Netzwelt-Ticker: Ministerien schlampen bei Datenschutz-Aufklärung

Von Felix Knoke

Viele deutschen Unternehmen und Behörden informieren Nutzer ihrer Webformulare nicht verständlich genug über die Nutzung persönlicher Daten, behauptet eine Studie. Außerdem: EU-Ausschüsse mildern Gesetzesvorschläge zur Internetkontrolle ab. Das und mehr im Überblick.

Gut 85 Prozent aller Unternehmen und Behörden in Deutschland, die auf ihren Websites personenbezogene Daten von den Besuchern abfragen, klären ihre Nutzer nicht darüber auf, was mit diesen Daten passiert. Das ist das Ergebnis der Studie "Wie Unternehmen im Internet bei Konsumenten Misstrauen säen" der Xamit Bewertungsgesellschaft, wie der IT-Fachdienst Heise berichtet.

Datenschutz-Einstellungen: Nur wenige Firmen und Behörden erklären neben Webformularen, wie sie die Daten nutzen
DPA

Datenschutz-Einstellungen: Nur wenige Firmen und Behörden erklären neben Webformularen, wie sie die Daten nutzen

Über Kontaktformulare können Websitenutzer in Dialog mit Unternehmen und Behörden treten. Dabei fallen Daten an, mit denen sensibel umgegangen werden muss.

Xamit untersuchte die Internetauftritte von 16.500 Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, insgesamt 815.000 Websites. Dabei waren 1.190 Gemeinden, 1.770 Vereine und mittelständische Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Die automatische Analyse ging der Frage nach, ob über Formulare persönliche Daten wie Name, Anschrift und E-Mail-Adresse abgefragt werden und ob eine Datenschutzerklärung hinterlegt ist, die der Nutzer mit höchstens einem Klick vom Kontaktformular aus abrufen kann?

Ergebnis: Knapp 75 Prozent der untersuchten Websites nutzen Kontaktformulare, aber nur 15 Prozent von ihnen liefern Informationen über ihren Umgang mit den erhobenen Daten. Datenschutz-Vorbilder gäbe es nur wenige. Lediglich zwei Prozent aller untersuchten Webpräsenzen (mit und ohne Kontaktformular) veröffentlichen eine Datenschutzerklärung und verlinken diese direkt mit dem Kontaktformular.

Heikel: Unter den kritisierten Webauftritten befinden sich auch prominente wie diejenigen der Bundesregierung, des Auswärtigen Amts und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie sowie die vieler Gemeinden.

Die Autoren der Studie sagen deshalb "einen spürbaren Vertrauensverlust der Kunden" vorher. Sie verweisen dabei auf einer Studie des Institut für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2007. Ein Drittel aller Onlinekunden habe schon auf einen Einkauf im Netz verzichtet, weil sie ihre Daten nicht preisgeben wollten. Viele fürchten zudem den Missbrauch ihrer Daten. Sprich: Spam.

EU-Parlament schwächt Internet-Kontrollpläne ab

Erstmal abgewendet: Zwei Ausschüsse des EU-Parlaments haben die umstrittenen Internetsperren für angebliche Raubkopierer niedergestimmt, die zahlreiche Änderungsvorschläge für ein EU-Gesetzesvorhaben ermöglicht hätten. In der Abstimmung am Montagabend lehnten die Mitglieder zweier EU-Ausschüsse die umstrittenen Regulierungsvorschläge ab.

Im Vorfeld hatten Bürgerrechtsorganisationen aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland vor einem drohenden Internet-Kontrollzwang gewarnt. Viele der Änderungsanträge zielten darauf ab, Provider stärker in die . Überwachungspflicht zu nehmen, um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht zu ahnden (mehr...).

