Netzwelt-Ticker: Rumänische Polizei verhaftet mutmaßlichen Esa-Hacker

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Die britischen Marine und die europäische Weltraumorganisation gehörten zu seinen Opfern: Angeblich wurde der Hacker Tinkode nun verhaftet. Außerdem im Überblick: Eine neue Systemkamera von Pentax, und Pentagon-Techniker basteln am Kontaktlinsen-Display.

Kontrollzentrum der European Space Agency in Darmstadt: Hacker knackte ESA-Server Zur Großansicht
DDP

Kontrollzentrum der European Space Agency in Darmstadt: Hacker knackte ESA-Server

Unter dem Namen Tinkode machte ein Hacker, der nach eigenen Angaben in Rumänien lebte, High-Tech-Einrichtungen in aller Welt unsicher. Nun wurde der Mann tatsächlich von der Polizei im rumänischen Temeswar verhaftet, berichtet The Register unter Berufung auf rumänische Quellen.

Der 20-jährige Razvan C. wird für eine ganze Reihe zum Teil schwerwiegender Attacken verantwortlich gemacht. Im November 2010 hatte Tinkode die Website der britischen Marine gehackt. Bald darauf, im April 2011, wurde die europäische Weltraumorganisation Esa zum Ziel der Attacken. Der Angreifer veröffentlichte Passwörter und Datenbank-Details, die Esa nahm sämtliche FTP-Server vom Netz.

Weiterhin soll sich Tinkode Zugang zu den Rechnern der US-Weltraumagentur Nasa und des Pentagons verschafft haben, was in der Veröffentlichung vertraulichen Materials mündete. Die Anklageschrift führe nur einen Teil dieser Vorwürfe auf. Zur Festnahme hätten Ermittlungen geführt, die gemeinsam vom FBI und der Nasa vorgenommen worden seien. Das hinter den Attacken vermutete Motiv sei keineswegs ein betrügerisches Interesse aus Profitgier. Vielmehr liege die eigentliche Ursache im Streben nach Ruhm und Anerkennung sowie einer Mischung aus intellektueller Neugier und purem Übermut.

Pentax K-01, Ricoh A16: Noch mehr spiegellose Systemkameras

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Pentax

Nun auch noch Pentax: Der japanische Hersteller hat eine spiegellose Systemkamera vorgestellt. Das K-01 genannte Modell hat ein recht eigenwilliges, pummeliges Äußeres. Der Bildsensor ist so groß wie bei den meisten Spiegelreflexkameras (3,72 cm²), ein sensorbasierter Bildstabilisator ist eingebaut. Ein Vorteil ist das K-Bajonett der Kamera: Seit 1975 werden Objektive für diesen Standard gebaut, man kann also aus einem großen Fundus guter, gebrauchter und zum Teil günstiger Objektive wählen. Die Kamera soll in Deutschland im Paket mit einer sehr flachen Festbrennweite (0,92 Millimeter) 780 Euro kosten.

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Ricoh

Ricoh (seit kurzem Pentax-Besitzer) baut sein exotisches GXR-Kamerasystem aus. Bei diesen Fotoapparaten wechselt man statt der Objektive Module aus, die aus Bildsensor und Objektiv bestehen. Das neue Modul A16 kombiniert ein Zoomobjektiv mit einem großen Bildsensor (3,7 cm²). Die Brennweite (auf Kleinbildformat umgerechnet 24 bis 85) ist sehr flexibel - Weitwinkelaufnahmen von Landschaften sind damit ebenso möglich wie leichte Zoomaufnahmen. Bislang war eine Schwäche des GXR-System der langsame, gerade bei Dämmerung unzuverlässige Autofokus - ob das bei dem neuen Modul besser funktioniert, müssen Tests zeigen. Das Modul soll im März in Deutschland erhältlich sein und 470 Euro kosten. (lis)

