Netzwelt-Ticker Neues Apple-System rechnet die Festplatten größer

Dank Apples neuem Betriebssystem Snow Leopard erscheinen alte Festplatten plötzlich größer - der Mac-Konzern hat den Standard umgestellt. Deutsche Parteien machen Murks beim Datenschutz im Netz, und Jamie Thomas will nicht 1,9 Millionen Dollar Strafe fürs Filesharing zahlen.


Wer die neuste Version des Apple-Betriebssystems OSX installiert, wird überrascht sein: Hatte er laut dem alten Betriebssystem eine 372 Gigabyte große Festplatte, behauptet das neue System, es seien 400 Gigabyte verbaut. Was stimmt denn nun?

Beides irgendwie. Selbst Mathegenies sind regelmäßig genervt, wenn die Angaben zur Festplattenkapazität ihres Computers und die Wirklichkeit sich scheinbar zu ihrem Nachteil unterscheiden. Ein 1000-GB-Datenspeicher hat dann plötzlich nur noch 932 GB. Der Grund: Normalmenschen rechnen Größensprünge in der Zahlenwelt auf der Basis von Zehnerpotenzen, Informatiker (und manche Software-Hersteller) benutzen das Dualsystem.

Ein Bit ist die Basis, null oder eins. Acht solcher Bits sind ein Byte. Und zwei hoch zehn solcher Bytes, also 1024, sind ein Kilobyte. So rechnen die Informatiker dann weiter: Zwei hoch 20 Bytes sind ein Mega-, zwei hoch 30 Bytes ein Gigabyte. Je größer die Zahlenwerte, umso größer auch die Differenzen, die ab einem Terabyte schon zehn Prozent erreichen. Mit dem lästigen Umrechnungschaos ist jetzt dank Apples neuem Betriebssystem Snow Leopard endlich Schluss.

Denn es berücksichtigt dieses der Doppelrechnerei geschuldete Wirrwarr und präsentiert seinem Besitzer Angaben in der ihm vertrauten Version in Zehnerpotenzen. Wer also 1000 GB gekauft hat, dem werden sie auch genauso angezeigt. Dabei werden auch bereits durch Formatierungen und sonst unsichtbare Systemdateien belegte Plattenbereiche mitgezählt.

Natürlich kann man die Umstellung des Systems auch anders bewerten: Hardware-Hersteller benutzen das Dezimalsystem gerne, weil der selbe Speicherplatz hier mit größeren Zahlenwerten beworben kann als im Binärsystem. Nun passt sich ein Betriebsystem diesem Marketing-Dogma an. Das gefällt nicht allen Apple-Kunden - Mike Szczys vom Blog "Hack a Day" zum Beispiel fragt rhetorisch: "Hat Apple nicht viel zu gewinnen, wenn die Angaben bei der ganzen Hardware, die sie verkaufen, nach mehr Speicherplatz klingen als vorhanden ist?"

Verwechslungsgefahr: Wer Gigabyte sagt, meint oft Gibibyte

Stufe Dezimal-
bezeichnung
Bytes Binär-
bezeichnung
Bytes Differenz (%)
1 Kilobyte
(kB)
1000 Kibibyte (KiB) 1024 2,40
2 Megabyte
(MB)
1000000 Mebibyte (KiB) 1048576 4,86
3 Gigabyte
(GB)
1000000000 Gibibyte
(GiB)
1073741824 7,37
4 Terabyte
(TB)
1000000
000000
Tebibyte
(TiB)
1099511
627776
9,95
5 Petabyte (PB) 1.00E+15 Pebibyte
(PiB)
112589990
6842624
12,59

Surfgewohnheiten: Haben Europäer ein besseres Leben als Amerikaner?

Die Experten des amerikanischen Datenanalysten Arbor Networks haben die Verkehrsdaten von 65 Internet-Providern aus Europa und den USA analysiert und sind auf einen interessanten Unterschied gestoßen. Während Europäer bald nach sieben Uhr abends den Rechner ausschalten, bleiben Amerikaner online, die Spitzenbelastung im US-Netz wird in der jeweiligen Zeitzone sogar erst gegen elf Uhr abends erreicht. Offensichtlich nutzen Europäer das Internet am Abend nicht im gleichen Maß wie Amerikaner zum Lesen, zur Unterhaltung oder zum Computerspielen. An der intensiveren Nutzung von Tauschbörsen liegt es nicht, diese Vermutung hat Arbor Networks in einer Folgeuntersuchung widerlegt. "Ars Technica" zitiert einen Kunden der Arbor-Analysten, der das Phänomen mit dieser gewagten Hypothese erklärt: "Europäer nutzen das Internet abends weniger, haben ein besseres Sozialleben, ernähren sich besser und haben ganz allgemein ein besseres Leben."

Twitter -Lecks: droht bald ein Wahlumfrageverbot?

