Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Netzwelt-Ticker: Pornostar bloggt Cop aus dem Job

Von

Früher oder später kommt alles raus. Diese Lektion musste ein US-Polizist lernen, der einer Pornodarstellerin gegen Sex ihren Strafzettel erließ. Die berichtete ihr Erlebnis in einem Weblog. Das Resultat: Sie ist ein Star, er verliert seinen Job. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.

Barbie Cummings war gerade auf dem Weg nach Hause, irgendwo im US-Bundesstaat Tennessee. Es war spät in der Nacht, fast schon Morgen, als sie das Blaulicht im Rückspiegel sah – sie war zu schnell gefahren! Sofort hielt sie an, beantwortete alle Fragen der Polizisten und gab zu, illegale Arzneimittel mit sich zu führen. Die Mindeststrafe für diese Vergehen beträgt elf Monate. Davon sind 29 Tage im Gefängnis abzusitzen. Doch Barbie Cummings muss hin und wieder nach Kalifornien. Dort ist ihr Arbeitsplatz, denn Cummings ist Pornodarstellerin. Ein Fahrverbot über Bundesstaatsgrenzen hinweg käme bei ihr einem Berufsverbot gleich.

Barbie Cummings Weblog: Freizügig plaudert die Aktrice über ihren Handel mit einem Polizisten

Barbie Cummings Weblog: Freizügig plaudert die Aktrice über ihren Handel mit einem Polizisten

Sie erzählt also von ihrem Job als Pornodarstellerin, der Polizist zeigt sich interessiert – sehr interessiert. Gegen Oralsex sowie Bilder und Videos davon verspricht er die Geschwindigkeitsübertretung und die verbotenen Pillen zu vergessen. Cummings willigt ein. Der Polizist schickt ihr Tage später die Videos und Bilder, fragt nach, ob er seinen Kollegen von dem Vorfall erzählen dürfe. Eine ganz schlechte Idee. Nur wenig später wird er nach einer internen Beschwerde entlassen, weil er auf seinem Dienstrechner Pornoseiten angesehen habe, schreibt ABC News.

Doch das ist noch nicht das Ende. Cummings ausführlich gebloggte Offenbarungen ziehen ein großes Medieninteresse nach sich. Womöglich wird der Polizist nun auch wegen Gesetzesverstößen vor Gericht erscheinen müssen. Da könnte er auch wieder auf Cummings treffen – dort wird es nicht nur um das fragwürdige Stelldichein, sondern auch ganz banal um einen 180-Dollar-Strafzettel wegen Geschwindigkeitsübertretung gehen. Den zahlt Cummings aber wohl gerne – die ganze Geschichte brachte ihr mehr Aufmerksamkeit und Beachtung ein, als sie sonst je erreicht hätte.

Härtere Gangart gegen Allofmp3.com

In ihrem Kampf gegen den umstrittenen Musikshop Allofmp3.com legt die Musikindustrie eine härtere Gangart ein. In London wurde Anfang des Monats ein Mann festgenommen, der Gutscheine für die russische Website verkaufte. Der 25-Jährige bot – laut internationalem Plattenindustrieverband IFPI – im Auftrag von Allofmp3.com Gutscheine im Wert von zehn britischen Pfund über Ebay und eine eigens eingerichtete und jetzt offline-genommene Website an. Zehntausende Pfund habe Allofmp3 mit dem Gutscheinsystem eingenommen.

Die Festnahme war die erste ihrer Art im Vereinigten Königreich, die durch ein neues Gesetz gegen Onlinebetrug zustande kam. Für den Weltverband der Phonoindustrie ist dies ein "wichtiger Schritt zum Untergang der illegalen russischen Musik-Website". Nachdem große Kreditkarteninstitute ihre Zusammenarbeit mit Allofmp3.com aufgegeben haben, gebe es nun noch eine Bezahlmöglichkeit weniger.

Allofmp3 besteht immer noch darauf, legal unter russischem Recht zu agieren – eine Annahme, die zumindest ab dem 1. Juni nicht mehr haltbar ist. Bis dahin sollen die russischen Gesetze so geändert werden, dass die umstrittene Website auch in ihrem Heimatland illegal wird – nicht zuletzt, um Russland den Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO zu ermöglichen.

