Netzwelt-Ticker Portale sollen für Bilderklau haften

Das OLG Hamburg nimmt kommerzielle Portalbetreiber für Urheberrechtsverletzungen durch ihre Nutzer in Haftung, Pirate-Bay-Torrents gibt's jetzt auch auf Facebook, und Computerhersteller Acer kassiert eine Klage wegen zu lahmer Notebooks. Das und mehr im Überblick.


Noch vor einer Woche hatte das Oberlandesgericht (OLG) Hamburg die Haftung von Forenbetreibern in Fällen von Urheberrechtsverletzungen eingeschränkt. Eine generelle Pflicht zur Vorabprüfung von geposteten Beiträgen bestehe nicht, entschieden die Richter. Heute stellt sich die Angelegenheit für Bilderportale schon wieder anders dar. In einem jetzt veröffentlichten Urteil vom Dezember 2008 (Az.: 5 U 224/06) entschied das OLG, dass zumindest kommerzielle Internet-Angebote für rechtswidrig hochgeladene Inhalt haften.

Richterspruch: Bilderportale sollen für Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer haften
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Richterspruch: Bilderportale sollen für Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer haften

Im konkreten Fall ging es um drei Fotos, die ohne Genehmigung oder Wissen des Fotografen auf ein Fotoportal hochgeladen worden waren. Damit würden unzulässigerweise Inhalte Dritter als eigene übernommen, so das Gericht. Insofern sei der Anbieter als beklagte Partei "Täterin einer Urheberrechtsverletzung", und diese Einstufung geht weit über bisherige Einschätzungen hinaus. Die sahen Internet-Anbieter nämlich lediglich als " Mitstörer für Urheberrechtsverletzungen an".

Nach diesem Urteil dürfte bei den Betreibern diverser Bilderdienste und Online-Foto-Communitys eine gewisse Hektik ausbrechen. Denn nun müssen sie wohl ihre riesigen Bilderbestände auf mögliche Urheberrechtsverletzungen hin flöhen. Nichtstun könnte teuer werden.

Pirate-Bay-Links auf Facebook

Während die Pirate-Bay-Gemeinde noch auf die Urteile im schwedischen Prozess gegen die Betreiber des Torrent-Trackers wartet, basteln die Verantwortlichen weiterhin an neuen Features. Jüngstes Ergebnis der nordischen Ideenwut: Ein Klick, und Facebook-Nutzer können ihre Lieblings-Torrents ihrem Profil hinzufügen und auf diese Weise mit ihren Freunden teilen. Wer eine so ausgestattete Facebook-Seite ansurft, muss nur den Torrent anklicken, und schon lädt er die entsprechende Datei herunter - einen passenden Torrent-Client vorausgesetzt. Neben der Verwendung von Anonymisierungsdiensten erfreut sich die Verlinkung von Torrents oder One-Click-Hostern in Social Networks steigender Beliebtheit.

Begreiflicherweise sind die Rechteinhaber und die Interessenverbände darüber gar nicht begeistert und bedrängen die jeweiligen Betreiber der Seiten, diese Links wieder zu entfernen. Zumindest, was die Torrents auf Facebook angeht, scheint bislang noch Ruhe zu herrschen. Peter Sunde von Pirate Bay weiß jedenfalls nichts über irgendwelche Beanstandungen wegen des neuen Features. "Soweit ich weiß, haben sich bisher noch keine Rechteinhaber beschwert".

Acer wegen lahmer Vista-Laptops verklagt

Als Microsoft Anfang 2007 voll Stolz sein neues Betriebssystem Windows Vista herausbrachte, hatte es im Vorhinein viel Hickhack darum gegeben, welche Computerhersteller ihre Geräte mit dem Vista-Logo schmücken dürfen. PC-Hersteller Acer, immerhin die Nummer drei in der Welt, wurde jetzt von zwei amerikanischen Kunden verklagt, Notebooks mit vorinstalliertem Vista, aber zu schwacher Leistung verkauft zu haben.

Für ein ordentlich laufendes Vista Home Premium würde ein Rechner mindestens ein Gigabyte Arbeitsspeicher und zusätzliche 128 Megabyte für den Grafikadapter benötigen. Die strittigen Geräte, Acer Aspire Notebooks, verfügten jedoch insgesamt nur über ein Gigabyte Arbeitsspeicher. Mit der Folge, dass die Klapprechner nicht nur äußerst langsam liefen, sondern ihre Besitzer außerdem durch Systemabstürze nerven würden. Die Klage gegen Acer ist nicht die erste, die wegen des "Vista capable"-Logos angestrengt wird. Auch Microsoft selbst wurde bereits per Sammelklage bezichtigt, die Anforderungen an Computerhersteller viel zu niedrig angesetzt zu haben.

Wie man die Internet-Sperre in 27 Sekunden umgeht

Familienministerin Ursula von der Leyen legt sich im Kampf gegen Kinderpornografie weiterhin mächtig ins Zeug. Wobei sie bei genauer Betrachtung nicht die kriminellen Täter verfolgt, sondern lediglich den Weg übers Internet zu ihnen erschweren will. Die geplanten Online-Sperren hält sie trotz Kritik nach wie vor für den Königsweg. Ungeachtet aller Einwände, dass die Maßnahmen nicht nur für wirklich kriminelle, an Kinderpornografie interessierte Zeitgenossen keine besonders hohen Hürden darstellten, beharrt sie darauf, höchstens "technisch versierte Internet-Nutzer werden immer Wege finden, die Sperren zu umgehen".

Wie einfach das in Wahrheit ist, demonstriert ein nicht einmal 30 Sekunden langer Clip auf YouTube. Internet-Surfer müssen lediglich in ihren erweiterten W-Lan-Einstellungen die IP-Adresse eines alternativen DNS-Servers einstellen, und regierungsamtliche Sperrlisten sind kein Problem mehr. Denn die DNS-Server sind die "Übersetzer", die ausgeschriebene Internet-Adressen in die für Computer lesbare Zahlenfolgen übertragen. Die aber werden von den Sperrlisten überhaupt nicht erfasst, was die angekündigten Zensurpläne erneut als Potemkinsche Dörfer der virtuellen Welt erweist.

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