Netzwelt-Ticker Spannen für Jedermann

Setzte die Filmindustrie Hacker auf Torrentspy an? Das will die populäre BitTorrent-Seite in einem Prozess gegen die Filmlobby MPAA klären lassen. Außerdem im Überblick: Verkauf gut abgelagerter Nachrichten via iTunes, US-Kongress deckelt Telkos, Surfdienst für Spanner und mehr.


Spionage bei den Torrentspionen?

Einer peinliche Klage hat sich die US-Filmlobby MPAA gefangen: Ausgerechnet den populären Torrent-Suchdienst Torrentspy soll die Filmlobby per Hacker ausspioniert haben. Behauptet jedenfalls Torrentspy, die aus dem Vorwurf stante pede eine Klage strickten. Hauptzeuge ist ein Hacker, der zugegeben haben soll, von der MPAA zwecks Ausspionieren des Dienstes angeheuert worden zu sein.

15.000 Dollar soll der kassiert haben, um interne E-Mails und Firmengeheimnisse abzuschöpfen. Das wäre illegal und könnte für die MPAA unbequeme Folgen haben: Implizit steht der Vorwurf im Raum, die Klage, die die MPAA vor knapp drei Monaten gegen Torrentspy eingereicht hat, könne auf diesen auf unrechtmäßige Weise erlangten Informationen basieren.

Torrentspy behauptet, beweisen zu können, dass es eine Verbindung zwischen dem Hacker und der MPAA gegeben habe und dieser von der Lobbyorganisation angewiesen worden sei, interne Informationen zu sammeln, "egal auf welche Weise". Die MPAA weist die Vorwürfe als falsch zurück. Ein Sprecher der Organisation gegenüber CNet: "Torrentspy versucht, die Tatsachen zu verwischen, um davon abzulenken, dass sie den Diebstahl befördern." Die MPAA sei zuversichtlich, dass sie mit ihrer Klage gegen die Torrent-Sucher durchkomme.

Torrentspy gehört zu den populärsten Suchdiensten für BitTorrent-Dateien. Die Firma selbst bietet keine Torrents und keine raubkopierten Inhalte an, sondern ist eine Suchmaschine für Torrent-Dateien. Nicht nur für die MPAA ist das eine Form der Beihilfe, an der Torrentspy indirekt auch verdient. So soll der Hacker gezielt darauf angesetzt worden sein, die Verdienstquellen von Torrentspy zu eruieren.

Spannend: Spannen für jedermann

Live dabei: Na, wohin surfen die denn?

Live dabei: Na, wohin surfen die denn?

Äußerst sinnfällig ist die Symbolgrafik, die sich die Webseite "The Swarm" gegeben hat: Da leuchten Fußabdrücke auf dem und rund um den Globus.

Soll heißen: Hier kann man mal sehen, wer da gerade wohin geht. Denn der Swarm visualisiert die Wege, die Internet-Nutzer durch das Web wählen. Die virtuellen Orte werden in Form kleiner Screenshots der besuchten Webseiten dargestellt und um den Globus gruppiert.

Die Idee ist nicht neu, wurde aber noch nie pfiffiger dargestellt. So gut wie alle Suchdienste erlaubten einst den virtuellen Blick über die Schulter der anderen, bei den meisten sind solche Features inzwischen aber verschwunden. Aus nahe liegenden Gründen: Neben all den schönen, respektablen Webseiten, die man auch seinen Werbekunden gern präsentiert, suchen Menschen im Web eben auch viel Mist, Schmuddelkram und sonstigen Blödsinn.

Genau das führt The Swarm auch perfekt vor: Zwar überwiegt die Zahl der Seitenaufrufe von Google, Wikipedia, CNN und anderen, auffällig sind aber vor allem die kleinen Bildchen von Nackedeis. Denn im Gegensatz zu den stark verkleinerten Textwüsten diverser Leseseiten zeigen Sexseiten gern möglichst große Bilder - und die springen auch bei The Swarm direkt ins Auge. Ein Klick auf den Screenshot - und man surft den Leuten hinterher.

