Netzwelt-Ticker MySpace macht Spyware für Eltern

Besorgten Eltern will MySpace mit einer Software helfen, die Angaben zu überprüfen, die ihre Kinder bei der MySpace-Anmeldung gemacht haben. Weitere News im Ticker: Steve Ballmer lobt Apple, und Cisco hat Probleme mit Open Source Software.


Mamas Spion

Mit einem besseren System zum Altersnachweis und einer Monitoring-Software will MySpace Eltern beim Schutz ihrer Kinder unterstützen. Mittels der vorläufig Zephyr getauften Software können Eltern nachprüfen, ob ihr Kind ein MySpace-Konto unterhält und ob es dort auch sein richtiges Alter angegeben hat. Dabei wisse das Unternehmen, wie ein Sprecher gegenüber Informationweek.com angab, dass es auf der einen Seite die Eltern zwar unterstützen müsse, auf der anderen Seite aber auch die Privatsphäre der Mitglieder wahren wolle.

Kinder am PC: Stimmt das Alter, mit dem sie bei MySpace unterwegs sind?
DPA

Kinder am PC: Stimmt das Alter, mit dem sie bei MySpace unterwegs sind?

Doch so ganz freiwillig scheint MySpace diesen Weg nicht zu gehen. Eine Gruppe Anwälte plant laut ZDNet eine Klage gegen die Seitenbetreiber, wenn die das Eintrittsalter nicht von 14 auf 16 Jahre erhöhen und das Alter der Mitglieder mit öffentlichen Datenbanken abgleichen. Die neuen System könnten MySpace so eine Klage ersparen.

Nicht erspart bleibt MySpace aber das große Risiko, viele Mitglieder an die Konkurrenz zu verlieren. Junge User sind bekannt dafür, sehr unloyal gegenüber Social-Networking-Seiten zu sein. Ihren Eltern eine Spyware in die Hand zu drücken, könnte sie all zu leicht dazu bringen, MySpace aufzugeben und hin zur nächsten, viel cooleren Seite zu wechseln.

Stecker raus bei Isohunt.com

Eine der beliebtesten Torrent-Suchseite, www.isohunt.com, gibt es nicht mehr. Wohl aus Angst vor einer Klage durch die Musik– und Filmindustrie quittierte der Internetprovider ohne vorherige Ankündigung der Onlinesuche seinen Dienst. Betreiber der Seite war Gary Fung, der auch die Edonkey-Seite ed2k-it.com betreibt, die gerade ebenfalls zwangsweise aus dem Netz genommen wurde. In einer Notiz auf Isohunt.com nennt Fung auch den Grund: "Die Anwälte unseres Serviceproviders zogen den Stecker. Zweifellos im Rahmen der MPAA-Klage, die gegen Fung schon seit letztem Jahr läuft.

Der gibt sich umso kämpferischer: Isohunt und ed2k-it werden heute wieder da sein, die Server ziehen von Amerika nach Schweden. Von Alternativlösungen, wie bei der Piratebay, will Fung aber nichts wissen: "Nein, unsere Server nach Schweden oder Sealand umziehen hilft uns nicht weiter. Ich habe nicht vor, mich zu verstecken."

Elektronikhersteller fordern Senkung der Geräteabgabe

Führende Elektronik-Hersteller rufen zum Widerstand gegen den sogenannten zweiten Korb der anstehenden Urheberrechtsnovelle auf. Am Mittwoch hoben sie in Berlin die Teuerland-Kampagne aus der Taufe. Mit der wollen sie erreichen, dass die Abgaben auf elektronische Geräte wie Drucker, PCs und Multifunktionsgeräte geringer angesetzt werden.

Die Geräteabgabe soll nach Vorstellung der Urheberverbände pauschal erfolgen. Zeitweilig waren da 30 Euro pro PC und 120 Euro pro "Multifunktionsgerät" im Gespräch. Der Gesetzgeber ist dem nicht gefolgt. Im zweiten Referentenentwurf sieht er eine Deckelung auf 5 Prozent des Gerätepreises vor.

Damals, im März 2006, signalisierte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) verhalten Zustimmung nach dem Motto: "besser als eine Pauschale". Einzelne Bitkom-Mitglieder gehen jetzt offenbar in den Widerstand, zweite Runde.

Ballmer: iPhone ohne Apple wäre langweilig

Oh Wunder, schreibt Informationweek, Steve Ballmer ist nicht unbedingt ein großer Fan vom Apple iPhone. In einem Interview bemängelte er den hohen Preis von 499 Dollar, vermisst eine Tastatur zum E-Mails-Schreiben und ärgert sich über den Hype um das neue Handy. Der sei allein dem Apple-Markennamen geschuldet. Andere Hersteller könnten die wichtigsten Features des iPhones bereits heute für weniger Geld anbieten. Ballmers Wohlwollen erregte einzig die Firma Apple selbst: Viel Wind machen, darauf verstehe man sich in Cupertino prächtig. Stellt sich doch gleich die Frage, wie es eigentlich um Microsofts mit großem Tamtam eingeführten Musikplayer Zune bestellt ist. Seit dessen Einführung hat man eigentlich nichts mehr davon gehört …

Verstößt Cisco mit dem iPhone gegen die GPL?

Cisco verklagt Apple wegen des Markennamens iPhone und gerät nun selbst unter Verdacht, mit dem iPhone gegen Urheberrechte zu verstoßen. Cisco, so das GPL Violation Project, verstößt mit dem WIP300 iPhone, das auf Linux basiert, gegen die GNU General Public License (GPL). Die fordert, dass Software, die unter ihr erstellt wurde, nur mit anderer Open-Source-Software zusammen eingesetzt werden darf. Das bedeutet, dass Cisco den Quellcode veröffentlichen muss, den die Firma selbst für das iPhone entwickelt hat.

Das aber ist nicht der Fall, wie Armijn Hemel vom GPL Violations Project herausgefunden hat. Er hat die Firmware des WIP300 auseinandergenommen und nach seiner Feststellung mit Cisco-Entwicklern Kontakt aufgenommen. In Gesprächen, so Hemel gegenüber PCWorld.com, konnte er sie zwar zur Offenlegung überzeugen – noch rücken sie jedoch nicht allen Code heraus.

Verstöße gegen die GPL sind gang und gäbe. Oft, weil Entwickler das Prinzip der Open-Source-Lizenz nicht verstanden haben, nichts davon wissen oder bewusst umgehen. Um diese Fälle aufzudecken, sucht das GPL Violation Projekt nach Missbrauch von Open-Source-Code. Ein Verstoß gegen die GPL kann dazu führen, dass ein Hersteller nachträglich Code offen legen muss bis hin zu Entschädigungszahlungen an die ursprünglichen Entwickler.

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