Netzwelt-Ticker Netzkünstler narrt Facebook mit Website-Experiment

Netzkünstler haben eine Fake-Dating-Seite auf Basis von geklauten Facebook-Profilen erstellt - das Unternehmen lässt sich das nicht gefallen. Außerdem im Überblick: Nokia plant angeblich Windows-Kooperation, MySpace steht zum Verkauf, Sperrgesetz im UK wird überdacht und iPad-Prototyp gesichtet.

Zuckersüß: Medienkritische Kunstaktion stößt Facebook sauer auf

Zuckersüß: Medienkritische Kunstaktion stößt Facebook sauer auf

Von Carolin Neumann


Sie nennen es Kunst, Facebook echauffiert sich über Datenklau und kündigt Maßnahmen an: Für die Dating-Website LovelyFaces.com bedienten sich zwei Entwickler im weltgrößten Internetnetzwerk. Auf der Seite "Face to Facebook" beschreiben der Künstler Paolo Cirio und der Medienkritiker und Journalist Alessandro Ludovic, wie sie eine Million Profile aus dem Social Network auslasen und daraus ihre eigene Datenbank bauten.

Ein Video demonstriert das System, nach dem die Seite funktioniert. Dass der obskure Partner-Finde-Modus nur nach dem Äußeren geht, ist dabei völlig egal - möglicherweise sogar gerade der Knackpunkt. Die beiden nennen es ein soziales Experiment. Um die Anfälligkeit für Datenklau zu demonstrieren, den Nutzern zu zeigen, wie leichtsinnig sie mit ihren Informationen umgehen - und vermutlich auch, um dem Unternehmen seine Datengier vor Augen zu führen. Die ganze Sache wird aktuell auf dem Berliner Netzkunst-Event Transmediale gezeigt.

Auch der künstlerisch-medienkritische Ansatz trägt nicht dazu bei, dass Facebook die Sache mit Humor sähe. Die Informationen von Leuten zusammenzuklauben sei ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen, sagte ein Vertreter der Firma laut Wired.com. Soll heißen: Wer nach Daten von angemeldeten Usern lechzt, muss sich für gewöhnlich erst Erlaubnis einholen. Facebook will sein Geschäftsmodell schützen und untersucht den Fall deshalb, rechtliche Schritte nicht ausgeschlossen.

Eine ironische Note bekommt das Ganze, wenn man bedenkt, dass Facebook-CEO Mark Zuckerberg seine ersten Schritte mit einem ähnlichen Projekt tat: der viel zitierten Seite FaceMash, auf der Collegestudenten die Gesichter ihrer Kommilitonen bewerten konnten.

Steigt Nokia auf Windows um?

Nokia verspürt an der Börse gerade einen überraschenden Aufwind. Grund sind Gerüchte um eine anstehende Ankündigung von CEO Stephen Elop in der kommenden Woche. Der Manager kommt ursprünglich von Microsoft und könnte einem Bericht der "New York Times" zufolge bei seinem früheren Arbeitgeber Inspiration suchen, um die Marktführerschaft im Handy-Segment zu bewahren.

Dem Blatt zufolge könnte die große Neuigkeit eine Kooperation mit Microsoft sein. Verabschiedet sich Nokia von seinem hauseigenen Betriebssystem Symbian und setzt künftig auf die Phone-Software von Windows? Entsprechendes habe Anfang der Woche bereits ein Analyst in der "Financial Times" gefordert. Nokia verliert seit geraumer Zeit kräftig Marktanteile. Mit einer so mächtigen Kooperation hätte der Handy-Weltmarktführer womöglich eine Chance, auf dem Smartphone-Markt neben Telefonen mit den immer populäreren mobilen Betriebssystemen iOS und Android dauerhaft zu bestehen.

News Corp. gibt auf, will MySpace verkaufen

Das war wohl nichts mit dem geplanten Neuanfang: Die Musikplattform MySpace steht jetzt offiziell zum Verkauf, berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur AFP. Der Medienkonzern News Corp., der vor einigen Jahren tief in die Tasche gegriffen hatte, um den damaligen Hoffnungsträger zu erstehen, hatte zuletzt viel getrickst, um das Unternehmen noch zu retten. Unter anderem wurde MySpace neu ausgerichtet, im Rahmen einer Umstrukturierung sollen zudem die Hälfte der Mitarbeiter entlassen werden, die deutsche Zweigstelle wird komplett geschlossen. Zwar stehen noch immer andere Lösungsstrategien im Raum, Medienzar Rupert Murdoch hat aber offenbar die radikalste ins Auge gefasst: Den Verkauf. Musikpromotion scheint in Zeiten, in denen selbst die Zerschlagung von traditionsreichen Mayor Labels eine sehr konkrete Möglichkeit ist, kein echtes Erfolgsrezept.

