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Netzwelt-Ticker: Miese MP3s gewöhnen Hörer an miese Klangqualität

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Dauerndes MP3-Hören schlägt auf die Ohren, Mecklenburg-Vorpommern testet W-Lan auf der Autobahn und Microsoft lässt seine Flash-Alternative Silverlight auf Symbian-Handys laufen. Das und mehr im Überblick.

Die dänische Sängerin Aura Dione auf einer Werbeveranstaltung: MP3 geht auf die Ohren Zur Großansicht
dpa

Die dänische Sängerin Aura Dione auf einer Werbeveranstaltung: MP3 geht auf die Ohren

Eingefleischte Vinylfans haben schon immer geahnt, dass mit dem MP3-Verfahren komprimierte Musik nicht so klar und echt klingt wie analoge gespeicherte Klänge. Nun kommt es noch schlimmer: Dauerndes Hören stark komprimierter Digitalmusik führt zur Bevorzugung schlechterer Klangqualität. Jonathan Berger, Professor an der Universität von Stanford, hat mehrere Jahre das Hörverhalten seiner Studenten überprüft und ihnen MP3-Dateien mit unterschiedlicher Kompressionsrate vorgespielt.

Mit dem Ergebnis, dass die Hörer zunehmend Musik in der schlechteren Qualität bevorzugen. "Futurezone" zitiert den Wiener Musikwissenschaftler Emil Lubej, der vergleichbare Tests durchgeführt hat: "Über die Jahre muss ich feststellen, dass die Fähigkeit zur Differenzierung nachlässt. Die Leute hören im Internet MP3s in niedriger Qualität und gewöhnen sich daran, dadurch hören sie den Unterschied zum Original immer weniger."

Hohe Kompressionsraten von 128 Kbit/s und mehr, die mitunter trotzdem noch als "Near-CD Quality" beworben werden, gelten unter Musikfreunden als zu niedrig. Dennoch sind sie im Internet allgegenwärtig, zum Beispiel hat YouTube lange Zeit keine bessere Audioqualität angeboten. Gerade in den Höhen zeigen sich dann unangenehme Begleittöne. Die Komplettversorgung mit MP3-Playern und der Dauerkonsum im Netz aber verdirbt das Gehör. Lubej: "Man sollte seine Ohren auch pflegen und auf sie aufpassen, damit sie solche Unterschiede weiter wahrnehmen können. Wenn man nicht so übersättigt ist, hört man bewusster zu. Nicht nur von der Klangqualität, sondern auch vom Inhalt."

W-Lan auf der Autobahn

Im Osten was Neues: Informatiker der Universität von Rostock sind dabei, einen 50 Kilometer langen Streckenabschnitt entlang der A19 und A20 mit W-Lan auszurüsten. Dazu werden am Straßenrand Antennen montiert, die Daten von vorbefahrenden und entsprechend ausgerüsteten Fahrzeugen oder Fahrern empfangen und an sie senden können. Das vom Land Mecklenburg-Vorpommern bezuschusste Projekt soll Fernfahrer nicht zum YouTube-Gucken während des Fahrens animieren - sondern im Gegenteil die Sicherheit im Straßenverkehr steigern.

Denn anhand der erfassten Daten könnte eine Verkehrszentrale die Verkehrsdichte feststellen, mögliche Stauquellen ausfindig machen und den einzelnen Fahrzeugen Geschwindigkeitstipps geben. Damit ließe sich ein optimaler Verkehrsfluss erreichen. Bei Unfällen könnten sich Notärzte vor Ort via Internet mit Spezialisten im Krankenhaus beraten.

Online-Musikverkäufe machen CD-Verluste wett

Da ist Licht am Ende des Tunnels: So müssen die Verantwortlichen der britischen Musikindustrie gefühlt haben, als sie die Umsatzzahlen fürs vergangene Jahr erhielten. Zeigten die Profite jahrelang nur in eine Richtung, nämlich nach unten, war im Krisenjahr 2009 zuallerletzt mit positiven Nachrichten zu rechnen. Und genau die sind jetzt da. Auch wenn das CD-Geschäft weiterhin rückläufig ist, fangen die Online-Verkäufe diesen Effekt erstmalig ab.

Der Rückgang beim CD-Verkauf betrug im Vergleich zum Vorjahr umgerechnet 9,6 Millionen Euro, gleichzeitig wurden aber bei iTunes und Co für gut 14 Millionen Euro mehr Musiktitel geordert. Insgesamt kamen durch den digitalen Musikabsatz mehr als 33 Millionen Euro in die Kassen. Die britische Verwertungsgesellschaft PRS bezifferte beim Jahresumsatz der Branche insgesamt ein Wachstum von 2,6 Prozent auf 687 Millionen Euro, meldet die "Times". Der PRS-Chef gibt sich verhalten optimistisch: "2009 hat der Umsatz im legalen Digitalmarkt erstmals den Rückgang bei traditionellen CDs und DVDs kompensiert. Dennoch bleiben wir zurückhaltend, ob diese Zahlen einen wirklichen Wendepunkt darstellen."

