Netzwelt-Ticker: Schäuble gehackt

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Bundesinnenminister Schäuble macht, ohne es zu wissen, Werbung für den AK Vorratsdatenspeicherung. Google hilft beim Stromsparen. Fujitsu testet einen großen, bunten, aber auch teuren Kindle-Konkurrenten. Das und mehr im Überblick.

Wer hätte das gedacht? Innenminister Wolfgang Schäuble warb auf seiner persönlichen Web-Seite wolfgang-schaeuble.de für einen Besuch des AK Vorratsdatenspeicherung: "VISIT: Vorratsdatenspeicherung".

Nicht im Sinne des Betreibers: Für kurze Zeit machte die Web-Seite von Innenminister Wolfgang Schäuble Werbung für Gegner der Vorratsdatenspeicherung

Nicht im Sinne des Betreibers: Für kurze Zeit machte die Web-Seite von Innenminister Wolfgang Schäuble Werbung für Gegner der Vorratsdatenspeicherung

Zumindest vorübergehend prangte der Link gleich auf der ministeriellen Startseite. Natürlich nicht ganz freiwillig, denn hier hatten Hacker nachgeholfen, Schäuble neue Überzeugungen vertreten zu lassen. Sie nutzten eine hinlänglich bekannte Sicherheitslücke im Content-Management-System Typo3 aus, das auch für die Schäuble-Seite verwendet wird, und gönnten der Seite ein "Defacement" - eine optische Veränderung. Vor dieser Lücke hatten die Entwickler bereits seit einiger Zeit eindringlich gewarnt.

Nicht nur das ungehinderte Auslesen von Dateien aller Art wurde so ermöglicht, sondern auch der Zugang zu Passwörtern für die Datenbank und Installation. Offensichtlich erregte der Hinweis jedoch nicht die Aufmerksamkeit des Schäuble-Webmasters. Neben dem unübersehbaren Link zu Vorratsdatenspeicherung.de konnten sich die Hacker denn auch nicht den ironischen Rat verkneifen, ein Update für Typo3 vorzunehmen und gelegentlich die Passwörter zu wechseln.

Am heutigen Mittwochvormittag war die Seite nicht mehr erreichbar, sie wurde offensichtlich vom Netz genommen.

Ist Facebook 65 Millionen Dollar wert?

Fünf lange Jahre lagen Facebook und der Konkurrent ConnectU miteinander im Rechtsstreit. Es ging um den Vorwurf des ConnectU-Teams, ihr einstiges Mitglied Mark Zuckerberg habe ihr Geschäftsmodell gestohlen und sich anschließend mit Facebook zu Unrecht eine goldene Nase verdient. Das Verfahren schleppte sich zäh dahin, im vergangenen April dann gelang es den Beteiligten doch noch, eine außergerichtliche Einigung zu finden. Wie die genau aussah, wurde damals nicht bekannt.

Jetzt hat es jemand ausgeplaudert: Facebook zahlte 65 Millionen Dollar, teils cash, teils in Facebook-Aktien, um den lästigen Streit zu beenden. Eigentlich sollte dieser Deal streng geheim bleiben, aber ein ehemaliger ConnectU-Anwalt posaunte die Zahl jetzt heraus, auf seinem Kanzlei-Newsletter prangte gleich auf der ersten Seite der stolze Satz "65 Millionen Dollar im Vergleich mit Facebook GEWONNEN!". Jegliche Verschwiegenheitserklärung war damit natürlich obsolet. Facebook selbst wollte sich zu der Zahl nicht äußern.

Google als Stromsparschwein

"Sei nicht böse" ist Googles mitreißendes Firmenmotto. Gutes zu tun ist heute die Aufgabe des Non-Profit-Zweiges Google.org. Der investiert ordentlich in verschiedene, "grüne" Zukunftsprojekte wie Solarenergie oder Elektroautos. Neueste Förderidee ist das Stromsparen zu Hause. Mit der eigens entwickelten Web-Applikation Powermeter kann der Stromverbrauch jedes Haushaltes auch online überwacht werden. Natürlich nur, wenn ein sogenannter intelligenter Stromzähler vorhanden ist, der die entsprechenden Daten ins Netz schicken kann.

Die Teilnehmer des Projektes können auf einer Web-Seite den genauen Stromverbrauch ablesen, den einzelne Geräte wie Kühlschrank, Fernseher oder Computer haben. Gezielt ansteuern, also an- und abschalten, lassen sich die einzelnen Stromfresser noch nicht, aber schon mit der Information, was wieviel verbraucht, soll sich eine monatliche Ersparnis von bis zu 15 Prozent erreichen lassen.

Derzeit läuft das Projekt noch geschlossen im internen Betrieb nur für Google-Angestellte, aber die Initiatoren richten den Blick schon nach draußen. Nun komme es darauf an, Behörden, Gerätehersteller und Entwickler an einen Tisch zu bringen, um intelligente Stromzähler möglichst flächendeckend einsetzen zu können. Auf diese Weise könnten besser informierte Verbraucher ihren Strombedarf vernünftiger regeln, so Ed Lu vom Entwicklerteam im Googleblog.

Größer und bunter: Kindle-Konkurrenz von Fujitsu

Alle Welt beugt sich gerade über Amazons neues, zweites Elektrobuch Kindle und fragt sich, was es kann und wofür es gut ist. Doch wer glaubt, das Gerät sei trotz seines vergleichsweise kleinen Bildschirms, der außerdem nur Graustufen anzuzeigen vermag, ohne Konkurrenz, der irrt. Denn der japanische Unterhaltungselektroniker Fujitsu bastelt schon seit längerem an einem eigenen E-Reader namens FLEPia. Gemeinsam mit Mainichi Newspapers, einem der größten Zeitungshäuser Japans, wird derzeit ein superflaches Nachrichtenterminal getestet.

Das nur 12 mm dünne, dabei im Vergleich zum Kindle mit dem Format DIN A4 aber deutlich größere Gerät steht den Kunden eines Restaurants zur Verfügung, die damit ihre Wartezeit überbrücken können. Über W-Lan werden ständig Nachrichten aktualisiert, ein nahe gelegenes Einkaufszentrum speist Werbung ein und auch praktische Service-Infos wie der Eisenbahnfahrplan oder der Wetterbericht sind abrufbar. Das Modul zur Bildanzeige arbeitet dabei mit Farben. Der Testlauf soll an den Tag bringen, inwieweit Kunden bereit sind, ihre Zeitung elektronisch zu lesen.

Einen kleinen Schönheitsfehler hat das Lesegerät aus Fernost allerdings, und das ist sein Preis. Mit umgerechnet saftigen 725 Euro reißt FLEPia ein fast dreimal so tiefes Loch ins Portemonnaie wie der Kindle, der in den USA schon für umgerechnet 275 Euro zu haben ist.

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