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Netzwelt-Ticker: Microsoft blamiert sich mit sexuell begründeter Zensur

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Microsoft macht sich mit Zensur-Prüderie lächerlich, Ebay muss nicht jedes Angebot auf Markenrechtsverletzungen überprüfen und Urheberrechtsschützer Sarkozy verstößt gegen das Urheberrecht. Das und mehr im Überblick.

Die USA sind der Staat mit der weltweit größten Pornoindustrie, gleichzeitig aber so prüde wie kein anderes westliches Land. Gods own country kann ganz schön bigott sein. Was offensichtlich auch die Firmenpolitik diverser US-Firmen prägt, und das gilt anscheinend nicht zuletzt für Microsoft.

Gleichgeschlechtliches Paar beim Christopher Street Day in Hamburg (Archivbild): Microsoft toleriert nur sexuelle Orientierungen, die der Erhaltung der Art dienen
DDP

Gleichgeschlechtliches Paar beim Christopher Street Day in Hamburg (Archivbild): Microsoft toleriert nur sexuelle Orientierungen, die der Erhaltung der Art dienen

Die Elektroniker aus Redmond sehen sich wieder einmal dem Vorwurf sexueller Diskriminierung ausgesetzt. Eine Xbox-Nutzerin hatte in ihrem Profil angegeben, sie sei lesbisch. Prompt flog sie aus der Xbox-Community raus, wie sie in einer Beschwerde ans Verbraucherschützer-Blog "The Consumerist" schrieb. Außerdem, so Nutzerin "Teresa", sei sie zuvor noch von anderen Mitspielern gemobbt worden.

Schon früher hatte es Unstimmigkeiten um Microsofts Reinheitsbemühungen gegeben, als bereits die Nennung des Wortes "gay" (in der Umgangssprache bedeutet das heute vor allem "schwul") in Tags oder als Teil des Benutzernamens zum Ausschluss geführt hatte.

Die sehr spätviktorianische Moral greift selbst dann, wenn der Betroffene nur seinen echten Namen angibt. Das wurde zum Beispiel einem Mann namens Richard Gaywood zum Verhängnis, auch sein Account wurde gesperrt. Begründung: Das Wort "gay" sei so dermaßen anstößig, dass es keine Rolle spiele, wenn es Teil eines echten Namens sei.

Immerhin sinkt in diesem Bereich das Risiko, irgendwann Opfer der Microsoft-Sittenpolizei zu werden: Vornamen wie Gaylord werden immer seltener. Aus offensichtlichen Gründen: Das beliebte Babynamen-Verzeichnis " Think Baby Names" ordnet den traditionsreichen Vornamen (Bedeutung: "der Gutgelaunte", "der Optimist") unter "schwule Namen" ein.

Die lexikalische und ursprüngliche Bedeutung des Wortes Gay ist übrigens "heiter, fröhlich, lebenslustig", was der Generation Xbox aber kaum mehr geläufig sein dürfte. Mit Ausnahme der ganz religiösen Kids unter ihnen natürlich: Sie kennen "gay" als häufiges Wort in Kirchen- und Weihnachtsliedern. Im Sinne der Political Correctness wäre es wohl langsam mal Zeit, mit diesem anstößigen Kram aufzuräumen.

Ebay-Urteil: Keine Pflicht zur Prüfung jedes Angebots

Der Online-Auktionator Ebay kann seine Rechtsabteilung wieder auf ein Normalmaß zurückfahren. Zuvor hatte der Bundesgerichtshof entschieden, Ebay sei im Rahmen der Störerhaftung für Markenrechtsverletzungen von Verkäufern auf seiner Plattform möglicherweise mitverantwortlich.

Nun urteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf, wohin das Verfahren vom BGH zurückverwiesen worden war, das bedeute nicht, jedes einzelne Angebot müsse auf etwaige Verstöße hin überprüft werden. Zwar müsse Ebay konkreten Hinweisen auf Verletzungen nachgehen und diese unterbinden, aber die Prüfungspflichten erstreckten sich nicht auf jede Transaktion.

Der Richterspruch erging in einem Verfahren, das der Uhrenhersteller Rolex gegen Ebay angestrengt hatte, nachdem immer wieder gefälschte Zeitmesser auf der Plattform feilgeboten worden waren (Az: I-20 U 204/02).

Nokia will Notebooks bauen

Auch wenn beim finnischen Handy-Hersteller Nokia der Rotstift regiert, trägt sich Unternehmenschef Olli-Pekka Kallasvuo mit dem Gedanken an eine weitere Expansion. Ziel der Gedankenspiele Kallasvuos: der Notebook-Markt.