Britisches Internetsperrgesetz wackelt

Die Netzregulierung in Großbritannien könnte sich verzögern. Kultusminister Jeremy Hunt lässt den geplanten Digital Economy Act doch noch einmal untersuchen, ein Gesetz, das unter anderem Internetsperren für illegales Filesharing vorsieht. In der Regierung sind nach massiver Kritik offenbar Bedenken laut geworden, dass Sperren von Websites in der geplanten Art und Weise könne technisch nicht möglich sein.

Deswegen soll jetzt die Regulierungsbehörde Ofcom, die an der Umsetzung des Gesetzes beteiligt ist, die Kritik prüfen. Vorher werde man nicht fortfahren, kündigte Premierminister Nick Clegg an. Britische Internet-Provider hatten bereits im Sommer gegen den Digital Economy Act geklagt, weil sie Millionenkosten für die Implementierung der entsprechenden Systeme wittern, ohne dass überhaupt sicher ist, ob diese funktionieren.

iPad-2-Prototyp gesichtet

Fata Morgana oder geschickte Produktplatzierung? Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters will bei der Vorstellung der iPad-Zeitung "The Daily" ein neues Modell von Apples Tablet-PC gesehen haben. Das neue Modell sei durch die integrierte Frontkamera als solches erkennbar gewesen - ein bisher nicht dagewesenes Feature der angekündigten zweiten Generation, für das es bereits einige Hinweise gegeben hat. Apple bestätigte die "Sichtung" zunächst nicht.

Auch das noch:

