Netzwelt-Ticker: PC-Trojaner befallen Raumstation

Von Richard Meusers

Auch Computer im Weltall können sich virtuellen Schnupfen holen, wie die Nasa jüngst erfahren musste. Mac-Kloner Psystar verklagt Apple und Muxtape ist nach einer Woche wieder da. Das und mehr im Überblick.

Nirgendwo ist man vor einer Infektion sicher, vor einer virtuellen nicht einmal im Weltraum. Die Erfahrung machte auch die Nasa mit einigen Laptops, die im Juli auf der Internationalen Raumstation ISS eingesetzt worden waren. Auf den Geräten fand sich ein Wurm, der eigentlich Login-Daten für Online-Games stiehlt.

Keine virenfreie Zone: Dass es in der abgestandenen Luft von Raumstationen von Pilzen und Erregern wimmelt, ist bekannt. Jetzt kommen auch noch PC-Viren hinzu
AFP

Keine virenfreie Zone: Dass es in der abgestandenen Luft von Raumstationen von Pilzen und Erregern wimmelt, ist bekannt. Jetzt kommen auch noch PC-Viren hinzu

Innerhalb der Station verbreitete sich der Schadcode zwischen den Klapprechnern entweder übers Intranet oder über USB-Sticks - wie er überhaupt an Bord kam, ist bislang ein Rätsel. Schließlich werde alles technische Material vor seinem Reiseantritt in Richtung All gründlich untersucht, so Nasa-Sprecher Kelly Humphries.

Er gab zu, dass eine derartige Infektion nicht das erste Mal vorläge, aber immerhin gebe es keine Gefahr für den Betrieb der Raumstation, schließlich seien nur Geräte betroffen, die für einige Experimente und den E-Mail-Verkehr zuständig gewesen seien.

Offensichtlich muss sich die Raumfahrt darauf einstellen, in Zukunft stets mit unerwünschten blinden Passagieren zu reisen. Also alles wie hier unten.

Mac-Kloner Psystar klagt zurück

Seit einiger Zeit sorgt Computerhersteller Psystar in der Mac-Gemeinde für Furore, weil das Unternehmen vergleichsweise preisgünstige Rechner mit Apples Betriebssystem Mac OS X unter die Leute bringt. Was Steve Jobs' Truppe gar nicht spaßig fand, schließlich besitzt Psystar keine Nutzungslizenzen.

Also klagte Apple wegen Urheberrechtsverletzung. Das wiederum wollen die Beklagten so nicht hinnehmen und beißen zurück - und zwar juristisch auf dem Wege der Gegenklage. Apple sei es doch, das sich wettbewerbsfeindlich aufführe, indem es seine Macs nur zusammen mit dem Betriebssystem aus eigenem Hause anbiete.

Das verstoße aber gegen amerikanische Kartellgesetze. Am heutigen Tag will Psystar eine entsprechend formulierte Klageschrift bei einem kalifornischen Gericht einreichen. Bis zu einem Urteil soll der Verkauf der geklonten Computer weitergehen, danach könnte dann Schluss sein. Denn die Chancen auf einen Sieg für Psystar schätzen Juristen als nicht besonders hoch ein.

Muxtape ist wieder da - als OpenTape

Auch zum Thema Musik gibt es Neuigkeiten in Sachen Urheberrechte und deren Verletzungen. Vergangene Woche wurde auf Betreiben des amerikanischen Musikindustrieverbandes RIAA die Website von Muxtape vom Netz genommen. Dort konnten Musikfans Stücke ihrer Wahl hochladen und zu Alben mit je zwölf Titeln zusammenstellen und diese dann via Streaming anhören - und auch herunterladen. Bloß besaßen weder die Fans noch Muxtape dafür die Lizenz.

Doch nur ein paar Tage später erlebt das Konzept seine Wiedergeburt. Kleiner und auf Open-Source-Basis trägt es den naheliegenden Namen OpenTape. Die Installation ist unkompliziert und schon nach ein paar Augenblicken kann der Nutzer Songs seiner Wahl hochladen. Bei Techcrunch begrüßt man das wiedererstandene Angebot, denn damit entstünden Tausende von Angriffszielen für die RIAA, die möglicherweise doch bemerken könnte, dass sie sich keinen Gefallen tue, wenn sie Musikfans, die die Grundlage auch für die RIAA-Existenz bilden, fortwährend mit Prozessen bekämpfe.

Nach Traffic-Bremse: Comcast hat einen Monat Erklärfrist

Vor einem Monat kam Comcast ins Gerede, weil der Provider einigen seiner Flatrate-Kunden heimlich den Internet-Zugang drosselte, wenn sie das Tauschprotokoll Bittorrent nutzten. Dafür fing sich das Unternehmen von der amerikanischen Regulierungsbehörde FCC eine saftige Rüge und die Aufforderung ein, die Beschränkungen sofort zu beenden.

Von weitergehenden Sanktionen sahen die Regulierer zunächst ab. Allerdings, so hieß es, verletze Comcast das Prinzip der Netzneutralität, wenn es grundlos nur bestimmte Protokolle ausbremse. Nun erhielt der Telko von der FCC die Aufforderung, binnen 30 Tagen die genauen Details des Sperrmanagements darzulegen. Außerdem sollen die Comcast-Verantwortlichen erklären, wie sie diese Praktiken bis zum Ende des Jahres abstellen wollen.

Vom Wert der 100 Millionen Facebook-User

Mark Zuckerberg klopft sich auf die Schulter und gratuliert sich zu 100 Millionen Facebook-Nutzern. In letzter Zeit konnte das Social Network ein schnelleres Wachstum an den Tag legen als die Konkurrenz von MySpace, die die 100-Mio-Grenze allerdings schon vor zwei Jahren geknackt hatte.

Trotzdem gibt es Grund zum Feiern, findet "Mashable", denn im Gegensatz zu MySpace sei Facebook nicht übertrieben schnell und hastig gewachsen, sondern habe sich langsamer und gesünder ausgebreitet. Was sich auch darin zeige, dass die Zuckerberg-Seite im Verhältnis wesentlich mehr aktive User habe als das karteileichengeplagte MySpace.

Firefox-2-Support: Schluss im Dezember

Altmodische Firefox-Fans, die immer noch mit einer älteren Browser-Version durchs Web surfen, sollen langsam an einen Umstieg auf die neueste Version denken. Im Dezember stellt Mozilla den Support für Firefox 2 ein, danach wird es keine Sicherheits-Updates mehr geben.

BBC pusht ihren iPlayer

Seit längerem stellt die britische BBC die Inhalte ihres Fernsehprogramms für eine Woche online, mittels des hauseigenen iPlayers können die Sendungen dann noch für sieben Tage angeschaut werden. Zu wenig Zeit, fanden die Nutzer, was die Senderverantwortlichen bewogen hat, die zeitliche Begrenzung aufzuheben.

Ab sofort sind sogar komplette Serienstaffeln via Internet erreichbar, mit dieser Maßnahme soll die Zahl der Zuschauer merklich gesteigert werden.

Das Google-Alphabet

Heute erweitert Google den Funktionsumfang seiner Suchmaschine, bereits beim Eintippen von Begriffen soll "Google Suggest" durch eine Autovervollständigung gängige Begriffe vorschlagen und so für Nutzer den Suchprozess vereinfachen. Passend dazu wurde jetzt auch das "Google-Alphabet" veröffentlicht, eine Spielerei, die zeigt, welchen Begriff der Suchalgorithmus mit den einzigen Buchstaben verbindet.

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