Das Ganze ist nicht nur ein Service für Spanner, sondern vor allem auch für Zeigefreudige, für die Begriffe wie "Datenschutz" völlige Fremdworte sind. Denn ins System geraten die Bildchen dadurch, dass sich der Surfer ein kleines Zusatzprogramm zu Firefox installiert, das fortan fleißig Fotos von den besuchten Seiten macht und sie ins Netz funkt. Die Technik kennt man von Keyloggern, Spionageprogrammen und solchen zur heimlichen Überwachung von Arbeitnehmern, was die Community aber offenbar nicht schrecken kann: Wer von der rückhaltlosen Begeisterung für das Web 2.0 beseelt ist, der lässt vor der Welt auch gerne die Hosen runter. Bei einigen Datenspendern gilt das offenbar sogar im Sinne des Wortes.

Alte Nachrichten zu verkaufen

Videos über das Netz anzubieten ist chic, Dateien über iTunes zu verkaufen auch - und wer im Augenblick so etwas wie Fernsehen über das Internet veranstaltet, darf sich ebenfalls freundlicher Presse sicher sein. Der US-Fernsehsender NBC schlägt nun drei Fliegen mit einer Klappe und bietet TV-Nachrichten via iTunes als Videos zum Verkauf an. Ob das ein guter Plan ist, muss sich aber wohl erst zeigen: Der Verkauf von TV-Serienfolgen ist eine Sache, der von Informationssendungen eine andere. Alte TV-Unterhaltung kann man als Klassiker anpreisen, aber alte Nachrichten?

Das weiß auch NBC und macht den Versuch erst gar nicht, die Nutzer mit Aktualität zu ködern. Es sind ganz besonders alte Nachrichten, verbunden mit Interviews und mit Hintergrundinfos zu visuellen Dossiers verschnürt, die der Sender für 1,99 Dollar an den Mann bringen will. Ob's klappen wird? NBC rechnet mit einem Erfolg, will sich aber die künftige Programmarbeit nicht vom Verkaufserfolg bei iTunes diktieren lassen. Gut zu wissen.

Deckel für die Telkos

Die Debatte um "Net Neutrality" ging bisher ziemlich an Europa vorbei, in den USA beschäftigt sie die Parlamente. Der Hintergrund: Führend Telekommunikationsunternehmen drängen darauf, von Web-Angeboten mit besonders viel Datenverkehr direkt Geld kassieren zu dürfen - eine Art Maut, die dann sicherstellt, dass diese Großangebote wie Google, Yahoo, eBay oder Amazon immer eine schön dicke Leitung zur Verfügung haben.

Das aber wollen nicht nur die nicht: Vor zwei Tagen warnte WWW-Erfinder Tim Berners-Lee vor einer solchen Spaltung des Netzes, die auf eine Situation hinauslaufen könnte, dass neben dem freien Internet ein kommerzielles Nebennetz mit besserer Infrastruktur und Performance entstünde. Das aber würde sich schnell als "langweilig" entpuppen, befand Berners-Lee - und ähnlich denkt anscheinend auch die Mehrzahl der US-Kongressabgeordneten. Mit 20 zu 13 Stimmen brachte ein Ausschuss nun eine Gesetzesvorlage auf den Weg, mit der den Telkos verboten werden soll, solche Sondergebühren für Reichweitenstarke zu erheben.

Damit wurden in den letzten Monaten sechs Gesetzesvorlagen in Senat und Kongress eingebracht, die sich des Themas annehmen. Die Mehrzahl der "Bills" schlägt sich auf die Seite der Internetunternehmen, doch noch wollen die Telkos die Hoffnung nicht aufgeben: Sie vertrauen darauf, dass nichts entschieden ist, so lange sich die verschiedenen Ausschüsse mit ihren Vorlagen gegenseitig widersprechen.

Ballmer sieht Vista rechtzeitig

…aber auch ein, dass man das so fest nicht versprechen sollte. Einerseits, erklärte der Microsoft-Boss am Freitag in Seoul, sei er ja vor einigen Wochen völlig missverstanden worden, als er sagte, der Windows-Nachfolger Vista werde sich ein paar Wochen verschieben. Nach wie vor sei die Veröffentlichung von Vista für Januar 2007 zu erwarten. Andererseits sei es ja wohl das Wichtigste, dass Vista ein ganz besonders sicheres Produkt werde. Auch, wenn dadurch…-!?

Alles klar, nichts geklärt: Steve Ballmer spielt hier Alles und Nichts. Rhetorisch ist das sehr geschickt. Sollte Vista im Januar kommen, kann Ballmer sagen, das habe er ja gesagt. Kommt es später, hätte das ebenfalls angekündigt. Recht hat er so oder so.

pat

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