Französisches Gericht verurteilt Google zu Strafzahlungen

Ein französisches Handelsgericht hat Google zur Zahlung von Schadensersatz und einer Geldstrafe wegen Wettbewerbsverzerrung durch seinen Online-Kartendienst Maps verurteilt. Google kündigte rechtliche Schritte gegen den Richterspruch. Das Urteil sieht eine Entschädigung von 500.000 Euro und ein Bußgeld von 15.000 Euro vor. Geklagt hatte der französische Konkurrent Bottin Cartographes. Die Firma wirft dem Konzern vor, kommerziellen Betreibern von Internetseiten seine Maps-Dienste kostenlos anzubieten und damit Wettbewerbsregeln zu verletzen. Bottin Cartographes bietet ähnliche Dienste gegen Gebühr an und verdächtigt Google, mit Gratisangeboten Kunden binden und von diesen später ebenfalls Geld verlangen zu wollen. (lis/AFP)

Microsoft versucht, Googles-Nutzer anzulocken

Google bekommt für die Änderungen der Datenschutzbestimmungen für sein Social Network Google+ weiter mehr Aufmerksamkeit, als manchen Verantwortlichen lieb sein dürfte. Jetzt ist es Microsoft, das die Verknüpfung der Nutzerdaten aller Google-Dienste aufs Korn nimmt. In einer großformatigen Zeitungsanzeige ätzen die Redmonder unter der Überschrift "Die Menschen an erste Stelle setzen" gegen die Änderungen: Sie "machen es für Google einfacher, die Punkte zwischen allem zu verbinden, was Sie suchen, senden sagen oder streamen, während Sie einen ihrer Dienste nutzen. Auf diese Weise wird es für Sie noch schwieriger, die Kontrolle über Ihre persönlichen Daten zu behalten". Überdies dienten diese Maßnahmen der noch stärkeren Kommerzialisierung dieser Informationen. All jenen, die davon abgeschreckt seien, dient sich Microsoft als sichere Alternative an.

Kein Wunder, dass Google ziemlich säuerlich auf diese Kampagne reagierte und im hauseigenen Blog eine Liste von vorgeblichen "Märchen und Wahrheiten" veröffentlichte. Darunter Feststellungen wie: "Unsere Kontrollen der Privatsphäre haben sich nicht geändert. Punkt." Oder: "Die große Mehrheit der Produkt-Personalisierungen, die Google vornimmt, stehen in keiner Verbindung zu Werbung, damit soll unser Angebot für die Nutzer verbessert werden". Der Suchmaschinen-Experte Danny Sullivan schätzt Googles Vereinheitlichung der Nutzerdaten zwar als PR-Alptraum ein. Allerdings habe Microsoft keinerlei Veranlassung, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Schließlich würde es mit seiner eigenen Suchmaschine Bing ebenfalls Nutzerdaten sammeln und mit personalisierten Suchergebnissen arbeiten. Und er schließt ab: "Es wäre kein Problem, irgendein Internet-Unternehmen herauszugreifen, über die Art der Daten zu reden, die es sammelt und anzufangen, die Leute paranoid zu machen."

Pentagon bastelt an Kontaktlinsen mit Augmented Reality

Die Darpa, die High-Tech-Bastelabteilung des Pentagon, werkelt derzeit an neuer Ausstattung für Soldaten. Die Kämpfer könnten in Zukunft zusätzliche Informationen durch Augmented Reality erhalten. Da es den Soldaten schwerlich möglich sein dürfte, die Infos im Getümmel eines Einsatzes von einem Handydisplay abzulesen, sollen sie durch spezielle Kontaktlinsen übermittelt werden. Sie enthalten kleine Farbdisplays, auf die digitale Bilder gesendet werden können. Ziel ist es, die Linsenträger die wirkliche Umgebung im Auge behalten und gleichzeitig zusätzliche Informationen bekommen zu lassen. Damit entfiele die Notwendigkeit für klobige Technik am Helm. Dabei ist die Linsen-Technologie Teil eines Programms zur "soldatenzentrierten Bildwiedergabe durch rechnergestützte Kameras" namens Scenicc. Hier werden verschiedene Bild- und Video-Technologien aufeinander abgestimmt, "um die Lücke in der Informationsvermittlung zu eliminieren, die sich auf der Ebene des einzelnen Soldaten auftut".