Neues von der Silverlight-Beta für Symbian

Schon seit längerem warten Handy-Benutzer darauf, ob aus der von Nokia und Microsoft vor Jahren angekündigten Silverlight-Portierung auf Symbian noch etwas wird. Damit würde Nokias Smartphone-Betriebssystem über eine funktionierende Alternative für Flash verfügen. Allem Anschein nach arbeiten die Entwickler bereits an einer ersten Betaversion. Wie Mary Jo Foley von "ZDNet" berichtet, stieß sie vor einigen Tagen auf eine Microsoft-Website, die einige Beschreibungen und Downloads für Entwickler anbot.

Obwohl die Seite bald wieder verschwunden sei, habe sie die entsprechenden Texte kopieren können. Und denen sei zu entnehmen, dass nach der Installation der Silverlight-Beta und diverser Entwickler-Tools eine Reihe von Anwendungen auf der fünften Generation des Nokia S60 ausgeführt werden könnten. Möglicherweise wird die offizielle Veröffentlichung noch in dieser Woche erfolgen, während der Mix Web Developer Conference. Auf der wird Microsoft dem Vernehmen nach auch über seine Pläne mit Silverlight für Windows Phone 7 neue Details mitteilen.

30 Blogger im Iran verhaftet

Die Informationsfreiheit hat in Iran weiterhin einen schweren Stand. Am Wochenende wurden 30 Menschen verhaftet, der Vorwurf lautet auf Mitgliedschaft in einem illegalen Internetnetzwerk. Angeblich stehe die Gruppe mit den USA in Verbindung und habe Informationen über iranische Nuklearwissenschaftler gesammelt, meldet der "Standard". Überdies wird ihnen vorgeworfen, sie hätten via Internet neue Mitglieder für eine linke Oppositionsgruppe zu rekrutieren versucht.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 41 Beiträge
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1. Klangqualität
DJ Doena 15.03.2010
Ist die Klangqualität von UKW-Radio inklusive Empfangsschwankungen tatsächlich als besser einzustufen als 192 oder 256kbit MP3? Ich kanns fast nicht glauben. Und wenn nicht, sind wir dann nicht seit den Zeiten des "Volksempfängers" an miese Klangqualität gewöhnt? Was war mit knacksenden Schallplatten und Tonbändern/Kassetten?
2. könnte stimmen
unente, 15.03.2010
Das erklärt doch den Sieg dieser Lena beim Casting für Oslo. Ich höre offenbar zu wenig MP3.
3. Bleh
kar98 15.03.2010
Leiernde Kassetten, hüpfende CDs, knacksende Schallplatten und klangverzerrtes UKW-Radio sind ja auch soooooo viel besser als die bösen MP3-Dateien. So spricht der deutsche Bedenkenträger und Manufactum-Kunde.
4. CD-Qualität
Meckermann 15.03.2010
Ich als bekennender Musikbanause höre keinen klanglichen Unterschied zwischen 128kb/s komprimierten mp3s und CD. Liegt aber womöglich auch an der minderwertigen Sound-Hardware, die zum Einsatz kommt.
5. Sind wirklich NUR die Kompressionsraten schuld?
airwave 15.03.2010
Das trifft ja auch nur auf stark komprimierte Musik zu, die bei Jugendlichen z.b. auf dem Handy sind. Verhälnismäßig geringe Speicherplatz und dann meist die Handyeigenen Mediaformate.. da lässt sich kaum was machen.. Sogut wie jeder Audiocodec den die mobilen Geräte unterstützen ist verlustbehaftet. Würde man mal Geräte mit FLAC ünterstüzung entwickeln wäre das was anderes... Dennoch.. der normale Mensch ist eh nicht in der Lage eine 320kbs CBR von einer HQ VBR MP3 zu unterscheiden. Warum denn nich AAC als neues Medienformat? AAC ist eine verbesserung des Frauenhofer MP3 Encoders. Außerdem kommt es bei den endgeräten ja auch auf den verbauten bzw. auf den ROm geflashten Decoder an. Dazu kommen schlechte (billige) Transistorerverstärkerschaltungen und meist Billigkopfhörer. Dazu kommt die steigende Lärmbelastung. Die Empfindung für Lautheit wird herabgesetzt und die Lautstärke erhöht. Wirklich alles nur schuld der Kompression? Zudem wird bei den heutigen Produktionen die Dynamik abgesenkt um das Medium lauter konsumieren zu können, da bei unkomprimierter voller Dynamik automatisch die Lautsärke gesenkt wird. Nicht umsonst sind Produkte von Hersteller wie Cowon oder Shure auch dermaßen teuer. Die InEar headphone von Shure können locker mal um die 500€ kosten. Wie immer hat Qualität ihren Preis. greetz
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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.

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