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Netzwelt-Ticker: Polizeiarbeit statt Staatstrojaner

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Offensichtlich war der Anteil der Onlinedurchsuchung für die Festnahmen deutscher Islamisten geringer als angenommen. E-Plus macht seine Lobby-Arbeit jetzt selbst. Windows Update aktualisiert sich, auch wenn es ausgeschaltet ist. Das und mehr im Überblick.

Allenthalben herrscht große Freude über die Festnahme der drei islamistischen Terrorverdächtigen. Nicht nur der Innenminister sieht sich in seinen Forderungen nach Ausweitung der Befugnisse für die Onlinedurchsuchung bestätigt. Doch möglicherweise zu Unrecht.

Online-Durchsuchung: Doch nicht so wirkungsvoll wie behauptet?
DPA

Online-Durchsuchung: Doch nicht so wirkungsvoll wie behauptet?

Der US-Geheimdienstdirektor Mike McConnell hatte dieser Tage behauptet, erst das neue Abhörgesetz "Protect America Act", das den Behörden die Überwachung der Bürger ohne richterliche Verfügung erlaubt, habe in Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden den Fahndungserfolg ermöglicht. Doch nun gibt McConnell zu, bei diesen Äußerungen im Irrtum gewesen zu sein, wie "Newsweek" berichtet.

Bei einer Kongressanhörung erklärten mehrere Sicherheitsexperten übereinstimmend, das Abhörgesetz habe im vorliegenden Fall nur eine "kleine bis gar keine Rolle gespielt". Zum einen seien die Informationen bereits Monate vor Inkrafttreten des Gesetzes erbracht worden, zum anderen habe dazu vor allem "gute altmodische Polizeiarbeit" beigetragen.

Zumindest in den USA haben damit die Bestrebungen einen heftigen Dämpfer erhalten, den zunächst auf sechs Monate befristeten Protect America Act zu verlängern. In Deutschland lassen sich manche Verantwortliche von diesen Erkenntnissen nicht anfechten. Neben dem Innenminister befürworten auch Generalbundesanwältin Monika Harms und Bundeskanzlerin Merkel die verdeckte Onlinedurchsuchung.

E-Plus verlässt Bitkom

Zoff beim Branchenverband der Informations- und Kommunikationstechnologie, Bitkom. Wie die "Berliner Zeitung" zu berichten weiß, zieht sich der Mobilfunkanbieter E-Plus zum Jahresende aus dem Verband zurück. Grund sollen Unstimmigkeiten über die Art der Interessenvertretung sein, die auch die Lobbyarbeit für die Konkurrenz von Telekom und O2 mit umschließt. Aus dem Unternehmen sei die Einschätzung zu vernehmen gewesen, die sechsstellige Summe, die man bisher als Mitgliedsbeitrag aufgewendet habe, lasse sich besser einsetzen, zumal die Mobilfunker in Berlin direkt vor Ort seien und so einfacher Kontakte zur Regierung pflegen könnten.

Mit dem E-Plus-Austritt wird die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein grundsätzliches Problem des Bitkom gelenkt: die hohe Mitgliederfluktuation. Rund tausend Positionen umfasst die Mitgliederliste derzeit, nach Angaben von Bitkom-Geschäftsführer Bernd Rohleder seien in den ersten acht Monaten 113 Unternehmen dazugekommen. Zum Jahresende hoffe er, abzüglich der Austritte, auf 50 zusätzliche Partner im Verband. Stabilität sieht anders aus.

Chinesischer Student verklagt Microsoft

Die chinesische Informationspolitik ist allgemein von großer Sorge vor Opposition und Unruhen im Lande geprägt: Unliebsame Nachrichten und Themen unterliegen einer rigorosen Zensur, die missliebige Dissidenten ausspäht und des öfteren ins Gefängnis bringt. Daher entbehrt die Klage eines chinesischen Studenten, von der die Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, nicht einer gewissen Ironie.

Der Student Lu Feng machte dieselbe Erfahrung wie Millionen Windows-Nutzer vor ihm: Das Betriebssystem telefoniert gern nach Hause. Im vorliegenden Fall bei der Echtheitsüberprüfung (WGA), die nicht nur die Rechtmäßigkeit seiner XP-Lizenz bestätigte, sondern außerdem persönliche Informationen über ihn sammele, so Lu Feng.

