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Netzwelt-Ticker: MySpace auf Talfahrt

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Die goldenen Jahre für MySpace sind endgültig vorbei, die Mitglieder laufen dem Musiknetzwerk in Scharen davon. Außerdem im Überblick: Facebook wirft jeden Tag 20.000 Mitglieder hinaus, und in Belgien sollen Trucker fürs Radiohören Gebühren zahlen.

MySpace-Homepage: Die Deutsche Niederlassung wurde schon 2010 geschlossen Zur Großansicht
DPA

MySpace-Homepage: Die Deutsche Niederlassung wurde schon 2010 geschlossen

Ist das ein Warnschuss für alle Betreiber von Social Networks? Wer eben noch mit großen Mitgliederzahlen protzte, kann schon bald auf dem Weg nach unten sein, so wie derzeit MySpace: Noch vor wenigen Jahren war der Dienst mit 100 Millionen Mitgliedern die Nummer Eins der sozialen Netzwerke. Doch damit ist es längst vorbei. Der britische "Telegraph" meldet unter Berufung auf Comscore, allein zwischen Januar und Februar dieses Jahres seien der Plattform für Musikfans zehn Millionen User abhanden gekommen, ein Rückgang auf jetzt 63 Millionen Mitglieder.

Noch 2005 hatte Medienzar Rupert Murdoch MySpace für 580 Millionen Dollar übernommen. Ein Investment, das ihn auch nach mehreren Spar- und Entlassungsrunden nicht glücklich macht. Selbst die offizielle Umfirmierung vom sozialen Netzwerk zur sozialen Unterhaltungsplattform konnte den Niedergang offenbar nicht stoppen. Derzeit wirkt vor allem Facebook mit seinen inzwischen gut 600 Millionen Mitgliedern in aller Welt wie ein Staubsauger, der alle Konkurrenz vom Markt entfernt.

Zahlen, die einen Finanzmogul wie Warren Buffet in seiner Skepsis bestätigen dürften. Der warnte Investoren vor einem Engagement im Bereich der Social Networks. "Die meisten sind überbewertet", wird er von "Bloomberg" zitiert. "Es ist außerordentlich schwierig, Social-Network-Unternehmen zu bewerten. Manche werden große Gewinner sein, die den Rest der Branche erledigen."

Facebook kickt pro Tag 20.000 Minderjährige

Auch Branchenprimus Facebook wird derzeit jeden Tag um zigtausende Mitglieder ärmer. Im Unterschied zu anderen Anbietern aber trennt sich die Netzwerkplattform ganz freiwillig von ihnen. Der Grund ist einfach: Sie sind zu jung. Denn das Mindestalter, um einen Facebook-Account anzulegen, beträgt laut den Geschäftsbedingungen 13 Jahre. Monat für Monat schaffen es die Betreiber, an die 20.000 Mitglieder zu identifizieren, die bei der Altersangabe offensichtlich geschummelt haben.

Die netzwerkwilligen Kinder dürften Facebook noch einige Zeit beschäftigen. "Afterdawn" verweist auf eine Studie, laut der bereits die Hälfte aller Zwölfjährigen in den USA soziale Netzwerke nutzen.

Kampf um Twitter-Daten in Wikileaks-Prozess geht weiter

Um Julian Assange und seine Enthüllungsplattform Wikileaks ist es etwas stiller geworden. Doch unermüdlich arbeiten sich amerikanische Behörden daran ab, Wikileaks-Unterstützer zu identifizieren und juristisch zu belangen. Vor zwei Wochen hatte ein US-Gericht die Herausgabe der vertraulichen Twitterdaten von echten oder vermeintlichen Enthüllungsaktivisten angeordnet. Darunter auch die isländische Parlamentsabgeordnete Birgitta Jonsdottir sowie zwei weitere Netzaktivisten. Die drei erhalten nun mächtige Unterstützung durch zwei amerikanische Bürgerrechtsorganisationen. Die American Civil Liberties Union (ACLU) und die Electronic Frontier Foundation (EFF) legten am vergangenen Freitag gegen die gerichtliche Verfügung zur Datenherausgabe Berufung ein. ACLU und EFF bestreiten die Berechtigung der Behörden, Zugriff auf persönliche Daten nehmen zu dürfen.

Hätte Twitter das Ersuchen der Strafverfolger nicht publik gemacht und seine Kunden informiert, hätte keiner der Betroffenen überhaupt Stellung nehmen können. Nun verlangen die Bürgerrechtsorganisationen vom Gericht, sämtliche gleichlautenden oder ähnlichen Anordnungen an andere Unternehmen ebenfalls öffentlich zu machen. "Sollte die Gerichtsentscheidung Bestand haben, könnte unsere Mandantin nie erfahren, wie viele andere Unternehmen angewiesen wurden, Informationen über sie herauszugeben. Damit wäre sie nie imstande, sich gegen diese aufdringlichen Anfragen zu Wehr zu setzen", so ACLU-Anwalt Aden Fine.

Musik-Labels vergeuden laut Studie ihre Zeit im Anti-Piraterie-Kampf

Einen ebenso langen wie vergeblichen Kampf fechten die großen Musiklabels gegen Tauschbörsen und das, was sie als Online-Raubrittertum ablehnen. Trotzdem zeigen die Umsatz- und Erlöszahlen der Musikbranche seit zehn Jahren nur in eine Richtung, nach unten. Der "Sydney Morning Herald" macht auf Studien aufmerksam, die keinen Zusammenhang zwischen diesem Niedergang und illegalen Downloads erkennen wollen. Tatsächlich hätte der Kampf gegen Online-Piraterie die Labels geradezu daran gehindert, sich unbefangen und erfolgreich auf das digitale Zeitalter mitsamt seinen neuen Technologien einzulassen.

Es sei im Verlauf der Geschichte des Musikvertriebes immer wieder zum Wechsel der Tonträger gekommen, von der Vinylplatte über die Audiokassette zur CD. Inzwischen sei das Mittel der Wahl digital, Musik finde bald nur noch in Form von Dateien ihren Weg zum Fan. Dies wie auch der Umstand, dass Musikfreunde viel häufiger auf Konzerte gehen, sei der Hauptgrund zur Abkehr der Kunden von physischen Tonträgern. Die zumeist völlig überzogene Preispolitik der Labels tue ein Übriges.

Belgische Musikrechteverwerter wollen Geld von Lkw-Fahrern

Was uns die Gema ist, bedeutet den Belgiern die Sabam. Nun glaubt die Rechteverwertungsgesellschaft in unserem Nachbarland einen originellen Weg zur Geldbeschaffung gefunden zu haben: Trucker, die sich die lange, einsame Zeit unterwegs auf dem Bock mit Musik vertreiben, sollen zur Kasse gebeten werden. Die Lastwagenfahrer würden nicht wie sonstige Radiohörer dem privaten Genuss frönen, sondern ließen das Radio quasi dienstlich dudeln. Und für diese Art des Abspielens von Musik am Arbeitsplatz werden dem belgischen Recht zufolge Gebühren fällig.

Kaum verwunderlich, dass die Sabam mit diesem Ansinnen auf wenig Begeisterung trifft. Einige Politiker äußerten bereits ihre Ablehnung. Worauf die Sabam-Verantwortlichen verschnupft erklärten, Musikhören am Arbeitsplatz sei grundsätzlich kostenpflichtig, ganz egal, ob im Lkw oder am Schreibtisch im Büro.

"Kompletter Schwachsinn", das ist laut "Torrentfreak" die Einschätzung der belgischen Parlamentsabgeordneten Maggie De Block. "Die Lkw-Fahrer brauchen das Radio nicht zum Musikhören, sondern aus Sicherheitsgründen." Für Staumeldungen zahlen zu sollen, sei unlogisch.

In Deutschland müssen Taxi- oder LKW-Fahrer laut Gema übrigens keine Gebühren bezahlen - die werden nur in Bussen fällig, in denen Musik läuft. Was natürlich nicht für die GEZ-Gebühr gilt: Die muss für beruflich genutzte Fahrzeuge selbstverständlich entrichtet werden.

Auch das noch:

