerdigt angeblich Delicious

Fans von Social Bookmarking müssen sich nach einer neuen Heimat für ihre Lesezeichen umgucken, denn einer der führenden Services wird in Kürze womöglich dichtgemacht: Delicious (ehemals Del.icio.us) wird aus Kostengründen geschlossen, ebenso das Bloggersystem MyBlogLog und die Community-getriebene Nachrichtenseite Yahoo! Buzz. Yahoo hat sich gegenüber dem "Wall Street Journal" zu den Gerüchten nur so geäußert: "Wir betreiben Delicious derzeit weiter und werden Details zu gegebener Zeit bekanntgeben." Ein hartes Dementi klingt ganz anders.

Wie man seine Bookmarks rechtzeitig sichert, erklärt "TheNextWeb". Ein Blick in die Twitter- und Blogosphäre verrät, dass Delicious-Fans jetzt auf eine Rettung hoffen, ähnlich wie bei Xmarks; der Dienst hatte bereits seine Nutzer über die Einstellung benachrichtigt. Der Aufschrei und die Spenden waren so groß, dass all die Aufmerksamkeit Xmarks viele Kaufinteressenten bescherte - schließlich übernahm das Unternehmen LastPass Xmarks.

Facebook nimmt seine Seiten kurz vom Netz

Bei so vielen Updates kann man schon mal durcheinanderkommen: Facebook hat am Donnerstag aus Versehen Änderungen gelauncht, die noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Wie das so ist: Keine Stunde waren die Features online, schon machten Screenshots die Runde. Zu den Neuerungen gehört unter anderem die Möglichkeit, als Seitenadmin zwischen Administrator und normalem Nutzerstatus zu wechseln. Um den eigenen Fehler rückgängig zu machen, ging Facebook freiwillig für eine halbe Stunde offline.

Google Ngrams erfindet Kulturgeschichte neu

Googles Plan, die gesamte Welt der Bücher zu digitalisieren, mag urheberrechtlich bedenklich sein, eröffnet jedoch ungeahnte Möglichkeiten. Wissenschaftler haben in jahrelanger Zusammenarbeit mit Google die unglaubliche Datenmenge genutzt für etwas, das sie als Revolution der Kulturwissenschaften bezeichnen, das Forschungsfeld Culturomics. In der Google-Books-Datenbank haben sie kulturelle Trends gelesen, historisch kaum bekannte Zusammenhänge gefunden und Hunderttausende vergessene Wörter entdeckt. Der Datenbestand ist nicht allein Forschern vorbehalten: 500 Milliarden Wörter aus 5,2 Millionen Büchern lassen sich mit dem simplen Google-Tool Ngrams durchsuchen.

Bloß keinen Schnüffelschutz!

Ist die für den Internet Explorer angekündigte Tracking Protection der richtige Weg, um die Privatsphäre im Web zu schützen? Nein, befindet der amerikanische Autor Simson Garfinkel in einem auch auf der IT-News-Site "Heise" veröffentlichten Beitrag für "Technology Review". Er fordert, der Schutz vor Schnüffeldiensten müsse von staatlicher Stelle kommen.

Neue Nokia-Klagen gegen Apple

Nokia und sein erfolgreicher Smartphone-Konkurrent Apple weiten ihren immer härteren Streit um Patente auf deutsche Gerichte aus. In Düsseldorf hat der Handy-Weltmarktführer eine Klage wegen Verletzung von sieben und in Mannheim eine wegen vier Patenten eingereicht. Der Handy-Hersteller hatte Apple zuerst im letzten Jahr in den USA verklagt, weil im iPhone und danach auch in iPad und iPod Touch 24 Patente aus der finnischen Forschung und Entwicklung zu GSM- und W-Lan-Verbindungen verwendet worden sein sollen. Apple hingegen behauptet, Nokia habe bei seinen neuen Smartphones Patente aus dem iPhone widerrechtlich verwendet und reichte Ende Oktober Klage in Düsseldorf ein. Auch im niederländischen Den Haag und in Großbritannien gehen die Finnen jetzt gerichtlich gegen Apple vor.

can/dpa

Weiter Streit über Vorratsdatenspeicherung

Die Grünen sind im Bundestag mit einem Antrag gegen die Vorratsdatenspeicherung gescheitert. Mit Unterstützung der Linken hatten sie gefordert, dass sich die Regierung in Brüssel deutlich gegen die EU-Richtlinie positioniert. Die SPD enthielt sich bei der Abstimmung, Schwarz-Gelb lehnte das Gesuch mehrheitlich ab. Ein Mitglied der Fraktion aus Union und FDP nannte den Antrag gar "sicherheitspolitisch verantwortungslos". Einen Überblick über den Stand der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland und der EU liefert aktuell Netzpolitik.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Sir Richard 17.12.2010
1. Fehler im System
Zitat von sysopWer mit Raubkopien Geld verdient, könnte Probleme beim Zahlungseingang per Mastercard bekommen. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Britische Musikindustrie will Google zensieren, der Bookmarking-Dienst Delicious wird womöglich geschlossen, und Facebook nimmt sich kurz selbst vom Netz. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,735260,00.html
Twitter ist 3,7 MILLIARDEN wert, nicht Millionen!
silenced 17.12.2010
2. <->
Haha, der war gut ... ---Zitat von www.spiegel.de--- Auf der Suche nach einem Sündenbock knöpft sich der Branchenverband BPI vor allem die Suchmaschinen vor. Sie seien inzwischen ebenso beliebt wie P2P-Programme, wenn es um das Auffinden von geklauten Dateien zum Download geht. ---Zitatende--- ... ob die irgendwann merken, daß ihr DRM Wahn und die völlig absurde Preisgestaltung der Grund dafür ist? Wahrscheinlich nie.
Zyklotron, 17.12.2010
3. Titel zensiert
So wird die Musikindustrie wohl für die weltweite Zensur aller Medien sorgen, von der Hitler, Stalin, andere Despoten und heutige Innenminister seit jeher nur feucht träumen konnten.
tito, 17.12.2010
4. 99,99% Müll
Zitat von silencedHaha, der war gut ... ... ob die irgendwann merken, daß ihr DRM Wahn und die völlig absurde Preisgestaltung der Grund dafür ist? Wahrscheinlich nie.
ja - und von den 1,7 Milliarden landen 1,699999999 eh im Müll
readme74 17.12.2010
5. per Kreditkarte illegal downloaden...
Wer sich per Kreditkarte bei Download-Portalen anmeldet um deren Premium-Funktionen zu nutzen, dem ist eh nicht zu helfen. Leichter kann man seine persönlichen Daten garnicht preisgeben beim illegalen Downloaden. Es ist dort immer möglich, eine Verbindung herzustellen zwischen einem Kreditkarten-Inhaber und dem was er saugt. Und auf Anonymisierungs-Beteuerungen dieser Dienste würde ich schon garnicht vertrauen.
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