Netzwelt-Ticker Parteien wetteifern mit Internet-Schelte

Die großen Parteien entdecken den ach so gesetzlosen Sündenpfuhl Internet als prächtiges Wahlkampfthema. Außerdem: Google Voice könnte eine Hintertür aufs iPhone gefunden haben, britische Soldaten zwitschern im Namen Ihrer Majestät. Das und mehr im Überblick.

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Mit der Begründung, das iPhone würde die Funktionen von Googles Telefonprogramm Voice bereits beherrschen, bremste Unterhaltungselektroniker Apple jüngst die neueste Entwicklung des Suchmaschinisten aus. Tatsächlich dürfte der wahre Grund die Möglichkeit für Nutzer sein, Gespräche am jeweiligen Telefonanbieter vorbeizuführen und dabei auch noch Kosten zu sparen. Das hätte Apples exklusiven US-Vertriebspartner AT&T gar nicht glücklich gemacht, sodass es zur Aussperrung kam.

Das kam wiederum der US-Regulierungsbehörde FCC so spanisch vor, dass sie inzwischen Ermittlungen aufgenommen hat. Nun sickern aber erste Gerüchte über Pläne durch, mit denen Google den Blockierern bei Apple ein Schnippchen schlagen will. In seinem Technologie-Blog auf der "New York Times" erwähnt David Pogue entsprechende Vorhaben, Google Voice einfach über das Web anzubieten.

Dagegen wäre Apple völlig machtlos, außer es würde im iPhone den kompletten Zugang zu Google sperren - was die Nutzer wohl kaum klaglos hinnehmen würden. Was für die Web-Variante spricht: Im Fall der Geolokalisierung Latitude ist Google diesen Weg bereits gegangen.

"Golem" fügt dem noch an, dass es für den Nutzer einerlei sei, ob er Voice als App oder über eine Webseite angeboten bekommt, denn die entsprechenden Unterschiede würden auf dem iPhone ohnehin immer weniger ins Gewicht fallen. Ob der auf der Oberfläche abgelegte Button "den integrierten Browser Safari öffnet oder eine Anwendung, spielt kaum eine Rolle".

SPD-Expertin drängt auf schnellere Kinderporno-Sperren

Manuela Schwesig: Politik wie von der Leyen, aber mit Turbo?
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Manuela Schwesig: Politik wie von der Leyen, aber mit Turbo?

Das Thema ist auch innerhalb der SPD umstritten, aus Perspektive der Parteioberen allerdings durch: Mit der Zustimmung zu Ursula von der Leyens angeblich nur gegen Kinderpornografie gerichteten Netzsperren hat sich die SPD auf die Seite der CDU geschlagen. Für den Wahlkampf bleibt da kein Raum mehr für eine thematische Absetzung, immerhin aber für einen Wettbewerb in Sachen Populismus.

So tritt die sozialdemokratische Schatten-Familienministerin Manuela Schwesig natürlich nicht als Gegnerin des Netzsperrengesetzes auf. "Zensursula" von der Leyen will sie stattdessen unter Druck setzen, indem sie sie noch überbietet, respektive überholt: In der "Passauer Neuen Presse" scharrte Schwesig ungeduldig mit den Füßen und machte klar, was sie vom "Hin und Her" im Prozess der Verabschiedung des Gesetzes hält. Als eine Art Turbo-von-der-Leyen fordert sie eine schnellere Umsetzung: "Für diese Hängepartie habe ich nicht das geringste Verständnis. Das hält einen besseren Kinderschutz auf!"

Wähler, denen Netzpolitikthemen am Herzen liegen, dürften auch sonst wenig Anknüpfungspunkte bei den großen Parteien finden. In der "Rheinischen Post" warnte Kanzleramtschef Thomas de Maiziere (CDU) diffus, aber bedrohlich vor unsäglichen Gefahren und "Scheußlichkeiten (...), die jede Vorstellungskraft sprengen", wenn wir nicht bald "Verkehrsregeln" für das Internet einführen. De Maiziere glaubt offenbar, das Internet sei eine Art rechtsfreier Raum. Das Justizministerium hätte ihn da informieren können, dass dem nicht so ist: Es ist nur ein medialer Raum, in dem Recht hier und da gebrochen wird - und Straftaten mitunter nicht einfach zu bekämpfen sind.

