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Netzwelt-Ticker: Schäuble macht YouTube-Karriere

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Wolfgang Schäuble ist Thema eines Videos, das bei YouTube zum Hit wurde - wohl kaum zur Freude der CDU. Außerdem: Tücken beim Umstieg auf Windows 7, Google stellt "Social Search" vor, Amazon-App erkennt Produkte, und ein italienischer Politiker will über 4000 YouTube-Kommentatoren verklagen.

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ddp

Designierter Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): "100.000 Mark in der Schublade"

Rob Savelberg, Berlin-Korrespondent der niederländischen Tageszeitung "De Telegraaf", hat auf der Pressekonferenz der Parteivorsitzenden der neuen Regierungskoalition eindrucksvoll bewiesen, dass auch Medienvertreter mitunter noch über ein funktionierendes Langzeitgedächtnis verfügen: Mit charmant niederländischem Akzent fragte er Kanzlerin Angela Merkel, wie sie auf die Idee komme, Wolfgang Schäuble sei für das Amt des Finanzministers qualifiziert, wo er doch einst vergessen habe, "dass er 100.000 Mark in der Schublade liegen hat".

Und zwar die 100.000 Mark Parteispende des Waffenhändlers Schreiber, an die sich Schäuble vor zehn Jahren auch in Befragungen nicht erinnern konnte: Die Amnesie kostete Schäuble die Ämter des Parteivorsitzenden und Fraktionschefs und leitete den Aufstieg Angela Merkels ein.

Die konnte über die kecke Frage - im Gegensatz zu manch anwesendem Pressevertreter - nicht lachen und bemühte sich, Savelberg schmallippig abtropfen zu lassen: Schäuble sei qualifiziert für sein neues Amt, "weil diese Person mein Vertrauen hat". Savelberg war diese wenig enthusiastische Bürgschaft nicht genug, er hakte nach, wie im Lehrbuch des Journalismus beschrieben - und avancierte damit bei YouTube zum Helden und Hit: Der Zähler des Videos stagniert seit einiger Zeit, so dass man nicht weiß, wie viele Menschen über die 262.948 erfassten hinaus sich das Video mittlerweile angesehen haben. Mehr als bei der ursprünglichen Ausstrahlung bei Phoenix könnten schon das durchaus sein.

Eine Antwort blieb Merkel dem Fragesteller, der inzwischen selbst zum Objekt der Berichterstattung wurde, letztlich schuldig. In einem in der "Welt" veröffentlichten Interview wird er gefragt, ob die Parteispendenaffäre "nicht längst Geschichte" sei. Savelbergs Antwort darauf erinnert noch einmal an die Wächterfunktion der Presse, der er mit nur einen einzigen Frage so gründlich gerecht wurde: "Der künftige Finanzminister ist für den Haushalt von 82 Millionen Deutschen verantwortlich. In der Spendenaffäre konnte er sich, dazu im deutschen Bundestag befragt, nicht direkt erinnern, von Karlheinz Schreiber eine Spende von 100.000 Mark erhalten zu haben. Er ist demnach nicht verlässlich. Schäuble ist keine saubere Person."

pat

Probleme beim Upgrade auf Windows 7

Zahlreiche Käufer des gerade veröffentlichten Microsoft-Betriebssystems Windows 7 stolperten beim Upgrade einer älteren Windows-Version über Kompatibilitätsprobleme. Weil man nicht direkt von einem 32-Bit-System auf ein 64-Bit-System aufrüsten kann, blieben vor allem Studierende, die das 30-Dollar-Studentenangebot wahrnahmen und ein 64 Bit Windows 7 kauften, noch vor der Installation stecken, eine Fehlermeldung bricht den Installationsprozess ab. Käufer einer Windows-7-DVD werden beim Rechnerstart immerhin gewarnt: Das Upgrade auf ein 64 Bit Windows 7 von einem 32 Bit XP oder Vista funktioniert nicht, ohne zuvor alle Daten zu löschen. Wer seine Dateien und Einstellungen ins neue Windows übernehmen möchte, muss zunächst ein Backup davon erstellen - zum Beispiel mit Hilfe der Migrationstools von Microsoft.

"Wenn Sie von Windows Vista 32-Bit auf Windows 7 64-Bit wechseln wollen, oder wenn Sie Windows XP betreiben, müssen sie eine 'benutzerdefinierte' oder Neuinstallation vornehmen, indem Sie den Rechner von der Windows 7 64 Bit DVD booten," schrieb ein Microsoft-Mitarbeiter in einem Support-Forum zur 32/64-Bit-Fehlermeldung. "We are unable to create or save new files in the folder in which this application was downloaded." Dort werden jetzt auch weitere Tipps zur Installation und zur Datenmigration ausgetauscht.

Google stellte "Social Search" vor

Google betreibt ein wenig angewandte Netzwerk-Theorie und stellt das vielversprechende "Social Search" zur allgemeinen Betrachtung in den Google Labs aus. Social Search ist eine Erweiterung der normalen Google-Suche. Es fügt den Suchergebnissen ein Feld hinzu, in dem Webfunde angezeigt werden, die für den Sucher besonders relevant sein müssten, da sie direkt mit seinem sozialen Netzwerk zusammenhängen.

So wird ein kleines privates Blog eines Freundes kaum in einer traditionellen Google-Suche auftauchen - mit aktivierter Social-Search-Funktion aber werden passende Einträge aus diesem Blog prominent angezeigt, erklärt ein Google-Video.

