Netzwelt-Ticker PC-Spielindustrie verschickt Massenabmahnungen

"Zahl oder lass dich verklagen" heißt das Spiel, das britische Computergame-Hersteller mit Tauschbörsennutzern spielen wollen. Außerdem im Überblick: Top-Level-Domains sollen in klingende Münze umgewandelt werden, Yahoo startet den Digg-Klon Buzz und vieles mehr.


In Großbritannien haben die weltweit größten Spielehersteller, darunter Atari, Topware Interactive und Reality Pump, insgesamt 25.000 Abmahnungen mit einer Zahlungsaufforderung über jeweils umgerechnet knapp 380 Euro an Tauschbörsennutzer verschickt. Diese hatten laut Darstellung der Hersteller Raubkopien ihrer Spiele in Tauschbörsen gesaugt. Wer sich weigert, muss dem Schreiben zufolge mit einer Strafanzeige und einem Gerichtsverfahren rechnen.

Kampagne gegen Raubkopierer: Die britische Musikindustrie versucht es jetzt mit Massenabmahnungen
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Und das kann zu einem noch teureren Spaß werden, wie zuletzt eine britische Datentauscherin feststellen musste. Die arbeitslose Mutter von zwei Kindern wurde wegen Urheberrechtsverstößen zu einer Strafe von 20.000 Euro verurteilt.

Im Visier der Spieleindustrie sollen zunächst die ersten 500 Tauschbörsennutzer sein, die die Abmahnung ignorieren. Schon in der Vergangenheit wurden immer wieder P2P-Fans juristisch belangt, aber in vergleichsweise geringem Umfang. An die 150 Personen wurden in den letzten zehn Jahren belangt. Der jetzige Schritt zur Massenabmahnung beruht auf der stark angewachsenen Gruppe von Besitzern illegalen Materials. Schätzungen gehen von sechs Millionen Menschen aus, die allein in Großbritannien verbotenerweise Spiele wie "Herr der Ringe" oder "Operation Flashpoint" tauschen.

Protest: Komponist plant Antragsflut bei Gema

Ein juristischer Overkill wie die britische Massenabmahnung gegen Tauschbörsennutzer ist nur auf Grundlage strikter Urheber- und Verwertungsrechte möglich. Hierzulande werden diese Rechte von der Gema verwaltet. Ein Komponist namens Johannes Kreidler nimmt die Verwertungsgesellschaft nun aufs Korn und deren Bestimmungen zum Anlass für einen umfangreichen Protest.

Im September will er ein Lied bei der Gema anmelden und dabei für jedes bei der Komposition verwendete Musikstück ordnungsgemäß ein eigenes Antragsformular einreichen. Allerdings hat Kreidler seinen 33-Sekunden-Song aus Tausenden Tonschnipseln zusammengesetzt. Mehr als 70.000 Songfragmente sollen es sein, für die der Künstler nun Anträge stellen muss.

Am 12. September will der Musiker sämtliche Formulare per Lkw zur Berliner Gema-Zentrale schaffen und damit zu Bewusstsein bringen, dass Bestimmungen unsinnig sind, die die Anmeldung "auch des kleinsten Fremdanteils am eigenen Werk" verlangen.

Icann plant Versteigerung neuer Top-Level-Domains

Nachdem vor zwei Monaten die Organisation zur Verwaltung der Domainnamen (Icann) eine ganze Reihe von neuen Endungen als Top-Level-Domains (TLD) zugelassen hat, geht sie jetzt noch einen Schritt weiter. Die in Kalifornien beheimatete Organisation will einige besonders gefragte TLDs meistbietend versteigern. Fraglos wird es eine Reihe von Bewerbern für einprägsame Endungen wie .sex oder .money geben, wobei die finanzstärksten Interessenten den Zuschlag bekommen sollen.

Allerdings ist fraglich, warum das von der amerikanischen Regierung kontrollierte gemeinnützige Unternehmen plötzlich unbedingt Gewinne produzieren will. Genauso unklar ist auch, was mit diesen Gewinnen eigentlich geschehen soll.

Yahoo startet Digg-Rivalen Buzz

Der Web-Dienst Digg bekommt Konkurrenz: Suchmaschinenbetreiber Yahoo startet dieser Tage sein Gegenangebot Buzz, bei dem Nutzer Schlagzeilen und Nachrichten bewerten können, die dann entsprechend sortiert werden. Je mehr Empfehlungen eine Nachricht erhält, umso höher erscheint der Link auf der Seite.

Nachdem das Projekt lange nur als geschlossene Veranstaltung mit 400 Nutzern getestet wurde, hat nun jeder Betreiber einer Website die Möglichkeit, einen Button bei sich einzubauen, der seine Besucher zu Buzz führt. Im Unterschied zu Digg leitet Buzz populäre Links auch auf die "normale" Yahoo-Startseite weiter, was zusätzlich enorme Leserzahlen bescheren kann. Umgekehrt wird sich diese Verlinkung auf den Pagerank der Yahoo-Suchmaschine auswirken, ein Angebot, dem sich Nachrichtenseiten kaum entziehen können, glaubt Cnet.

Gänzlich anders bewertet das Fachblog "Mashable" den Neuling. Der Unterschied beider Angebote liege auf der Hand: Yahoo Buzz sei ein Endverbraucherangebot für die breite Masse, mit dem ein zumindest lange Zeit eher an Technikthemen orientierter Service wie Digg gar nicht konkurrieren müsse.

Akku soll an iPod-Überhitzung schuld sein

Der Unterhaltungselektroniker Apple hat Berichte aus Japan bestätigt, nach denen es bei iPod-Nano-MP3-Playern der ersten Generation zu Überhitzung und Selbstentzündungen gekommen ist. Grund für das Malheur sei in allen drei bekannten Fällen ein defekter Lithium-Ionen-Akku gewesen.

Bereits im Frühjahr hatte das japanische Handelsministerium aufgrund der Vorfälle eine Untersuchung eingeleitet. Sämtliche schadhafte Geräte entstammen der Produktionsphase zwischen September 2005 und September 2006. Inzwischen hat sich Apple zu einem Austausch von Geräten bereiterklärt, deren Akku heißläuft.

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