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insgesamt 4 Beiträge
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MrTea 04.02.2011
1. Nokia und Microsoft?
Bitte nicht! Ich mag Nokia eigentlich und ihr Problem ist seit Jahren das gleiche: Gute Hardware mit schlechtem System. Mit Symbian gewinnt man einfach keine Schlachten mehr und MeeGo ist wohl noch nicht weit genug und wird es zudem in dem gut besetzten Markt schwer haben. Also ist die Entscheidung nicht länger auf Symbian zu setzten komplett richtig. Aber dann mit WP7? Das macht doch überhaupt keinen Sinn? WP7 hat es doch selbst sehr schwer sich am Markt zu behaupten und das nicht ohne Grund (Voraussetzungen: 1GHz CPU, 512MB RAM, 8GB internen Speicher und dann kein Multitasking, kaum Apps und ohne Zune geht nichts). Wäre es da nicht wesentlich effektiver auf Android zusetzten. Ein System was sich bewährt hat und gut angenommen wird. Man stelle sich bspw. das Nokia N8 mit Android vor (gute 12Megapixel Kamera, HDMI-Anschluß, ... mit der Flexibilität von Android). Parallel könnte man dann, ähnlich wie Samsung mit Bada, günstigere Modelle mit MeeGo veröffentlichen und so das System (inkl. App-Shop) reifen und wachsen lassen. Aber gut, Microsoft hat sich teuer bei HTC und LG eingekauft, dass die auch noch WP7-Phones anbieten und wird das wohl auch bei Nokia gemacht haben. Allerdings befürchte ich für Nokia, dass sich dieser Schritt niemals rechnen wird ... sofern eher denn stimmt. Gruß
johndoe2 04.02.2011
2. Nokia mit MeeGo rockt das Haus!
Zitat von MrTeaBitte nicht! Ich mag Nokia eigentlich und ihr Problem ist seit Jahren das gleiche: Gute Hardware mit schlechtem System. Mit Symbian gewinnt man einfach keine Schlachten mehr und MeeGo ist wohl noch nicht weit genug und wird es zudem in dem gut besetzten Markt schwer haben. Also ist die Entscheidung nicht länger auf Symbian zu setzten komplett richtig. Aber dann mit WP7? Das macht doch überhaupt keinen Sinn? WP7 hat es doch selbst sehr schwer sich am Markt zu behaupten und das nicht ohne Grund (Voraussetzungen: 1GHz CPU, 512MB RAM, 8GB internen Speicher und dann kein Multitasking, kaum Apps und ohne Zune geht nichts). Wäre es da nicht wesentlich effektiver auf Android zusetzten. Ein System was sich bewährt hat und gut angenommen wird. Man stelle sich bspw. das Nokia N8 mit Android vor (gute 12Megapixel Kamera, HDMI-Anschluß, ... mit der Flexibilität von Android). Parallel könnte man dann, ähnlich wie Samsung mit Bada, günstigere Modelle mit MeeGo veröffentlichen und so das System (inkl. App-Shop) reifen und wachsen lassen. Aber gut, Microsoft hat sich teuer bei HTC und LG eingekauft, dass die auch noch WP7-Phones anbieten und wird das wohl auch bei Nokia gemacht haben. Allerdings befürchte ich für Nokia, dass sich dieser Schritt niemals rechnen wird ... sofern eher denn stimmt. Gruß
FULL ACK. Nokia ist doch blöd, wenn sie Win7-Mobile nehmen. Damit versauen sie sich ihre Produkte. MeeGo ist, nach meiner Meinug, der richtige Weg. So lange MeeGo nicht fertig ist, Andorid. Wenn Nokia wirklich zurück kommen möchte, müssen sie ihre Hardware mit eigenem System anbieten. Mit diesem Konzept hat Apple und Blackberry Erfolg. Nokia hat zudem Trolltech und damit Qt [1] gekauft. Qt ist ein sehr innovatives GUI-API mit dem ganze PC-Desktop-Systeme (KDE [2]) erstellt werden. Maemo5 [3] mit dem Nokia N900 war ein großer Erfolg. Alle Tester sind begeistert und MeeGo [4] ist schon sehr weit und hat mittlerweile einige Entwicklungspartner wie Intel und AMD. Alles abzubrechen und ein halbgares Win7-Mobile einsetzen wäre unbeschreiblich dämlich. Viel Investition und Innovation, eine begeisterte Community und kooperierende Partnerfirmen einfach wegwerfen? Für was? Ein kleines Börsenhoch? Das glaube nicht! [1] http://qt.nokia.com/ [2] http://www.kde.org/ [3] http://maemo.org/ [4] http://meego.com/ Grüße.
Heard 04.02.2011
3. Meego
In anderen Nachrichten: Nokia hat den Theme-Code zu Meego kurzzeitig geschlossen damit sie im Geheimen am Look&Feel arbeiten können, was von einer baldigen Veröffentlichung eines ersten Meego-Handys zeugen könnte. Was könnte dort also auch vorgestellt werden...? Quelle: http://arstechnica.com/open-source/news/2011/02/nokia-takes-its-meego-theme-code-offline-likely-preparing-custom-ui.ars
johndoe2 04.02.2011
4. Die MeeGo/Linux Distribution für Mobile Computer
Zitat von HeardIn anderen Nachrichten: Nokia hat den Theme-Code zu Meego kurzzeitig geschlossen damit sie im Geheimen am Look&Feel arbeiten können, was von einer baldigen Veröffentlichung eines ersten Meego-Handys zeugen könnte. Was könnte dort also auch vorgestellt werden...? Quelle: http://arstechnica.com/open-source/news/2011/02/nokia-takes-its-meego-theme-code-offline-likely-preparing-custom-ui.ars
Das Nokia N9 ist auch für Mitte Februar angekündigt. Es soll auf der Mobilfunkmesse MWC vorgestellt werden [1]. Da das N9 über einen Intel-Atom-Prozessor bin ich mal auf die Akkulaufzeiten gespannt. Schätze das N9, wird aufgrund der Ausstattung ähnlich teuer wie das N8 (mit Symbian). Andererseits kann das System mit leistungsstarker Hardware seine Stärken voll ausspielen. Ich finde es toll, wenn man jede erdenkliche Standard-PC-Hardware, wie ein Scanner, Drucker oder Keyboard einfach an das Smartphone angeschlossen werden kann und funktioniert. Nichts anderes sind diese Smartphones. Leistungsstarke Mini-PCs mit integriertem Bildschirm und Telefon. Daher sollte man auch das selbe damit machen können. Vielleicht benötigt man in wenigen Jahren keinen eigenen PC oder Laptop mehr um typische PC-Arbeiten auszuführen. Einfach das Handy an den HD-Fernseher und Bluetooth-Tastatur verbinden - fertig. Ich verspreche mir einiges von MeeGo/Linux. Wenn Nokia das MeeGo-System nicht zu sehr vom GNU-System abdriften lässt, kann auf einen gigantisches Softwarepool zugegriffen werden. [1] http://www.areamobile.de/news/17804-nokia-n9-nokia-stellt-top-modell-mit-atom-chip-und-meego-auf-mwc-vor Grüße.
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