Social Search ist nichts Neues, es gibt einige Anbieter, die mit Ähnlichem experimentieren - und auch viele Nutzer machen sich das Prinzip unbewusst zunutze, wenn sie unter ihren Facebook-Freunden einen Link, Artikel oder ein Video suchen.

Spannend - und kritisch - wird Social Search, wenn man in so viele soziale Netzwerke Einblick hat wie Google. Zwar rekonstruiert Googles Social Search diese Netzwerke nur aus den Verknüpfungen der öffentlichen Nutzerprofile - wer kein öffentliches Google-Profil hat (oder dort keinen anderen Kontakt verknüpft), sieht auch keine sozialen Suchergebnisse - richtig mächtig und bedenklich wäre das System jedoch, wenn Google aus dem Surfverhalten komplexe Netzwerke ableiten könnte. Dann lieferte die Suchmaschine nur noch passgenaue Suchantworten.

Datenschutzbedenken dürften einer echten sozialen Suche zunächst im Wege stehen. Trotzdem gilt mit Social Search heute noch mehr, was das Googlesystem-Blog bereits im Dezember 2007 schrieb: Ohne Google-Profil wird's künftig schwer, mit Google zu surfen.

Amazon bietet Softwaredienste in der Wolke an

Amazon steigt tiefer ins Geschäft der ins Internet ausgelagerten Softwaredienste (SaaS, Software as a Service) ein und bietet künftig eine Relationale Datenbank im Cloud-Rechenzentrum zur Miete an: Amazon RDS. Damit kann jeder - gegen eine Abogebühr - solch eine Datenbank beinahe beliebiger Größe errichten, für die eigenen Belange betreiben und bei Bedarf günstig erweitern.

Da Amazons Service im Grunde eine MySQL-Datenbank ist, erhofft sich das Unternehmen, dass viele Web-Entwickler ihre bereits existierenden Datenbanken einfach so in die Wolke auslagern.

iPhone App erkennt Produkte

Nochmal Amazon: Das Unternehmen will die zahlreichen "Das will ich auch haben"-Momente finanziell ausschlachten und hat ein wahrlich wunderliches Programm für das iPhone veröffentlicht. Mit dessen Hilfe kann man reale Produkte fotografieren und in die Amazon-Merkliste eintragen. Dann beginnt etwas unheimliches: Amazon analysiert das Foto, versucht das Motiv zu erkennen und bietet passende Amazon-Produkte zum Kauf an. Schick.

Supercomputer im Desktop-Format

Asustek Computer hat am Montag einen Supercomputer in Desktop-Größe vorgestellt. Der ESC 1000 zapft einen superschnellen nVida-Grafikprozessor zur Unterstützung an, erreicht damit 1,1 Teraflops Rechenleistung. Das ist mehr als eine Billion Rechenoperationen pro Sekunde. Zum Vergleich: Der aktuell schnellste Supercomputer leistet 1 Petaflop (1000 Teraflops), ein schneller Bürorechner schafft knapp unter 10 Gigaflops, ein Tausendstel Teraflop.

Was tun mit so viel Rechenleistung, wenn man nicht gerade an neuen Klimamodellen, virtuellen Atombombentests oder einer neuen Lösung des Drei-Körper-Problems arbeitet? Goodgearguide schlägt Forschung, Bildbearbeitung, technische Modellierung oder medizinische Anwendungen vor - und ignoriert damit das fabelhafte Anwendungsfeld der Modellierung der offenbar unmöglichen korrekten Addition von einfachen Zahlen im Umfeld eines Restauranttisches.

Google sondiert angeblich Mobilfunk-Einstieg in Indien

Google will einem Medienbericht zufolge in den Mobilfunkmarkt in Indien einsteigen. Der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber erwäge, eine Breitband-Mobilfunklizenz zu erwerben, berichtete die indische Wirtschaftszeitung "Business Standard" am Dienstag. Das Blatt berief sich dabei auf nicht näher genannte Personen aus der Telekom-Industrie. Demnach will der Internet-Riese bei der Versteigerung von Wimax-Lizenzen mitbieten. Als Alternative könne Google als Technikpartner eines Mobilfunkanbieters auftreten, hieß es.

Das indische Telekommunikations-Ministerium versteigert Frequenzen für Mobilfunk der dritten Generation sowie Breitbank-Mobilfunk. Google hatte vor einigen Jahren bereits in den USA für eine Frequenz- Lizenz mitgeboten. Ein Sprecher von Google India wollte die Pläne der Zeitung gegenüber nicht kommentieren.

dpa

Italienischer Politiker will über 4000 YouTube-Kommentatoren verklagen

Ein italienischer Ex-Politiker will über 4000 YouTube-Nutzer wegen Verleumdung vor Gericht zerren: Sie alle haben einen auf der Videoplattform veröffentlichten TV-Mitschnitt von 1991 kommentiert, in dem sich der wegen Korruption und Mafia-Verstrickungen belastete italienische Ex-Politiker Salvatore "Toto" Cuffara lautstark und unter Pfiffen aus dem Publikum zu Wort meldet. Die italienische Partei der Anti-Korruptionsbewegung Italia dei Valori ruft die 4609 möglicherweise betroffenen Kommentatoren des Videos auf, sich juristische Unterstützung bei Italia die Valori zu holen: "We will defend you all from Cuffaro," wir werden euch alle vor Cuffaro schützen.

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Zum Autor
Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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Windows 7: Das bessere Vista

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