Am vergangenen Wahlsonntag hatten frühzeitig durchgesickerte Zahlen aus den Wählerbefragungen bei den Wahlleitern für Irritationen gesorgt. Denn bekanntlich ist die frühzeitige Bekanntgabe solcher Prognosen vor dem Schließen der Wahllokale verboten, um nicht noch das Wahlverhalten und damit das Wahlergebnis zu beeinflussen. Als ob das für die Umfrageinstitute nicht schon ärgerlich genug wäre, droht ihnen nun auch noch die Ministerkeule. Die schwingt der bayerische Innenminister Joachim Hermann (CSU), wenn er gleich über das komplette Verbot von Wählerbefragungen an Wahltagen nachdenkt. "Eine verfrühte Veröffentlichung der Nachbefragungsergebnisse ist nicht akzeptabel. Die Meinungsforschungsinstitute sind dafür verantwortlich, dass diese Daten nicht vorab bekannt werden. Andernfalls müssen die Institute damit rechnen, dass solche Nachbefragungen überhaupt nicht mehr erlaubt werden", so der Politiker gegenüber dem "Münchner Merkur".

Google Mail mit Schluckauf

Google Mail, der E-Mail-Service des Suchmaschinisten Google, war gestern für die Dauer von zwei Stunden komplett vom Netz. Ursache waren normale Routinearbeiten an den Servern, die einer regelmäßigen Wartung unterzogen wurden. Dummerweise waren die restlichen Server mit der Menge des zu bewältigenden Datenverkehrs überfordert und gingen darum in die Knie. Davon waren vor allem die Request Router betroffen, also die Verteiler, die die Anfragen den einzelnen Servern zuleiten. Nachdem die Administratoren zwei Stunden angestrengt gebastelt hatten, bekamen sie das Problem wieder in den Griff. Dass unterm Strich nicht zu wenig Server-Kraft die Ursache des Aussetzers gewesen ist, sondern Konfigurationsprobleme, dürfte für die Verantwortlichen, die in letzter Zeit für ihren E-Mail-Dienst fleißig die Werbetrommel gerührt hatten, nur ein mittelschwerer Trost sein.

Tauschbörsen: Jamie Thomas geht gegen 1,9-Millionen-Dollar-Strafe vor

US-Gerichte neigen bei Verurteilungen zu drakonischen Strafen und astronomischen Bußgeldern. Das erfuhr auch die 32-jährige Jamie Thomas, eine alleinerziehende Mutter von vier Kindern. In einem Prozess hatte die Musiklobbyorganisation RIAA erreicht, dass die Frau wegen der Verteilung von 24 Songs zu einer Strafe von 1,9 Millionen Dollar verurteilt wurde. 80.000 Dollar für jeden einzelnen Titel, der im Laden 1,29 Dollar kosten würde, das sei reine Willkür, so die Frau. Sie fechtet das Urteil aus diesem Grunde nun auch an. "Auch ein auf gesetzlicher Grundlage ergangenes Willkürurteil bleibt ein Willkürurteil", so die Thomas-Anwälte in ihrer Eingabe. Möglicherweise hat sich die Musikindustrie zu früh über das für sie so positive Präzedenzurteil gefreut.

Parteien pfuschen angeblich beim Datenschutz

Alle reden vom Datenschutz, aber sie praktizieren ihn oft nicht. Das gilt besonders für die deutschen Parteien. Deren Gebaren im Umgang mit ihnen im Internet anvertrauten Daten hat sich das IT-Sicherheitsunternehmen Xamit Bewertungsgesellschaft einmal genauer angesehen und die Ergebnisse in einer Studie zusammengefasst. Kurz gesagt, sämtliche Parteien gehen mit dem Online-Datenschutz ziemlich schludrig um, obwohl ihre Politiker in Fensterreden nicht müde werden, ihren Einsatz ums datenmäßige Bürgerwohl zu betonen. Die Studie führt einige Beispiele der trüben bis womöglich gesetzeswidrigen Wirklichkeit auf (Pdf): "Die CSU hat für Online-Spender ausschließlich die Nutzung von PayPal vorgesehen. Eine Übermittlung und Datenverarbeitung in den USA ist damit inbegriffen. Die FDP verzichtet auf erweitere SSL-Zertifikate, d.h. ein Spender kann nicht sicher sein, dass die angezeigte Webseite authentisch ist. Die Linke überträgt sensible Finanzdaten wie Kontonummern bei Plakatspenden unverschlüsselt. Die SPD informiert ihre Spender nicht über den Empfänger der übermittelten Finanzdaten. Darüber hinaus wurden folgende Praktiken festgestellt: Betrieb von Webstatistiken ohne Datenschutzerklärung, Einsatz von Google Analytics in Widerspruch zum BDSG und TMG, Kontaktformulare ohne Datenschutzerklärung und fehlende Verfahrensverzeichnisse." Selbst unter Einberechnung des natürlich mit dieser Veröffentlichung von Xamit beabsichtigten Eigen-PR-Effektes wird eines klar: der von manchen Politikern beklagte "rechtsfreie Raum Internet" wird von den Parteien selbst mitgeschaffen.

Außerdem:

Verabschiedet sich Apple beim iPhone bald vom Exklusivvertrieb?

Nigeria bekämpft Nigeria-Connection

US-Medienkrise: Anzeigenumsätze fallen weiter rapide

Akkupflege mit Windows 7

Urteil: Qualcomms Minirechner darf nicht "Smartbook" heißen



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.