Netzwelt-Ticker: Microsoft-Gründer klagt wieder gegen Apple und Google

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Microsoft-Gründer Paul Allen geht mit langem Atem und erweiterten Patentklagen ins neue Jahr. Außerdem: Angeblich läuft Ándroid auf dem Playstation-Telefon und Hacker steuern "World of Warcraft" per Kinect-Kamera. Das und mehr im Überblick.

Paul Allen: Dem Milliardär gehört unter anderem das Football-Team Seattle Seahawks Zur Großansicht
AP

Paul Allen: Dem Milliardär gehört unter anderem das Football-Team Seattle Seahawks

Er versucht es weiter. Der Microsoft-Mitgründer Paul Allen hatte erst im Sommer eine Reihe von Patentklagen angestrengt, die sich gegen mehrere Online-Dickschiffe richteten. Doch mit seinen Vorwürfen angeblicher Patentverletzungen bei Sachen E-Commerce und Websuche scheiterte der Multi-Milliardär vor dem Bezirksgericht in Seattle. Die aufgelisteten Beanstandungen seien viel zu allgemein gehalten, so die zuständige Richterin.

Die vorgeblichen Patentverletzungen seien nicht ausreichend detailliert dargelegt worden. Allen erhielt als letzte Möglichkeit einen Aufschub bis zum 28. Dezember, um eine abgeänderte Version der Klageschrift vorzulegen. Wie die "Seattle Times" meldet, hat das Anwaltsteam um Allen diese Frist bis zum Letzten ausgenutzt und gestern eine erweiterte Fassung seiner Forderungen vorgelegt. Diesmal umfasst sie sogar an die 40 Anhänge, zumeist Screenshots von Webseiten.

Insgesamt elf große Internetunternehmen sind von der Klage betroffen, unter ihnen AOL, eBay, Facebook, Google, Netflix und Yahoo (PDF). Einer der Klagepunkte bezieht auf die im Onlineverkauf inzwischen zum Standard gewordene Anzeige ähnlicher Inhalte. Wenn sich ein potentieller Kunde zum Beispiel ein Produkt in Apples iTunes-Store ansieht, dann schlägt das System automatisch ähnliche Inhalte vor, die von Interesse sein können.

Allen argumentiert, dass diese Technik mindestens 20 Patente berührt, die sämtlich von ihm gehalten werden. Experteneinschätzungen zufolge werde Allen bis zum Abschluss des Verfahrens noch eine Menge Geduld aufbringen müssen. Aber dann sei im Falle eines Gewinns eine Entschädigungszahlung von 500 Millionen Dollar und mehr drin.

Wieder Gerüchte über Sonys Playstation-Telefon

Der japanische Elektronikkonzern Sony will eine Mischung aus tragbarer Spielekonsole und Smartphone - das lang erwartete Playstation-Telefon - im Frühling in Europa und den USA auf den Markt bringen, berichtet die japanische Zeitung "Asahi Shimbun".

Das Gerät soll zum Teil auf Sonys tragbarer Videospielkonsole PSPgo basieren, sei aber zugleich ein leistungsfähiges Multimedia-Handy. Sony bezeichnete den Bericht als "Spekulation". Sony wolle sich mit dem neuen Hybrid-Gerät die Entwicklung zunutze machen, dass immer mehr Nutzer teure Spiele statt auf ihrer Spielekonsole auf dem Handy spielten, schrieb die "Asahi Shimbun". Außerdem wolle der japanische Konzern Smartphones wie dem iPhone von Apple Konkurrenz machen.

Für sein neues Gerät wolle Sony das Betriebssystem Android des US-Internetriesen Google nutzen. Vorgesehen sei überdies eine Verbindung der Geräte zu der Online-Medienplattform von Sony, die Filme, Musik und Bücher anbietet.

AFP

WoW-Ganzkörpererfahrung dank Kinect

Da bekommen Gamer leuchtende Augen: Die Vorstellung einer Kombination des populären MMO World of Warcraft mit einer Ganzkörper-Bewegungssteuerung. Genau das wird durch die jüngst vorgestellte Kinect-Kamera von Microsoft möglich. Die erlaubt nämlich Programmsteuerungen allein durch Körperbewegungen.

Wissenschaftler der Universität Südkaliforniens programmierten dafür eine eigene Software. Unter dem schönen Namen Flexible Action and Articulated Skeleton Toolkit (FAAST) stellten sie ihre Schöpfung sogar online und für jedermann zum Download frei. In Verbindung mit der Bewegungserfassung durch die Kinect-Kamera können Gamer nun über 20 unterschiedliche Bewegungsbefehle geben. Dabei sind bestimmte Bewegungen mit zuvor festgelegten Tastatur-Shortcuts verknüpft. Die Programmierer konnten sich natürlich nicht verkneifen, ihre Erfindung sofort auszuprobieren und das Ganze mitzufilmen.

44.000 Mozilla-Passwörter vorübergehend offen zugänglich

Das ist wohl ein erstklassiges Beispiel für Schusseligkeit im Dienst. Softwareentwickler Mozilla musste eingestehen, eine Datenbank mit Daten von 44.000 Nutzern von addons.mozilla.org schlichtweg vergessen zu haben. Mit der Folge, dass die Informationen für jeden neugierigen Surfer offen und zum Herunterladen bereitstanden.

Zwar handelte es sich um Angaben über längst inaktive Nutzer, aber immerhin befanden sich unter dem zugänglichen Material auch md5-basierte Hashes der User-Passwörter. Inzwischen sei Mozilla längst zu einer SHA-512-Verschlüsselung übergegangen, daher seien die Passwörter aktuell aktiver User nicht betroffen, wird im hauseigenen Sicherheitsblog beteuert. Die Datenbank sei überdies inzwischen wieder vom Server entfernt worden.

Blackberry-Playbook kommt erst im Mai

Blackberry-Hersteller Research In Motion (RIM) wird seiner Pläne nicht froh, mit einem eigenen Tablet-Computer in den Plattrechner-Markt einzutreten. Eigentlich soll das Blackberry Playbook im März herauskommen, und das wäre schon reichlich spät im Vergleich zu den Vorlagen der Konkurrenz.

Doch nun könnten Probleme mit Akkulaufzeiten die Pläne noch weiter behindern. Kaufman Bros.-Analyst Shaw Wu erklärte gegenüber "All things digital", derzeit betrügen die Laufzeiten der Playbook-Batterien gerade einmal ein paar Stunden. Was ein desaströser Wert gegenüber den zehn Stunden wäre, die ein iPad schafft. Das könnte nicht zuletzt damit zu tun haben, dass das Playbook-Betriebssystem ziemlich energiehungrig ist.

Um diese Probleme zu beheben, sei noch eine Menge Arbeit vonnöten, so Wu. Am wahrscheinlichsten ist der Einbau eines größeren Akkus als bislang geplant. Das aber hätte wiederum Folgen fürs Gewicht und das Design. Einführung des Playbooks also nicht vor Mai 2011, unkt Wu weiter. Und dämpft auch gleich noch die erwartungsfrohen Verkaufshoffnungen. Absatzzahlen zwischen einer und bis zu acht Millionen Geräte, von denen andere Analysten sprächen, seien illusorisch, RIM würde 2011 bestenfalls 700.000 Geräte an den Mann bringen. In einem Jahr wissen wir mehr.

Auch das noch:

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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.


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