Anderswo geriet Allofmp3.com aber ebenso stark unter Beschuss: In Dänemark wurde die Seite von Internetprovidern gesperrt, in den USA verklagt und in Deutschland erließ das Landgericht München eine einstweilige Verfügung gegen die Betreiber.

54 Prozent der Deutschen nutzen das Web 2.0

Über die Hälfte der deutschen Internetnutzer besuchten im Februar 2007 Web-2.0-Websites, wie eine Sonderanalyse des Marktforschungsinstituts Nielsen/NetRatings zeigt. Web-2.0-Seiten sind damit fast so beliebt wie Finanzseiten (57 Prozent Reichweite) und gleichauf mit Reise-Webseiten (53 Prozent). Die Zahl der Nutzer (Unique Audience) auf Web-2.0-Seiten ist zwischen Februar 2006 und Februar 2007 um 32 Prozent auf 19,7 Millionen gestiegen. Die Zahl der Pageviews kletterte im selben Zeitraum sogar um 77 Prozent auf 2,1 Milliarden und die auf diesen Sites verbrachte Zeit stieg um 48 Prozent auf durchschnittlich 45 Minuten pro Monat, so eine Pressemeldung (.pdf-Format).

Dominiert in den USA MySpace den Communitybereich (34 Prozent) bekommt diese Seite in Deutschland gerade einmal 5 Prozent aller Besucher ab. YouTube ist mit 13 Prozent etwa halb so populär wie in Amerika. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia liegt allerdings mit einer Reichweite von 33 Prozent recht weit vor den USA (27 Prozent) und Großbritannien (25 Prozent).

Spider-Man 3: 31 Film-Filmer festgenommen

Spider-Man 3 hatte einen höchst erfolgreichen Filmstart. Am ersten Wochenende spielte er in den USA und Kanada über 110 Million Euro ein, weltweit waren es mehr als 280 Million Euro. Den Grund für das tolle Einspielergebnis wollen der amerikanische Filmverband MPAA und die Vereinigung der amerikanischen Kinobetreiber nun an der Festnahme von 31 Personen festmachen, denen vorgeworfen wird, Spider-Man 3 illegal mitgefilmt zu haben. Seit der Weltpremiere des Films, am 16 April in Tokio, so die Pressemitteilung der MPAA und der Kinobetreiber (.doc-Format), wurden Mitfilmversuche in 22 Kinos in Argentinien, Deutschland, Russland, Südafrika, Taiwan, Malaysia, dem Vereinigten Königreich sowie in neun amerikanischen Kinos unterbunden und die Kamerabesitzer festgenommen.

Ersttäter, darauf legen MPAA und die Kinobetreiber wert, können für dieses vergehen in den USA zu bis zu fünf Jahren Haft und 250.0000 US-Dollar Strafe verurteilt werden.

Jon Healey von der LA Times kommentiert das Vorgehen gegen die Film-Filmer nüchtern, bezweifelt aber einen großen Zusammenhang zwischen den Festnahmen und dem Erfolg von Spider-Man 3. An vielen anderen Stellen im Netz wird die Meldung über die Festnahmen jedoch kritisch bewertet. Die österreichischen Künstler von Monochrom gehen es pragmatisch an: Egal ob die Filmfirmen recht haben oder nicht, ihre Anti-Piraterie-Warnungen nerven und sind eine Beleidigung. Deswegen ruft Monochrom dazu auf, für ihre Instant Blitz Copy Fight-Galerie Bilder der Warnungen zu machen und einzuschicken.

Polizeieinsatz gegen polnische Untertitel

Polnische Polizeikräfte haben mehrere Administratoren und Übersetzer einer populären polnischen Website, die von Usern bereitgestellte Untertitel für Filme bereitstellt, festgenommen. Ihnen werden allem Anschein nach Urheberrechtsverletzungen nach polnischem Recht vorgeworfen – der Übersetzer eines Textes braucht dort laut Ars Technica die Einwilligung des Rechteinhabers. Inwieweit das für ein nicht-kommerzielles Projekt wie Napisy.org gilt, soll nun schon bald vor Gericht verhandelt werden.

Weitere Meldungen

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: