Netzwelt-Ticker Schweizer Polizei googelt ein Hanffeld

Zwei Verwarnungen, dann will ein irischer Provider illegale Filesharer aus dem Netz werfen. Bürgerrechtler sind empört. Außerdem im Überblick: Vox lernt etwas über die Blogosphäre, es gibt Beweise fürs neue iPhone und schweizer Polizisten stoßen in Google Earth auf ein Hanffeld.


Vox drohte Blogger

Mario Göttsche, Betreiber des Heimwerkerblogs "Heimwerker Tipps" bekam am Donnerstag einen Brief, verschickt im Auftrag des Privatsenders Vox. Das Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, enthält unter anderem diese Passage: "Sie beziehen sich in einigen Beiträgen auf ihrer Seite 'heimwerker-tipps.net' auf die Vox-Sendung Wohnen nach Wunsch. Wir fordern sie auf, diese Einträge sowie sämtliche Hinweise auf Vox zu löschen, da sie nicht durch uns autorisiert sind."

Obwohl er in dem Brief als "Frau Göttsche" angesprochen wurde kam der Blogger der Aufforderung nach, zitierte in einem Update des beanstandeten Beitrages aber aus dem Brief. Blitzschnell machte die Geschichte über weitere Blogs und Twitter die Runde, mit Zeilen wie "Blogger dürfen über Vox nicht berichten!" - ein PR-Gau. Wollte da ein Fernsehsender die Meinungsfreiheit einschränken?

Der Eintrag, der das Ganze auslöste, ist Jahre alt - er stammt aus dem November 2005, als die Sendung "Wohnen nach Wunsch" noch lief, sie ist längst abgesetzt. Das war der Vox-Pressereferentin Sonja Harnisch zufolge auch der Grund für das Schreiben - man habe verhindern wollen, dass sich aufgrund des Eintrages mit Bewerbungstipps weiterhin Menschen für die Sendung anmeldeten. Ein klarer Fall von inter-medialem Missverständnis. "Natürlich freuen wir uns, wenn Blogger über unsere Sendungen schreiben", betont Harnsich jetzt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Man hat bei Vox nun offenbar verstanden, dass das harsch formulierte, mit juristischen Konsequenzen drohende Schreiben der falsche Weg war, dass gerade Blogger auf echte oder vermeintliche Redeverbote höchst allergisch reagieren - und im Zweifel blitzschnell eine Gegenöffentlichkeit mobilisieren können. In einem Telefonat haben sich Sender und Blogger nun aber miteinander geeinigt.

cis

Schweizer Polizei deckt Drogenhandel mit Google Earth auf

Marihuanapflanzen (Archivbild): Feld vom Orbit aus entdeckt
REUTERS

Marihuanapflanzen (Archivbild): Feld vom Orbit aus entdeckt

Der Schweizer Polizei ist ein Schlag gegen organisierte Marihuanabauern und -händler gelungen. Ein Zufallstreffer per Mausklick bescherte den Beamten ungeahnten Erfolg, so die "Netzeitung". Insgesamt wurden 16 Personen eines Drogendealer-Rings festgenommen, denen der Handel mit Drogen mit Schwarzmarktwert von bis zu 40 Millionen Franken (rund 27 Millionen Euro) vorgeworfen wird. Die Polizei beschlagnahmte 1,1 Tonnen Marihuana. Zwei Thurgauer Bauern sollen auf einem eigenen Feld insgesamt wohl drei Tonnen angebaut haben. Die Polizei entdeckte das Feld in Google Earth oder Google Maps, als sie den Sitz der Bauern mit Hilfe des Satellitenbild-Globus ausfindig machen wollten. Das Drogenfeld war zumindest vom Orbit aus gut sichtbar - 150 Meter lang und 50 Meter breit, schlecht versteckt in einem Maisfeld.

Hacker finden Hinweise auf neues iPhone

Apple-Hacker haben in der neuen iPhone-Firmware 2.2.1 Hinweise auf ein neues Apple-Telefon gefunden. Das Problem: Es sind wirklich nur Hinweise, der Code "iPhone 2.1" benennt wohl ein neues iPhone, - und das war's. Wenn da nicht die Marktforscher Pinch Media wären, die diesen iPhone-Code auch aus ihren Server-Statistiken fischten. Das heißt: Irgendjemand mit einem iPhone-2.1-Prototyp surft tatsächlich im Internet, besuchte eine Website die ihre Besucher mit dem "Pinch Analytics"-Tool beobachtet. Dieser Prototyp wurde zum ersten Mal im Oktober 2008 gesichtet, seitdem tauchen wohl auch andere Testhandys immer mal wieder auf, verraten hin und wieder sogar ihren Standort. Irgendwo in der südlichen San Francisco Bay Area surft jemand mit dem geheimen Apple-Gerät. Ob das allerdings einer der neuen Riesen-iPods ist, den sich Apple-Jünger schon seit geraumer Zeit herbeiwünschen? Wenigstens in einem Punkt sind sich Fans und Analysten laut Wired.com einig: Beim nächsten iPhone, beim nächsten iPod wird Apple besonderes Augenmerk auf Videospiele legen.

"Gears of War" & DRM: Computerspiel mit Haltbarkeitsdatum

Über Sinn und Unsinn von digitalen Kopierschutzsystemen lässt sich trefflich streiten. Nicht aber im Falle von "Gears of War", dem brutal-tristen Shooter von Epic Games (in Deutschland nicht erhältlich). Laut Arstechnica-Blog sammeln sich in den Epic-Foren Beschwerden über ein unerwartetes Spielende am 28. Januar 2009. Da nämlich gab das Spiel einfach seinen Geist auf, wohl weil dann ein digitales Zertifikat abgelaufen ist. Ohne gültiges Zertifikat kein Ballerspaß. Wer weiterspielen will, muss die Rechneruhr zurückdrehen. Arstechnica schimpft: "Unglücklicherweise fühlt sich DRM manchmal so an, als ob einem der Teppich unter den Füßen weggezogen wird."

Epic Games hat sich bereits zu den Problem geäußert, ein Forenmoderator beschwichtigt: "Wir wissen von dem Problem und arbeiten mit Microsoft an einer Lösung." Epic Games ist der Entwickler von "Gears of War", Microsoft der Herausgeber.

Anti-Filesharing: Irischer Internetprovider macht ernst

Der irische Internetprovider Eircom wirft zukünftig aus dem Netz, wer illegal Musik herunterlädt. Darauf einigte sich Eircom mit den vier Majorlabels und macht damit wohl als erster Internetprovider der Welt ernst mit dem von vielen Vertretern der Medienindustrie geforderten Three-Strikes-Ansatz: Wer beim illegalen Herunterladen von geschützten Medieninhalten ertappt wird, bekommt eine Verwarnung vom Provider. Bei der dritten Warnung zieht der Provider den Stecker. Die Plattenfirmen - EMI, Sony, Universal und Warner - haben Eircom zuvor aufgefordert, eine Filter-Software zu installieren, um die Datenströme der Internet-Nutzer auf urheberrechtlich geschützte Musik hin zu durchsuchen. Eircom weigerte sich, bot aber im folgenden Gerichtsverfahren an, auf Zuruf der Plattenfirmen hin verdächtige Nutzer zu verwarnen und sie schließlich nach dem Prinzip "three strikes and you're out" (die Formulierung stammt ursprünglich aus dem Baseball) aus dem Netz zu werfen. Dafür müssten die Plattenfirmen einfach die IP-Adressen von verdächtigen Filesharern dem Provider mitteilen. Die US-amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) befürchtet nun, dass das Beispiel Schule macht und auch andere Provider dem Druck der Rechteinhaber nachgeben werden. Ein wichtiger Kritikpunkt: Internet-Nutzern kann der Zugang zu einer essentiellen Informationsquelle ohne Beschreiten des Rechtsweges versperrt werden. Für die Internet-Sperren braucht es keinen Richter, keine Beweise. Der EFF erscheint dies als eine Art Selbstjustiz der Musikindustrie.

M-Lab und Google: Tools gegen Providertricks

Zusammen mit US-Bürgerrechtlern hat Google eine Website mit Werkzeugen ins Netz gestellt, mit denen Internet-Nutzer Verstöße gegen die Netzneutralität durch ihre Provider erkennen können sollen. Also, ob der eigene Provider BitTorrent-Datenverkehr ausbremst oder bestimmten Daten Vorfahrt gewährt. Davon berichtet unter anderem die ORF Futurezone. Das Measurement Lab, gegründet vom Open Technology Institute der US-Bürgerrechtsgruppe New America Foundation, dem PlanetLab Consortium, Suchmaschinenbetreiber Google und verschiedenen Forschern, will seit 2008 Breitband-Netzwerke studieren. Das M-Lab dient laut Mitgründer Vint Cerf, hochrangiger Google-Berater und Erfinder des Internet-Protokolls TCP/IP, als Online-Labor für Netzneutralität. Google stellt dafür Personal und Server. Daten, die das M-Lab gewinnt, werden kostenlos und offen zu Forschungszwecken bereitgestellt.

Allein, so viele Internet-Nutzer wollten offenbar sofort ihren Providern mit Tools wie "Glasnost" vom Max Planck Institut für Softwaresysteme auf den Zahn fühlen, dass die Prüfwerkzeuge zusammenbrachen und schon bald nach dem Online-Start nicht mehr reagierten. Die Probleme sind aber mittlerweile behoben.

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Mitarbeit: Frank Patalong und Christian Stöcker

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