Netzwelt-Ticker Menschenrechtler verklagen Yahoo

Eine US-Menschenrechtsgruppe wirft Internetdienstleister Yahoo Komplizenschaft bei Rechtsmissbrauch und Folter in China vor. Außerdem im Nachrichten-Überblick: Hacker knacken die Online-Briefmarke, ein Schuljunge wird von seiner Karaoke singenden Lehrerin verklagt.


Die World Organization for Human Rights wirft Yahoo vor, der chinesischen Regierung Informationen preisgegeben zu haben, die zur Verhaftung von Autoren und Dissidenten führten.

Web-Gigant Yahoo: Daten an chinesische Sicherheitsbehörden weitergereicht
AFP

Web-Gigant Yahoo: Daten an chinesische Sicherheitsbehörden weitergereicht

Laut eines offiziellen Dokuments wusste der Web-Gigant von Anfang an, dass Peking den regimekritischen Journalisten Shi Tao unter Vorwand wegsperren wollte - und gab dessen persönliche Daten trotzdem heraus. SPIEGEL ONLINE berichtete.

Einer der Journalisten wurde mithilfe dieser Informationen zu zehn Jahren Haft wegen Subversion verurteilt. Auch andere Onlineautoren traf es hart: Ein chinesisches Gericht hat erst vor zwei Wochen den regierungskritischen Blogger Chen Shuqing wegen "regierungsfeindlichen" Artikeln im Internet und "Untergrabung der Staatsgewalt" zu vier Jahren Haft verurteilt - nachdem er bereits ein Jahr in Untersuchungshaft gesessen hatte.

Verschiedene Menschenrechtsorganisationen sind sich einig: Ohne Yahoos Hilfe säßen die Dissidenten nicht im Gefängnis - Yahoo sei also Mittäter bei den Menschenrechtsverletzungen. Das Unternehmen hält dem entgegen, man müsse sich an die örtlichen Gesetze halten. Man sehe aber ein, dass erst die Preisgabe der Informationen zu den Verhaftungen geführt hat.

Man stehe hinter den Prinzipien der freien Meinungsäußerung und dem Schutz der Privatsphäre, weswegen man mit anderen Technologie-Anbietern zusammenarbeite, um "Menschenrechtsbedenken" anzugehen, wie die BBC aus einem Yahoo-Statement zitiert.

Hacker versus Online-Briefmarke

Eigentlich ist Hackerarbeit - wenn überhaupt - für Laien nur schwer verständlich. Doch eine Sicherheitslücke in einem Service der Deutschen Post zeigt, wie Hacker arbeiten. Und warum ein Hack der Sicherheit dienen kann.

Es geht um die digitalen Briefmarken, die die Post in Form von 2D-Barcodes zum Selbstausdrucken im Netz anbietet. Wer dort so eine Marke kauft, entwertet gleichzeitig eine Seriennummer, so dass kein anderer Kunde dieselbe Briefmarke ausdrucken kann. Nur: Das System, das die Seriennummern entwertet, ist löchrig.

Das hat der deutsche Hacker Alexander Klink vom Sicherheitsdienstleister Cynops herausgefunden und protokolliert. Über einen einfachen Angriff wäre es möglich, massenhaft Seriennummern und damit Briefmarken zu entwerten, die andere Stampit-Nutzer gerade ausdrucken wollen - nachdem sie bereits für die Marken gezahlt hätten.

Klink informierte schon vor über einem Monat die Deutsche Post und den Stampit-Entwickler GFT Technologies AG - und veröffentlichte dieses Wochenende die Sicherheitslücke im Netz. Bei der Deutschen Post zeigte man sich damals erfreut über die Informationen, sagte Stampit-Produktmanager Bernd Meyer zu SPIEGEL ONLINE. Man vereinbarte damals eine kurze Schweigefrist mit Hacker Klink; im nächsten Sicherheitsupdate war die Lücke geschlossen.

Xbox360-Controller – ohne Kabel, mit Problem

Die Probleme mit Microsofts Spielkonsole Xbox 360 reißen nicht ab. Nach dem Verkaufsstart monierten immer mehr Nutzer defekte Spielgeräte und die schlechte Zuverlässigkeit des Geräts.

Im Juli gestand Microsoft die Mängel ein und verlängerte die Garantiezeit weltweit auf drei Jahre. Ein Wikipedia-Artikel protokolliert die Probleme.

Jetzt scheint die Liste der Ärgernisse noch ein Stück länger zu werden: Erst letzten Dienstag rief Microsoft ein Bauteil eines drahtlosen Xbox-Lenkrads zurück. Laut Techweb häufen sich nun auch die Fehlermeldungen über ein drahtloses Xbox-Gamepad.

Die vielen Xbox-Probleme scheinen für Microsoft nicht nur horrende Kosten zu verursachen, sondern auch den Konsolenverkauf empfindlich zu drücken: Im Juli gab das Unternehmen an, im letzten Viertel des Geschäftsjahres seien die Verkäufe um 60 Prozent zurückgegangen.

Karaoke-Video: Lehrerin klagt, Schüler schuldig

Ein 15-jähriger finnischer Schuljunge wurde mit einer Geldstrafe belegt, weil er ein Video seiner Karaoke singenden Lehrerin auf YouTube veröffentlichte. Titel: "Karaoke in the mental hospital", Karaoke in der Nervenheilanstalt. Das Video entstand im Rahmen einer Schulparty, der verurteilte Schüler veröffentlichte es bereits im April samt vollem Namen der Lehrerin.

Zur Rede gestellt, zeigte der Schüler Reue - allerdings vergeblich. Die Lehrerin nahm ihm die Entschuldigung nicht ab, sie zeigte ihn an. Ein finnisches Gericht verurteilte den Schüler nun zu 90 Euro Strafe wegen Beleidigung, 800 Euro Schmerzensgeld - und drückte ihm obendrein die 2200 Euro Gerichtskosten auf.

Begründung des Urteils: Die Lehrerin wurde schon seit über zwei Jahren von Schülern aufgezogen, das Video sei regional und international bekannt geworden und hätte die Frau Seelenqualen erleiden lassen, zitiert die AP das Gericht.

Hätten sich die beiden Streithähne doch nur der Frieden stiftenden Kraft von Karaoke erinnert. Nicht umsonst wurde 2004 Daisuke Inoue, dem Erfinder der modernen Karaokemaschine, der IgNobel–Friedenspreis, ein satirischer Gegen-Nobelpreis, zugesprochen: weil Karaoke den Menschen völlig neue Möglichkeiten eröffne, sich gegenseitig zu tolerieren, wie es im Jury-Urteil hieß.

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