Netzwelt-Ticker: Olympia-Streaming, Flickr-Insekt, Angst vor Dotcoms Löschknopf
Heute im Netzwelt-Ticker: Die Olympischen Spiele machen Internet-Streaming populär; eine neue Insektenart wurde auf Flickr entdeckt und das FBI begründet einen massiven Polizeieinsatz mit der Angst vor einem Löschknopf.
Zehn spannende Wettbewerbe laufen gleichzeitig und im Fernsehen wird Synchronschwimmen übertragen? Was in früheren Jahren zur regelmäßigen und ärgerlichen Begleiterscheinung olympischer Sportberichterstattung gehörte, war bei den Spielen von London anders. Die TV-Sender überboten sich mit Internet-Livestreams. Anfangs ruckelten die ins Netz gestellten Übertragungen noch, doch nach einer Aufrüstung der Server kamen die Live-Bilder bald besser und flüssiger durchs Netz.
Das schlug sich in hohen Nutzerzahlen nieder. Der IT-Verband Bitkom verkündet auf Basis einer Umfrage, jeder vierte Deutsche habe sich die Wettkämpfe auch online angesehen. Ursache für diese Entwicklung sei neben der endlich ausreichend zur Verfügung stehenden Bandbreite die nutzerfreundliche Befreiung vom bisherigen festen Programmkorsett. Internet-TV sei mobil, zeitunabhängig und individuell, jubiliert der Branchenverband.
Die vor allem bei US-Sendern im Vorfeld der Spiele verbreiteten Befürchtungen, die alternativen Internetangebote würden ihnen TV-Zuschauer während der Primetime wegnehmen, hat sich als unbegründet herausgestellt. Tatsächlich konnte NBC, in den USA exklusiver Olympiasender, die höchsten Einschaltquoten während Olympischer Sommerspiele außerhalb Amerikas seit 1976 verzeichnen. 2004, bei den Spielen in Athen, hatten noch durchschnittlich 16 Prozent der Zuschauer eingeschaltet, bei den Spielen in Peking 2008 waren es neun Prozent. Jetzt, während der Olympischen Spiele in London, wollten 17,6 Prozent wissen, wer schneller, höher oder weiter kam.
Grund zur Freude gibt es auch für britische Schulkinder: Olympia-Ausstatter Acer will die während der Spiele verwendeten 16.400 Computer und Laptops an Schulen im Lande verteilen. Die Geräte werden von Datenmüll befreit, überarbeitet und für ein Sechstel des Ladenpreises abgegeben. Das sei aber immer noch zu viel, nörgelt "The Register". Der taiwanische Anbieter hätte eine Goldmedaille einheimsen können, würden die Geräte gratis überlassen.
Neue Insektenart auf Flickr-Foto identifiziert
Naturforscher auf Entdeckungsreise stellt man sich als Laie gemeinhin unterwegs in Dschungeln, Wüsten oder Bergen vor, seltener zu Hause vorm PC. Genau dort aber entdeckte der Insektenkundler Shaun Winterton eine neue Florfliegenart. Beim Stöbern im Foto-Angebot der Bilderplattform Flickr fiel ihm die Aufnahme eines Insekts mit bisher unbekannter Flügelzeichnung auf. Der Entomologe kontaktierte den Urheber des Bildes, einen Naturfotografen aus Malaysia. Der hatte das Motiv im heimischen Urwald geknipst und half Winterton bei seiner wissenschaftlichen Arbeit: Er fing ein Exemplar der bisher unbekannten Spezies und schickte es dem Forscher nach Kalifornien. Dort konnte Winterton nun die Neuigkeit in einer wissenschaftlichen Publikation vorstellen.
Mit Hubschraubern gegen die Angst vorm Löschknopf
Eine normale Verhaftung war das nicht, eher ein Angriff geradezu mit Luftlandetruppen, als die neuseeländische Polizei im Januar mit Hubschraubern und mehreren Fahrzeugen auf das Anwesen von Ex-Megaupload-Chef Kim Dotcom vordrang.
Grund für die Eile: Das FBI, das hinter der Aktion stand, befürchtete, Dotcom habe einen zentralen Knopf zum augenblicklichen Löschen aller belastenden Materialien. Das jedenfalls sagte der Einsatzleiter am 10. August während einer Anhörung zur Untersuchung der Razzia vor Neuseelands High Court aus. Das FBI habe ihm mitgeteilt, Dotcom besitze "ein Gerät, mit dem er Rechenzentren in aller Welt löschen" könne.
Gefunden wurde ein derartiges Gerät bei der anschließenden Durchsuchung des Dotcom-Anwesens freilich nicht. Dotcom selbst gab vor Gericht an, der massive Einsatz von Fahr- und Fluggeräten sei wohl kaum verhältnismäßig gewesen. Die fraglichen Server seien bereits durch das FBI vom Netz getrennt worden, bevor der Polizeieinsatz auf seinem Grundstück begann.
Unterdessen kündigte Dotcom auf Twitter ein neues Projekt an. Das Projekt sei "Größer. Besser. Schneller. 100 Prozent sicher. Unaufhaltsam. Versprochen."
Auch das noch:
- Facebook-Alternative hat genug Geld. Der 13. August ist da und das für Dalton Caldwells Projekt einer werbefreien Twitter-Alternative benötigte Geld auch. 38 Stunden vor Ende der gesetzten Frist verkündete der Initiator des kommenden Dienstes namens App.net: "Wir haben es geschafft". Im Topf sind 500.000 Dollar, die sollten für den Betrieb einstweilen ausreichen.
- Steuertricks könnten Google vor den britischen Parlamentsausschuss bringen. 395 Millionen Pfund Umsatz und nur sechs Millionen Pfund Steuerzahlungen? Das kann ja wohl nicht mit rechten Dingen zugehen, sagt der britische Parlamentarier John Mann, der für die Labour-Opposition im House of Commons sitzt. Der Politiker, der auch Mitglied im Finanzausschuss ist, kritisiert Googles Steuertricks als "völlig unangemessen und unmoralisch". Nun will er einen Google-Verantwortlichen vor den Ausschuss bringen, "realistischerweise irgendwann vor Ostern".
- Demonoid-Domains stehen zum Verkauf. Kaum lahmgelegt, können sich Interessenten nun um die Reste des BitTorrent-Trackers balgen, jede der Domains geht an den Meistbietenden.
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- Montag, 13.08.2012 – 13:11 Uhr
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- Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.

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