Auch das noch:

  • Online-Ausgabe des "Guardian" soll weiterhin gratis bleiben. Zeitungschef Andrew Miller hält trotz eines Verlusts von knapp 50 Millionen Euro im letzten Jahr an seiner "Digital first"-Strategie fest. Und die beinhaltet auch weiterhin den freien Zugang zum Online-Angebot des "Guardian". "Ich halte nichts von der Ansicht, der einzige Weg, um zu überleben, sei, uns einzuschließen und Bezahlschranken aufzurichten", wird Miller zitiert.
  • Foxconn geht wegen zu hoher Löhne auch nach Brasilien. Nach wie vor ist der taiwanische Elektronikhersteller ein wichtiger Arbeitgeber für viele Menschen auf dem chinesischen Festland. Doch auch dort steigen die Löhne und so sieht sich Foxconn nach anderen Produktionsstätten um. Bereits vor zehn Jahren tat das Unternehmen den ersten Schritt nach Brasilien, nun sollen dortige Produktionskapazitäten ausgebaut werden, meldet der Branchendienst "Digitimes". In Brasilien sollen künftig Smartphones und Tablet-Rechner gefertigt werden. Der Schritt nach Südamerika wurde angeblich durch eine 95-prozentige Steuerentlastung bis 2014 erleichtert, die von der brasilianischen Regierung zusichert wurde.
  • Zahlensalat: Google meldet, der Facebook-Konkurrenzdienst Google+ habe allein seit dem 19. Januar die Zahl der Mitglieder um 10 Prozent auf nun 100,8 Millionen gesteigert. Etwas rätselhaft wirkt ein anderer, wenn auch leichter Anstieg, nämlich der des Betriebssystem-Oldies Windows XP. Den stellt Net Applications für Januar 2012 fest. Allerdings sind diese Zahlen noch gewissermaßen ungeprüftes Rohmaterial, weil noch nicht von der internen Qualitätskontrolle bestätigt.
  • Und die Welt wird blau: Die Weltkarte der Social Networks zeigt, wer wo in den vergangenen Jahren Marktführer war.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. 0,92 mm Brennweite
herkurius 03.02.2012
Zitat von sysopDDPDie britischen Marine und die europäische Weltraumorganisation gehörten zu seinen Opfern: Angeblich wurde der Hacker Tinkode nun verhaftetet. Außerdem im Überblick: Eine neue Systemkamera von Pentax, und Pentagon-Techniker basteln am Kontaktlinsen-Display. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,812906,00.html
Was ist das für ein Unsinn, eine Brennweite von 0.92 mm bei einem Sensor von 3.7 Quadratzentimetern?! Oder sollte man heutigen Kameras Facettenaugen verpasst haben...?
2. Pentax
Loosa 03.02.2012
Zitat von herkuriusWas ist das für ein Unsinn, eine Brennweite von 0.92 mm bei einem Sensor von 3.7 Quadratzentimetern?! Oder sollte man heutigen Kameras Facettenaugen verpasst haben...?
Wohl leicht falsch übernommen. Und dann auch noch mit verrutschtem Komma. "The SMC Pentax-DA 40mm F2.8 XS lens designed specially for the K-01 is just 9.2 millimeters thick" Quelle (http://www.pentaxforums.com/news/pentax-k-01-officially-announced.html) Die Festbrennweite ist also 40mm. Die Linsendicke ist dabei nur 9,2 mm (also auch keine 0,92).
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