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1. -
Mulharste, 28.03.2011
Zitat von sysopDie goldenen Jahre für MySpace sind endgültig vorbei, die Mitglieder laufen dem Musiknetzwerk in Scharen davon. Außerdem im Überblick: Facebook wirft jeden Tag 20.000 Mitglieder hinaus, und in Belgien sollen Trucker fürs Radiohören Gebühren zahlen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,753539,00.html
..und die Welt ist gierig. Nun, MySpace scheitert an sich selbst. Zu wenig Innovation, zu wenig Werbung. Eine gute Idee, aber kein Marketing. Facebook wird diesen rapiden Weg insa Vergessen sicher nciht gehen, aber ewig gehts da auch nicht so weiter. Das die Musikindustrie nen Trend verschlafen hat, ist obsolet, dass sie diesem Trend mit juristischen Mitteln versuchte beizukommen, ein alter Hut - daß man aber noch immer nicht daraus gelernt hat und endlich aufhört, seine Kunden wie Kriminelle zu behandeln, da0 spottet jedem Verständiß. Wie dämlich arrogant kannm an denn sein, nach 12 Jahren Automobil noch immer auf Pferde zu setzen? WAs uns die GEMA....da könnte ich hier Geschichten erzählen...aber was die Belgier da abziehen - man kann ob der Gier und der Dreitigkeit selbst von Behörden nur noch mit dem Kopf schütteln, und dann wird sich gewundert, warum die Gesellschaft vor die Hunde geht.
2. Titel
nurzubesuchhier 28.03.2011
So, Facebook kickt Monat für Monat 20.000 Nutzer, die
3. my what?!
neon.apocalypse, 28.03.2011
Zitat von sysopDie goldenen Jahre für MySpace sind endgültig vorbei, die Mitglieder laufen dem Musiknetzwerk in Scharen davon. Außerdem im Überblick: Facebook wirft jeden Tag 20.000 Mitglieder hinaus, und in Belgien sollen Trucker fürs Radiohören Gebühren zahlen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,753539,00.html
Die (rhetorische) Frage ist berechtigt. Jedoch sind die User innerhalb der letzten zwei Jahre nicht etwa wegen Geprotze davon gelaufen, sondern wegen der ständigen Umgestaltungswut der Betreiber, die das Netzwerk immer besser - immer zeitgeistiger - immer facebookiger werden lassen wollten, und das Gegenteil erreicht haben. Myspace ist doch momentan nichts mehr, als eine unübersichtliche Flash-Orgie, die irgendwie alles will, aber nichts kann. Es sollte eine Mahnung für alle noch im Rennen verbliebenen Social Networks sein, (ok, vielleicht besser, des letzten im Rennen verbliebenen Social Networks) Redesigns so spärlich und dezent wie möglich einzusetzen. Oft besteht ja eine meilenweite Diskrepanz zwischen dem, was die User gut finden, und dem was sich die Betreiber so wünschen, was der User gerne gut zu finden hätte, und irgendwann ist die kritische Masse erreicht und der Account ist dann halt gekündigt, wie bei meinen beiden, die ich bei Myspace (1x beruflich, 1x privat) hatte, und die jetzt bei facebook zu finden sind.
4. Niemand braucht wirklich Social Networks
52m.de 28.03.2011
Zitat von sysopDie goldenen Jahre für MySpace sind endgültig vorbei, die Mitglieder laufen dem Musiknetzwerk in Scharen davon. Außerdem im Überblick: Facebook wirft jeden Tag 20.000 Mitglieder hinaus, und in Belgien sollen Trucker fürs Radiohören Gebühren zahlen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,753539,00.html
Das ist eine Selbstbereinigung, die auch andere Social Networks treffen wird. Alle, die dann doch festgestellt haben, nicht alle privaten Infos mehr oder weniger frei ins Netz stellen zu müssen, werden zu erst den Social Networks den Rücken kehren. Und dann folgen viele nach, die irgendwann keine Lust haben, das immer mit eigenen Banalitäten zu aktualisieren und der anderen Banalitäten zu lesen. Facebook wird auch wieder schrumpfen. Da sind garantiert viele viele Millionen Karteileichen dabei. Wobei, wenn es ein Social Network sein muss, dann lieber MySpace als FaceBook, weil man sich bei MySpace noch relativ anonym anmelden kann. Die wollen wesentlich weniger wissen, als Facebook. Und man kann etwas am design rumspielen. Bei FaceBook geht irgendwie kaum etwas diesbezüglich. http://www.youtube.com/watch?v=LfPxqbWe1W0
5. warum Kinder unter 13 sich in den USA nicht anmelden duerfen
Peter Boots 28.03.2011
Zitat von sysopDie goldenen Jahre für MySpace sind endgültig vorbei, die Mitglieder laufen dem Musiknetzwerk in Scharen davon. Außerdem im Überblick: Facebook wirft jeden Tag 20.000 Mitglieder hinaus, und in Belgien sollen Trucker fürs Radiohören Gebühren zahlen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,753539,00.html
Der Grund ist der "Children's Online Privacy Protection Act", ein Gesetz das 1998 verabschiedet wurde und web sites verbietet persoenlich Informationen von Kindern unter 13 Jahren anzunehmen oder zu speichern oder diese etwas zu vermarkten (wenn es dieses deutsche Wort gibt). Eltern koennen Kinder anmelden aber da das vermarkten verboten ist wird die Sache zu kompliziert und daher generell ein mindestalter von 13 gilt. Web sites wie Disney oder Nickelodeon lassen Eltern natuerlich ihre Kinder anmelden aber Eltern muessen eine Kreditkarte angeben um zu zeigen dass sie ueber 18 sind. Natuerlich haben die lieben Kleinen natuerlich oft Zugang zur Brieftasche der Eltern und die Kreditnummer und Kennzahl abzuschreiben ist nicht gerade schwer. Peter NYC
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Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.


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