Wie zum Beispiel Urheberrechtsverstöße. Besonders schutzbedürftig ist hier die Entertainment-Industrie, die von Otto Normalbürger täglich beklaut wird. Die SPD-Film-Expertin Angelika Krüger-Leißner hat sich laut "Winfuture" nun sehr positiv über die französischen Pläne zur Three-Strikes-Regelung geäußert, nach der ein dreimal erwischter Raubkopierer für einen längeren Zeitraum vom Internet abgeklemmt würde.

In Deutschland sei manches schwieriger als in anderen Ländern, die starken Grundrechte würden manchmal einfache, klare Lösungen verhindern, so die die Politikerin neidisch. Sehr bedauerlich ist das, denn die Rechteinhaber müssten grundsätzlich auf einen besseren und konsequenteren Schutz setzen können. Auch wenn die französischen Pläne im einzelnen nicht unproblematisch seien, lobte sie den festen Willen der Regierung in Paris, gegen Urheberrechtsverstöße von Tauschbörsennutzern vorzugehen.

Zu den verfassungsrechtlichen Bedenken, wenn aufgrund zivilrechtlicher Ansprüche ohne richterlichen Vorbehalt tief in die informationelle Selbstbestimmung von Menschen eingegriffen wird, äußerte sich die Expertin nicht. Wie man Einzelne vom Internet abklemmen soll, ohne gleich ganze Familien oder Wohngemeinschaften in Sippenhaft zu nehmen, hat man übrigens auch in Frankreich noch nicht herausgefunden.

Dell schickt 12-Zoll-Netbook in Rente

Vergangenes Jahr kamen die ersten 12-Zoll-Netbooks von Dell auf den Markt, nun beendet der Computerhersteller diese Geschichte und setzt das Inspiron Mini 12 aufs Altenteil.

Und nicht etwa, um wie andere Hersteller nur noch Geräte mit größeren Displays zu fertigen. Dell glaubt vielmehr an einen Trend zur Verkleinerung und schickt neben dem Inspiron 10 wieder das Inspiron Mini 9 ins Rennen. Man darf gespannt sein, ob die Firmenverantwortlichen da in die richtige Kristallkugel geblickt haben.

Britische Soldaten: Zwitschern im Namen Ihrer Majestät

In den USA werden Armeeangehörige immer strikteren Regeln und Verboten unterworfen, was die Nutzung von Social Networks angeht. In Großbritannien gehen die Verantwortlichen den umgekehrten Weg, die Soldaten Ihrer Majestät werden sogar ausdrücklich ermuntert, ihre alltäglichen Erlebnisse auch im Netz bei Facebook, Twitter & Co. auszubreiten - in Grenzen, versteht sich.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentliche jüngst Richtlinien zur Onlinenutzung. Natürlich fehlen nicht Hinweise, sich mit seinen Äußerungen nur auf nicht geheime Aspekte der Militärarbeit zu beschränken, da aber dann keine falsche Zurückhaltung zu üben, berichtet "Cnet". Unter all den Sicherheitshinweisen gibt es auch die Aufforderung: "Viel Spaß! Sie haben eine großartige Geschichte zu erzählen und Sie können sie am besten erzählen!"

Studie: Facebook-Nutzung macht eifersüchtig

Und dann war da noch die bahnbrechende Studie zum Verhalten moderner Netzbewohner. Die erstaunliche Erkenntnis: Surfen macht eifersüchtig. Vor allem den Partner und vor allem dann, wenn der geliebte Lebensgefährte sich allzu lang auf sozialen Netzwerken wie Facebook tummelt. Welch eine Neuigkeit. *Jede* PC-Nutzung macht Frauen eifersüchtig. Denn das ist Zeit, die der Mann mit einem Spielzeug verbringt statt mit seiner Frau.

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