Drum verklagte er Microsoft wegen Verletzung der Privatsphäre auf umgerechnet 130 Euro Schadenersatz. Darüberhinaus müsse sich der Konzern öffentlich entschuldigen und sämtliche über ihn vorhandenen Daten löschen. Ein Microsoft-Sprecher erklärte, man habe noch keine Gelegenheit gehabt, die Klageschrift zu studieren, man sei jedoch stets der Kontrolle der Kunden über ihre eigenen Daten verpflichtet.

Fair use ist Wachstumsmotor

Auch in den USA gibt einen Hightech-Verband, die Computer and Communications Industry Association (CCIA). Die hat nun eine Studie veröffentlicht, derzufolge die US-Wirtschaft aufgrund der Copyright-Lockerungen durch die "Fair use"-Bestimmungen im Jahr 2006 einen Umsatz von 4,5 Billionen Dollar erwirtschaftet hat.

Damit hätte dieses Marktsegment seit 2002 um 31 Prozent zugelegt und trüge mittlerweile ein Sechstel des amerikanischen Bruttoinlandprodukts. Außerdem übersteige die Menge des erwirtschaftete Kapitals die Summen, die sich direkt aufs Copyright stützen. Nach CCIA-Angaben wurde die Studie nach den Vorgaben der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) erstellt, was den Ergebnissen eine gewisse Relevanz zuweist.

Wie zu erwarten, haben sich sofort gegenlautenden Stimmen erhoben. Vor allem aus den Reihen der Copyright Alliance, der Interessenvertretung der Copyright-Industrie, tönt es laut. Die prägnanteste Kritik kommt jedoch vom Wirtschaftsautoren Nicholas Carr, der ganz grundsätzlich den Bereich der unter dem Titel "Fair use" erfassten Unternehmen in Zweifel zieht.

Die Studie "definiert 'Fair use'-Wirtschaft so weit, dass sie Unternehmen erfasst, die auch nur die geringste Berührung mit freier Nutzung von geschütztem Material haben". Ein Blick auf die Liste, in der die CCIA die unter "Fair use" arbeitenden Branchen auffasst, würde deren Absurdität veranschaulichen. Und in der Tat erstaunt es nicht wenig, auf besagter Liste selbst Drahtfabrikanten und Telekommunikationsunternehmen zu finden.

Windows Update deaktiviert? Wird trotzdem aktualisiert

Bisher hatte Microsoft seinen Kunden die Entscheidung überlassen, ob sie die Daten ihres Windows-Betriebssystems automatisch aktualisieren lassen wollten. Selbst wenn sie dem zugestimmt haben, informiert Windows Update den Nutzer stets über die nächste anstehende Programmaufrüstung. Doch nun scheint die Aktualisierung auch dann stattzufinden, wenn das Update zuvor ausdrücklich deaktiviert wurde.

Computerworld berichtet vom Herausgeber des "Windows Secrets"- Newsletters Scott Dunn, nach dessen Angaben das Windows Update mehrere Dateien verändert habe, ohne die ansonsten übliche Mitteilung oder Nachfrage zur Bestätigung vorzunehmen, und dies sogar bei abgeschaltetem Windows Update. Interessanterweise handelte es sich dabei um Dateien, die zum Windows Update selbst gehören. Die unfreiwilligen Veränderungen seien zwar ärgerlich, aber zumindest ungefährlich, beruhigte Dunn.

Aldi-Klapprechner mit Virus

Aldi gibt sich traditionsbewusst und liefert sein Aktions-Notebook mit einem Viren-Methusalem aus. Wie "Chip" meldet, befindet sich auf dem Medion-Klapprechner MD96290 ein Virus namens "Stoned.Angelina". Das Bootsektor-Schadprogramm hat historischen Charakter, stammt es doch aus dem Jahr 1994, als sich Viren noch vorzugsweise über Disketten verbreiteten. Schäden auf dem eigenen Computer seien nicht zu befürchten, da moderne Betriebssysteme ganz anders auf den Bootsektor zugreifen würden als vor 13 Jahren. Wer ganz sicher gehen will, kann sich von der Medion-Webseite ein Entfernungstool herunterladen.

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