Netzwelt-Ticker Polizei sucht Löschknopf

Die Polizei der Niederlande würde unnötige oder widerrechtliche Telefonmitschnitte gerne löschen, weiß aber nicht, wie. Außerdem im Überblick: Geocities macht heute zu, das Weiße Haus stellt auf Open Source um und vieles mehr.

"Lauschergruppe": Das Abhören und Mitschneiden von Telefonaten ist Regeln unterworfen. In den Niederlanden hat die Polizei Probleme, die einzuhalten, obwohl sie eigentlich will
dpa

"Lauschergruppe": Das Abhören und Mitschneiden von Telefonaten ist Regeln unterworfen. In den Niederlanden hat die Polizei Probleme, die einzuhalten, obwohl sie eigentlich will


Überwachungsmaßnahmen gegen Kriminelle und Verdächtige gehören überall zum täglichen Brot der Polizei. Bei solchen Maßnahmen kommt es allerdings stets zu einem gewissen "Beifang" von Gesprächen, die entweder für den Fall irrelevant sind oder gar nicht hätten aufgezeichnet werden dürfen. Auch in den Niederlanden gibt es dafür klare gesetzliche Regelungen. Die sehen beispielsweise vor, dass Mitschnitte von Unterhaltungen zwischen Anwälten und ihren Mandanten gelöscht werden müssen. Und genau damit hat die niederländische Polizei seit Jahren ein Problem. Offensichtlich haben die zuständigen Stellen nicht den leisesten Schimmer, wie solche Aufzeichnungen zu tilgen sind.

Ans Tageslicht kam dieses Unvermögen durch eine E-Mail eines Polizeiexperten, der darauf hinwies, dass die technischen Details des Löschverfahrens von Verint, dem israelischen Lieferanten des von der Polizei genutzten Computersystems, als Geschäftsgeheimnis behandelt werden. Jetzt versucht die Polizei das Problem selbst zu lösen, hofft aber immer noch darauf, von Verint unterstützt zu werden.

In der Vergangenheit sind bereits mehrfach Strafverfahren geplatzt, weil Anwaltsgespräche widerrechtlich aufgezeichnet worden waren. Annelies Röttgering, Vorsitzende der niederländischen Vereinigung der Strafverteidiger, reagierte entsprechend sauer: "Es kann nicht sein, dass die Behörden den vertraulichen Kontakt zwischen Anwalt und Mandant nicht gewährleisten können."

Icann öffnet sich nichtlateinischen Internetadressen

Ab 2010 soll es erstmals Internetadressen ohne lateinische Buchstaben geben. Wie die Internetverwaltung Icann am Montag verkündete, soll am Freitag offiziell der seit langem gefällte entsprechende Beschluss unterzeichnet werden. Damit wäre es erstmals möglich, Internetadressen mit chinesischen, koreanischen, japanischen oder arabischen Schriftzeichen zu registrieren. Bisher gab es lediglich die Option, einzelne nichtlateinische Buchstaben in eine Adresse zu integrieren.

Icann-Chef Rod Beckstrom sagte vor Journalisten in Seoul, mehr als die Hälfte der 1,6 Milliarden Internetnutzer stammten aus Ländern, die keine lateinischen Schriftzeichen benutzten. Anträge auf Registrierung neuer Adressen sollen ab kommendem Monat entgegengenommen werden. Die ersten entsprechenden Adressen sollen Mitte 2010 freigeschaltet werden.

AFP

Tschüss, Geocities!

Das war's, heute ist es vorbei. Der Ur-Webhoster Geocities schließt die Pforten, wird von Yahoo heute abgeschaltet. Schon vor Wochen hatte Geocities seine Nutzer über sein bevorstehendes Ende informiert, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Daten zu sichern oder zu einem anderen Dienstleister umzuziehen. Damit endet die 15-jährige Geschichte des kostenlosen Webspace-Angebotes.

Vor allem in den Neunzigern war der Service sehr beliebt, weil Gratisangebote in diesem Bereich noch die Ausnahme waren. Gerade Netzanfänger stellten bei Geocities gerne ihre ersten, selbstgebastelten Web-Seiten ein. Als Yahoo den Webhoster 1999 übernahm, gab es dort über eine Million Nutzer mit eigenen Web-Seiten.

Doch mit dem Aufkommen der Social Networks und kostenloser Weblogs wurde Geocities, die Heimat der Homepage, schlicht überflüssig. Heute folgt nun also das Ende und es wird nicht nur einfach der Stecker gezogen: Das komplette Datenmaterial wird gelöscht, nichts bleibt zurück. Was zuvor nicht gesichert wurde, ist dann endgültig verloren.

One Laptop per Child: Künftig mit Handy statt Laptop lernen

Nicholas Negroponte geht mit seinem Projekt One Laptop per Child (OLPD) trotz vielfältiger Widerstände unverdrossen weiter voran. Bürokratischer Wirrwarr konnte ihn ebenso wenig ausbremsen wie die ausgebliebenen, eigentlich erhofften Massenbestellungen des Billigrechners für Schüler in der Dritten Welt.

Gar kein Problem, findet Computerexperte Alan Kay, wie "Futurezone" berichtet. Der ehemalige Hewlett-Packard-Mann arbeitet derzeit als Berater beim OLPC-Projekt. Eine langfristige Zukunft für Laptops als Lerncomputer sieht er nicht, die Geräte seien zu kompliziert, es mangele zur optimalen Nutzung vor allem an fachkundigen Lehrern, und das gelte selbst für die USA. Außerdem stehe vor der Nutzung immer noch der einmalige Kauf des Rechners.

Kay schwebt da eine Lösung vor, wie es sie schon längst für Handys gibt. Mobiltelefone werden heute zumeist mit langen Verträgen verkauft, so dass der eigentliche Gerätepreis beinah nicht mehr ins Gewicht fällt. Und Lerninhalte ließen sich ebenso gut auf einem iPhone oder einem Tablet-PC vermitteln.

Das Weiße Haus stellt auf Open Source um

Von außen ist alles beim Alten geblieben, aber die IT-Experten des Weißen Hauses haben mächtig gewerkelt und der offiziellen Web-Seite des US-Präsidenten ein neues Innenleben verpasst. Die Seite läuft jetzt auf der Basis von Open-Source-Software. Als Betriebssystem dient Red Hat Linux, die Inhalteverwaltung wird mit Drupal erledigt. Am Samstag erfolgte die Umstellung, der Medienchef des Weißen Hauses erklärte: "Das ist State-of-the-art-Technologie, und die Regierung ist daran beteiligt."

Eine wesentliche Rolle beim Umstieg haben Sicherheitserwägungen gespielt. Sicherheit sei bei offenen Programmen schon deshalb gewährleistet, weil bei ihrer Entwicklung jederzeit ein ganzes Heer von Experten jedes Detail auf mögliche Fehler überprüft. Damit hat sich das Obama-Team von einem weiteren Erbe aus der Zeit des Amtsvorgängers Bush verabschiedet.

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