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30. März 2011, 12:56 Uhr

Netzwelt-Ticker

Musikindustrie meckert über Amazons Cloud Player

Von Richard Meusers

Amazon bekommt Ärger mit Plattenlabels, weil denen das neue Online-Speicherangebot des Konzerns nicht passt. Wer keine Pornos auf dem PC hat, macht sich verdächtig und ein iPad aus purem Gold hat nichts mit gutem Geschmack zu tun. Das und mehr im Überblick.

Am Dienstag ging Amazons Online-Speicher Cloud Drive an die Öffentlichkeit. Kunden des Online-Kaufhauses können sich dort Speicherplatz mieten, um beliebiges Datenmaterial darauf abzulegen. Mit dem Amazon-eigenen Cloud Player lassen sich dort hochgeladene Musikstücke abspielen. Das vorerst auf US-Nutzer zugeschnittene, aber auch von Deutschland aus nutzbare Angebot hat allerdings einen Schönheitsfehler, jedenfalls in Augen der Musikindustrie: Mit ihr hat Amazon im Vorfeld der Cloud-Einführung nämlich keine Lizenzvereinbarungen abgeschlossen.

Wieso auch, fragt Amazon. "Wir brauchen keine Lizenz, um Musik im Cloud Drive zu speichern", erklärte ein Sprecher gegenüber "Ars Technica". "Das Funktionsprinzip des Abspeicherns sei beim Cloud Drive dasselbe, wie in dem Fall, dass ein Anwender seine Musik auf einer externen Festplatte oder in iTunes sichert."

Das scheinen zumindest einige Verantwortliche bei den großen Labels anders zu sehen. Sony-Sprecherin Liz Young erklärte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, man behalte sich juristische Schritte gegen Amazon vor. Ein ungenannter Manager aus der Musikbranche zeigte sich von dem Tempo überrascht, das Amazon mit seiner Online-Dateiablage an den Tag legt. Das Netz-Kaufhaus sei erst vergangene Woche auf die Musikindustrie zugekommen: "Ich habe noch kein Unternehmen von dieser Größe gesehen, das zur selben Zeit einen Service ankündigt, veröffentlicht und erklärt, man sei gerade erst dabei, die passenden Lizenzen zu erlangen."

Wer keine Pornos hat, ist verdächtig

Wer sich nichts aus Pornografie macht und drum auch keine auf seinem Rechner lagert, macht sich verdächtig. Klingt absurd? Ist aber die Bilanz, die Rechtsanwalt Udo Vetter in einem sonderbaren Fall zog. Von einem Verdächtigen war im Zuge der Ermittlungen der private Rechner beschlagnahmt worden. Zum Erstaunen der Beamten war der Computer komplett pornofrei.

Im Polizei-Bericht heißt es: "Während der Untersuchung fiel auf, dass die Partition D frei von jeglichen pornografischen Darstellungen pp. ist. Dies ist auf der einen Seite genauso ungewöhnlich wie das Vorhandensein kinderpornografischer Dateien auf einem PC." Womit der Verdächtige sich der Polizei gegenüber wie im Mittelalter fühlen muss. Er ist im Visier der Ordnungsmacht, egal, was er tut. Das Fazit des Rechtsanwalts lautet denn auch: " Ein paar legale Pornos sollten stets auf der Festplatte eines Mannes sein - schon um die Kripo nicht ins Grübeln zu bringen."

Android beherrscht jetzt auch In-App-Verkäufe

Zur Freude der Entwickler hat Google sein mobiles Betriebssystem um eine kleine, aber wichtige Zusatzfunktion erweitert. Für einige der im Android Market angebotenen Anwendungen können jetzt kostenpflichtige Zusatzfunktionen gekauft werden. Diese In-App-Bezahlung ist für viele Entwickler eine wichtige Einnahmequelle. So können jetzt Gratis-Apps offeriert werden, bei denen die Entwickler Geld mit dem Verkauf von Zusatzmodulen oder dem Freischalten von Funktionen aus der App heraus verdienen. Mit dieser Neuerung zieht Google mit Apple gleich. Der iPhone-Konzern bietet eine derartige Bezahlerweiterung bereits seit zwei Jahren an.

Firefox 4 wird mobil

Auch an anderer Stelle gibt's bei Android Neues. Nachdem Mozilla in der letzten Woche die finale Version seines Browsers Firefox 4 für Desktoprechner veröffentlicht hat, ist nun die mobile Variante an der Reihe. Firefox 4 für Android soll dreimal schneller als der eigentlich installierte Android-Standardbrowser sein. Javascript soll genauso flott verarbeitet werden wie Nutzereingaben durch das Browserinterface. Ähnlich wie in der Desktop-Version werden alle überflüssigen Elemente ausgeblendet. Damit erhält die aufgerufene Web-Seite mehr Platz, ein Vorteil auf kleinen Smartphone-Displays. Auch die Unterwegs-Variante beherrscht Firefox Sync, womit Daten wie Verlauf, Lesezeichen oder Formulardaten mit anderen Mobilgeräten und Rechnern abgeglichen werden können.

Nintendo 3DS erschreckt mit dem "Black Screen of Death"

Nintendos Handheld-Konsole 3DS lehrt seine Besitzer gerade das Gruseln. So mancher Nutzer wird durch einen Systemabsturz überrascht: Der Bildschirm wrd schwarz, die Mitteilung "An error has occured" erscheint. Die Ursache für den Fehler ist noch unbekannt, aber immerhin gibt es Abhilfe, wie "Golem" meldet. Manchmal soll eine Neuformatierung der eingesteckten SD-Karte helfen. Nintendo selbst rät dazu, ein schon zur Verfügung gestelltes Update herunterzuladen und zu installieren.

Das teuerste iPad 2 der Welt

Dass viel Geld und guter Geschmack eine eher selten anzutreffende Kombination sind, zeigt eine Deluxe-Version von Apples iPad 2. Kaum ist der von der Jüngergemeinde sehnlich erwartete Plattrechner draußen, wird er für die Freunde von Prunk und Verschwendung so richtig aufgebrezelt. Die "iPad 2 Gold History Edition" kommt mit einem etwas aufwendigeren Gehäuse als das herkömmliche Modell daher.

Aus zwei Kilo purem Gold glänzt die Rückseite, das Apple-Logo funkelt in Form von 24-Karat-Brillanten auf Platinuntergrund. Auch die Displayseite hat eine gewisse Aufwertung erfahren. Den Rahmen bildet bunt glänzender Ammolit, in den ein Stück eines versteinerten Oberschenkelknochens eines Tyrannosaurus eingearbeitet wurde. Die feine Ausstattung sowie die geringe Auflage (nur zwei Geräte dieser Art werden gefertigt) haben ihren Preis. Satte fünf Millionen Pfund Sterling - umgerechnet 5,7 Millionen Euro - soll der Spaß kosten. Spätere Wertsteigerung unwahrscheinlich.

Auch das noch:

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