Da sehe er gute Chancen für ein erfolgreiches Geschäft, sagte er am Mittwoch im finnischen Fernsehen. Eine ziemlich erstaunliche Strategie, findet "Dailytech". Schließlich seien die Margen im Klapprechnermarkt, anders als beim Handy-Geschäft, ziemlich mager. Was schließlich der Grund sei, warum manche darbenden Notebook-Hersteller, wie Acer und Dell, ins Handy-Geschäft drängen.

Allerdings könnte Nokia von seinem weltweiten, dichten Vertriebsnetz profitieren. Über das ließen sich Rechner in den Markt drücken, die auch Nokia entwickeln könnte, ohne sich zu sehr strecken zu müssen: Netbooks. Denn statt mit Intels Atom-Chips, ließen sich einfache Rechner als Surfbrettchen fürs Web durchaus mit leistungsfähigen Handy-Chips bestücken. Vielleicht hat man den guten Mann ja missverstanden?

Google kann jetzt auch Türkisch, Thai und Maltesisch

Der Übersetzungsdienst des Suchmaschinisten Google ist um weitere sieben Sprachen aufgerüstet worden. Neben den genannten sind noch Albanisch, Galicisch, Estnisch und Ungarisch dazugekommen, insgesamt beherrscht der Online-Dolmetscher jetzt 41 Sprachen. Das ergibt 1640 mögliche Sprachenpaare.

Damit können sich mittlerweile 98 Prozent der Weltbevölkerung beliebige Texte mehr oder weniger holprig in ihre Muttersprache übertragen lassen. Selbst wenn das einmal nicht funktioniert, sorgt es für Völkerverständigung: Man hat zumindest was zu lachen miteinander.

Urheberrechtsschützer Sarkozy ist selbst Urheberrechtsverletzer

Der französische Staatspräsident Sarkozy lässt keine Gelegenheit aus, sich als Lordsiegelbewahrer des Urheberrechts aufzuführen und sich für die möglichst harte Bestrafung von Verstößen einzusetzen. So befürwortet er zum Beispiel Internet-Sperren für mit illegalen Dateien ertappte Tauschbörsennutzer.

Da ist es ziemlich peinlich, dass nun die amerikanische Pop-Band MGMT Klage gegen den Politiker erhob, wegen Urheberrechtsverletzung. Während des Wahlkampfs vor den französischen Präsidentschaftswahlen hatte Sarkozys Team den MGMT-Hit "Kids" in mehreren Veranstaltungen und auch für Online-Videos verwendet. Zu Unrecht, wie MGMT meint, denn eine Nutzungsvereinbarung habe es nur für eine einmalige Nutzung gegeben. Sarkozy habe also Lizenzdiebstahl begangen.

Im Elysée-Palast begegnet man den Forderungen der Musiker mit größtmöglicher Arroganz: Für die mehrfache Nutzung des Musiktitels wurde der Band eine Entschädigung von 1,25 Euro geboten. Sollte das witzig gemeint gewesen sein, hat bei MGMT niemand gelacht. Vielmehr engagierte die Gruppe eine Anwältin, die gegenüber AFP erklärte: "Dieses Angebot behandelt die Künstler- und Urheberrechte respektlos. Es ist eine Beleidigung. Wir haben es hier mit dem Missbrauch geistigen Eigentums zu tun."

Jugendstudie: Lieber simsen statt reden

Die Demoskopen vom Allensbach-Institut haben den deutschen Jugendlichen aufs Maul geschaut und deren Kommunikationsgewohnheiten untersucht. Das Ergebnis: Es wird viel gechattet, gesimst und telefoniert, bloß direkt und altmodisch, von Angesicht zu Angesicht, mögen immer weniger miteinander sprechen.

Zwei Drittel der Jugendlichen bevorzugen den virtuellen Informationsaustausch, nur 36 Prozent halten ein persönliches Gespräch für die angenehmste Form der Kommunikation.

Bei den über 45-Jährigen sieht es genau umgekehrt aus. Über zwei Drittel der Befragten dieser Altersgruppe ziehen den persönlichen Schwatz jeder elektronischen Spielerei vor. Allen Altersgruppen gleichermaßen lästig ist jedoch das Briefeschreiben. Nur jeder zehnte der unter 60-Jährigen kann sich noch für die handschriftliche Mitteilung erwärmen.

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