Netzwelt-Ticker Netzkonzerne drohen mit Internet-Streik

Das US-Antipiraterie-Gesetz Sopa ist heftig umstritten, Amazon will Apples strenges Bezahl-Management umgehen, und Update-Muffel bekommen von Firefox das Versprechen der Langsamkeit. Das und mehr im Nachrichten-Überblick.


Das geplante Gesetz zur Bekämpfung von Internet-Piraterie und Urheberrechtsverletzungen stößt auf heftigen Widerstand. Die von der Film- und Musikindustrie herbeigesehnte Vorschrift trifft bei Netz-Unternehmen auf wütende Gegenwehr. Der Nachrichten-Aggregator Reddit, hat angekündigt, sein vor allem von privaten Nutzern befülltes Angebot für einen Tag auszusetzen. Am 18. Januar sollen die Besucher der Webseite von 8 bis 18 Uhr US-Ostküstenzeit anstelle der gewohnten Nachrichtensammlung nur auf Informationen stoßen, die über das Copyright-Gesetz aufklären. Nicht nur Reddit droht mit einem Blackout: Auch Unternehmen wie Google, Facebook und Ebay denken dem Branchenverband NetCoalition zufolge über einen zeitlich begrenzten Web-Streik nach. Obwohl diesen Unternehmen natürlich ein solcher Hiatus empfindliche finanzielle Einbußen bringen würde.

Besonders umstritten ist ein Passus im Gesetzestext, der dem Justizministerium weitgehende Eingriffe ins Internet erlauben würde. Service-Provider müssten Netzinhalte überwachen und zensieren, auch Suchmaschinen und Web-Hoster würden in die Pflicht genommen. Ansonsten könnten sie belangt werden, wenn sie Verlinkungen zu inkriminierten Seiten nicht entfernen oder als Zahlungsdienstleister dazugehörige Dienste und Konten einfrieren. Auch die Webblog-Plattform Wordpress macht sich gegen das Vorhaben stark. Um Nutzer, die noch nie etwas von Sopa gehört haben, ins Bild zu setzen, veröffentlichte Wordpress ein dreiminütiges Erklärfilmchen, das den Wert des freien Internets gegen die Abschottung des Netzes aus kommerziellen Gründen stellt. Das ist ziemlich tendenziös, aber trotzdem informativ und leider nur auf Englisch verfügbar.

Zuwachs beim Antiklau-Programm UltraViolet

Ein Konsortium von mehr als 70 Unternehmen will dem breiten Online-Angebot der Raubkopien von Kinofilmen im Netz mit einer bequemen und legalen Alternative zum Herunterladen und Streaming Konkurrenz machen. Neben Filmstudios wie Warner Bros. und Paramount sind auch Streaming-Dienste wie Netflix und Lovefilm dabei. Nun stößt auch das Online-Kaufhaus Amazon zum Videodienst namens UltraViolet hinzu.

Das UltaViolet-System sieht vor, dass gekaufte DVD- oder Blu-Ray-Filme auch problemlos auf dem heimischen Rechner oder dem Smartphone angesehen werden können.

Was in der Theorie nicht schlecht klingt, hat immer noch mit immensen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Gerade mal 19 DVDs mit UltraViolet-Siegel seien derzeit im Angebot, so AP. Da ist die Nachricht vom Beitritt Amazons zum Konsortium höchst willkommen. Genauso wie eine Produktneuheit von Samsung. Der koreanische Elektronik-Hersteller stellte jetzt einen Blu-Ray-Player vor, der den UltraViolet-Vorgaben entsprechen soll.

Kindle Store für iPad umgeht Apples App Store

Um den Restriktionen und Zahlungsbedingungen zu entgehen, die Apple für seinen Online-Shop vorsieht, bot Amazon iPad-Nutzern schon seit längerem die Möglichkeit an, von seiner WebsSeite aus E-Books zu kaufen. Seitdem Apple für E-Book-Verkäufe, die über iPad-Apps von Drittanbietern abgewickelt wurden, die bekannte 30-prozentige Umsatzbeteiligung einkassierte, wurde dieser Weg interessant. Den haben die Verantwortlichen jetzt weiter ausgebaut, seit Dienstag soll ein speziell auf iPad-Nutzer zugeschnittener Kindle-Store das Angebot noch verbessern. Unter der Adresse amazon.com/iPadKindleStore können Interessenten Bücher im Kindle Cloud Reader kaufen und mit Hilfe der Kindle App auch lesen. Für Safari- und Chrome-Nutzer ist dabei seit August nicht einmal mehr die Installation eines Programms erforderlich. Der HTML5-basierte Cloud-Reader gewährt Online- und Offline-Zugang zum erworbenen Material. Firefox-Unterstützung kam später dazu. Eine wirklich neue Technik stecke hinter dem iPad-Angebot nicht, so das PCMag. Es gehe mehr darum, Apple eins auszuwischen.