Die Passagen über eine verdachtsunabhängige Überwachung von Internetnutzern haben die Abgeordneten im Binnenmarkts- und Industrieausschuss nun aus den Gesetzesvorschlägen gestimmt. Allerdings, so warnt die deutsche EU-Abgeordnete Erika Mann (SPD), müssten bis zur Abstimmung im Parlament "noch weitere Änderungsanträge vor allem aus dem Rechtsausschuss überprüft werden, die teilweise eine ähnliche problematische Wortwahl hatten." Das Europäische Parlament wird wahrscheinlich im September zum ersten Mal über die Gesetzesänderungen entscheiden.

Teuer und selten: Wirbel um iPhone 3G

Teure Tarife vermiesen die Hypestimmung um Apples neues iPhone. In Deutschland brandmarkten Käufer des ersten Apple-Telefons die hohen Ablösegebühren, die Bestandkunden für den Wechsel zum neuen UMTS-iPhone zahlen sollen als "Strafgebühr", "Unverschämtheit", "Entsetzlich".

Noch schlimmer trifft es die Kanadier. Sie sollen die weltweit teuersten Tarife zahlen. Das Blog iPhone-Ticker.de rechnet vor: Selbst im teuersten Vertrag - ohne Datenflatrate - läuft ein iPhone-Vertrtag der kanadischen Mobilfunkgesellschaft Roger Wireless satte drei Jahre und zeigt nur bei Zubuchung des 15 bis 20 kanadische Dollar (9,40 bis 12,50 Euro) teuren "iPhone Value Pack", die Caller-ID des anrufenden Gesprächspartners.

Die iPhone-Blogger folgern daraus, dass kanadische iPhone-Nutzer 1000 Dollar mehr für ihr iPhone zahlen müssen als deutsche. Leider berücksichtigen sie dabei nicht, dass in Kanada nicht in US-Dollar abgerechnet wird. Korrekt ausgerechnet liegt die Differenz tatsächlich noch höher: Über den gesamten Zeitraum von drei Jahren zahlen Kanadier bis zu 4300 Kanadische Dollar, während man für den teuersten deutschen iPhone-Tarif über den zwei Jahre währenden Zeitraum umgerechnet rund 3400 Kanadische Dollar zahlt.

Rechnet man den deutschen T-Mobile-Tarif allerdings auf 36 Monate hoch, addieren sich die Gesamtkosten auf 5120 Kanadische Dollar (3200 Euro), liegen also sogar um gut 800 Kanadische Dollar höher als beim Rogers-Tarif.

Teuer wird das iPhone in Kanada also vornehmlich wegen der enorm langen Vertragslaufzeit. Aber diese Laufzeit ist in Kanada durchaus üblich - bei Rogers Wireless sogar Standard. Nur gegen Aufpreis lassen sich beispielsweise beim Konkurrenten Bell Canada auch Verträge mit nur ein oder zwei Jahren Laufzeit abschließen. Dass eine Bindung auf drei Jahre unzeitgemäß ist, steht dennoch außer Frage.

Kaffee, Tee, oder doch ein Elektroschocker-Armband?

Jeffrey Denning, Blogger bei der "Washington Times" , kann es kaum glauben: Interessiert sich die US-Regierung tatsächlich für ein Schockerarmband für Fluggäste? Ein Tazerband, das Flugpassagiere an Stelle einer Bordkarte am Handgelenk tragen, das persönliche Informationen des Reisenden speichert, per GPS seinen Aufenthaltsort protokolliert und ihn per Fernbedienung und mittels Elektroschock minutenlang immobilisiert? " Hat die Regierung also tatsächlich Interesse an so einem Armband? Ja!" Ein hoher Regierungsbeamter des US-Ministeriums für innere Sicherheit (Department of Homeland Security) schrieb dem Erfinder einen Brief: "Um es klar zu machen, wir sind am Armband interessiert und freuen uns auf ein Angebot." Der Schockschmuck könnte die Sicherheit an Bord steigern – auf ganz normalen Passagierflügen. Ein Werbevideo auf der Erfinderseite zeigt alle Vorteile auf. Vielleicht sollte sich der besorgte Beamte noch die anderen tollen Anti-Terrorismus-Erfindungen anschauen, die das Neatorama-Blog sammelte. Besonders schön:

Die Falltür vor dem Cockpit …


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