Der Firefox für Update-Muffel

Alle sechs Wochen eine neue Version, das bringt so manchen Firefox-Nutzer ins Schwitzen, der über viele Jahre ein gemächlicheres Update-Tempo gewohnt war. Auch bei vielen Unternehmen sorgte die erhöhte Schlagzahl für Stirnrunzeln. Die Kritik wurde erhört, ab der kommenden, zehnten Version gibt es eine Alternativ-Fassung für Freunde der Langsamkeit. Spezielle "Extended Support Release (ESR)"-Ausgaben sollen Firefox 10 für mehrere Etappen durch Fixes und kleinere Updates aktuell halten. Während für Otto Normalnutzer weiterhin alle sechs Wochen ein Aktualisierungssprung vorgesehen ist, wird auf die ESR-Version 10 direkt Nr. 17 folgen, die Nutzer sollen dann mit dem Rest der Firefox-Welt wieder synchron sein. Die ESR-Updates sollen allerdings nicht automatisch ausgeliefert werden, darum müssen sich die betreffenden Nutzer selbst kümmern.

Auch das noch:

  • Verfassungsrichter sieht Grundrechte durch EU-Datenschutzverordnung in Gefahr. In der "Süddeutschen Zeitung" warnt Johannes Masing vor der EU-Harmonisierung der Datenschutzvorgaben. Diese würde die weitergehenden Richtlinien, wie vom Grundgesetz und der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts formuliert, nicht einbeziehen. 30 Jahre Rechtsprechung zum Datenschutz wären dann Makulatur, fürchtet Masing.
  • Leutheusser-Schnarrenberger gegen Massenabmahnungen. Die Justizministerin erklärte, offensichtlich würde die eigentlich vom Urheberrechtsgesetz vorgesehene Deckelung der Abmahnkosten auf 100 Euro in den meisten Fällen nicht greifen. Der Abmahnmissbrauch müsse weiter eingeschränkt werden, ein entsprechender Gesetzentwurf solle bis zum Sommer fertig sein. Erst jüngst hatte der Fall einer Rentnerin für Aufmerksamkeit gesorgt, die wegen vorgeblich illegaler Verbreitung eines Videos zur Zahlung von Abmahnkosten von 651,80 Euro verurteilt wurde, obwohl die pflegebedürftige Frau eigenen Angaben zufolge weder Computer noch W-Lan-Router besaß.
  • Microsoft wettet um 100 Dollar, dass Windows Phone schneller ist als jedes gegenwärtige Smartphone mit anderer Software. Die Aktion soll dem bislang weithin unbekannten mobilen Betriebssystem zu mehr Publicity verhelfen. Besucher der CES können ihr Glück am Microsoft-Stand versuchen.



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
altmannn 11.01.2012
1. Verfassungsgericht
Zitat von sysopDas US-Antipiraterie-Gesetz Sopa ist heftig umstritten, Amazon will*Apples strenges Bezahl-Management umgehen, und Update-Muffel bekommen von Firefox das Versprechen der Langsamkeit. Das und mehr im Nachrichten-Überblick. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,808459,00.html
na, vielleicht rettet das Verfassungsgericht ja diesmal die Lage, nachdem bei der "Eurorettung" die Traute fehlte.
alterknacker 16.01.2012
2. Ein Tag ohne Seiten
Ob Google, Facebook oder Wikipedia (Am 18.01.2012 ist der FIWUS aus Solidarität nicht erreichbar | Freies in Wort und Schrift (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2012/01/16/am-18-01-2012-ist-der-fiwus-aus-solidaritt-nicht-erreichbar/)), wichtige Seiten werden am 18.01.2012 nicht erreichbar sein und die etablierten Medien schlafen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.