Netzwelt-Ticker Spotify macht mehr Geld als iTunes - in Schweden

Werbefinanzierte Angebote könnten der Musikbranche mehr Geld bringen als herkömmliche Musikverkäufe, lehrt der schwedische Streamingdienst Spotify. The Pirate Bay ist wieder auf Sendung, und die Briten wollen ertappte Tauschbörsensünder vom Netz abschneiden. Das und mehr im Überblick.

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Musikstreaming per Spotify: Bald erfolgreicher als iTunes?
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Musikstreaming per Spotify: Bald erfolgreicher als iTunes?


Das Geschäftsmodell des Musik-Streamingdienstes Spotify scheint aufzugehen. Via Internet liefert das Unternehmen Wunschmusik an jeden Computer, überall auf der Welt, entweder kostenlos mit Werbeeinblendungen oder gegen Gebühr werbefrei. Zumindest in Schweden scheint sich diese Form des Musikvertriebs jetzt so erfolgreich zu sein, dass es so gar den weltweit erfolgreichsten Anbieter von digitaler Kaufmusik überholt. Wie Per Sundin, Direktor von Universal Schweden erklärte, sei Spotify für sein Unternehmen "seit seiner Einführung vor fünf Monaten zur größten digitalen Einnahmequelle geworden und hat iTunes hinter sich gelassen".

Interessant ist dabei, dass diese Erlöse offenbar in erster Linie durch Werbung erwirtschaftet wurden. Das sollte den iTunes-Verantwortlichen bei Apple Stoff zum Nachdenken geben. Wenn Spotify unterm Strich mehr Geld mit einem werbefinanzierten Direktangebot erwirtschaften kann als Apple mit seinen Kaufangeboten, könnte das eine entscheidende Wende in der Entwicklung des digitalen Musikvertriebs bedeuten. Nicht nur in Schweden wird die Branche gespannt darauf schauen, wie sich Spotify nach seiner geplanten Expansion auf dem US-amerikanischen Markt schlagen wird.

The Pirate Bay: kaum weg, schon wieder da

Im Hickhack um den Torrenttracker Pirate Bay ist es derzeit ziemlich schwierig, den Überblick zu behalten. Kaum sind die Nachrichten über das mögliche Scheitern des Verkaufs der Piratenbucht in der Netzgemeinde herum, wird die Seite vom Netz genommen. Auf gerichtliche Anordnung hatte der schwedische Provider Black Internet die Piraten am Montag abgeklemmt.

Doch bereits am Dienstagnachmittag waren sie zurück. Man habe eine neue Internetanbindung gefunden, teilten die Betreiber "Torrentfreak" mit. Gleichzeitig stellten sie im hauseigenen Blog die schwülstige Abwandlung einer Rede von Winston Churchill ein. In der hatte der Britenpremier sein Volk auf den notfalls jahrelangen Kampf gegen die Deutschen eingeschworen. Nun liest der erstaunte Zeitgenosse, die Schwedenpiraten würden "an den Stränden kämpfen, (...) vor den Gerichten, und wir werden niemals kapitulieren."

Grüne wollen Einsicht in Vorratsdaten erzwingen

"Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", mit diesem Motto veralberten unlängst Netzaktivisten CDU-Wahlkampfmotive von Innenminister Schäuble. Wer allerdings ganz sicher über das Was, Wann und Wo seiner Aktivitäten bescheidwissen möchte, müsste nur seinen Provider anrufen. Dort sind auf der Grundlage der gesetzlich vorgeschriebenen Vorratsdatenspeicherung Angaben über Telefongespräche und E-Mails gespeichert.

Was da genau gespeichert wird, wollte der Grünen-Bundesvorstand Malte Spitz herausfinden. Dazu läuteten die Grünen ihren so genannten Datenschutzsommer ein und fordern jeden auf, sich bei seinem Telko nach seinen persönlichen Daten zu erkundigen.

So machte das auch Spitz bei den vier großen Providern Deutschlands: "Welche personenbezogenen Daten über mich werden von Ihrem Unternehmen gespeichert? Hierbei bitte ich Sie um Auskunft über die gespeicherten Daten selbst - inklusive der im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung (§ 113 a TKG) erhobenen Daten."

Was niemanden verwundern wird: Die Unternehmen verweigerten jegliche Auskünfte. Die Mobilfunker stellen sich auf den Standpunkt, es seien schließlich auch Daten Dritter betroffen, und über die könne man keine Auskunft geben. Stimmt nicht, hält Bundesdatenschützer Peter Schaar dagegen, diese Daten lassen sich leicht ausfiltern. Und ansonsten gelte das Bundesdatenschutzgesetz natürlich auch für den Bereich der Vorratsdatenspeicherung. Womit jedem Bürger das Recht zustünde, zu erfahren, wer was über ihn speichert.

Nun hat Spitz gegen T-Mobile eine Art Musterklage eingereicht. So schwer könne die Auskunftserteilung zumindest von der technischen Seite her nicht sein, grundsätzlich müsse sich der Bürger "die Daten zurückzuholen, die Staat und Unternehmen ihm nehmen", so Spitz-Anwalt Sönke Hilbrans.

Rheinland-Pfalz prüft rechtliche Grundlagen von Google Street View

Auch andernorts beschäftigen sich Politiker mit dem Datenschutz. In Rheinland-Pfalz ist der Panoramafotodienst Google Street View ins Visier der Landesregierung geraten. Die will jetzt durch ein Rechtsgutachten überprüfen lassen, inwieweit das Google-Angebot möglicherweise gegen geltendes Recht verstößt. Dabei denkt Justizminister Heinz Georg Bamberger an den Datenschutz, das Recht am eigenen Bild und den Schutz der Privatsphäre. Mit dem Gutachten wurde das Institut für Informations- und Wirtschaftsrecht der Universität Karlsruhe betraut.

Urheberrecht: Großbritannien denkt über Two-Strikes-Regel nach

Auch in Großbritannien denken die Regierungsverantwortlichen darüber nach, im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen durch Tauschbörsennutzer den Knüppel aus dem Sack zu holen. Gestern veröffentlichte das Department for Business and Information Skills (BIS) eine Stellungnahme zum geplanten Tauschbörsengesetz mit einer Reihe von möglichen Maßnahmen (PDF). Der potentielle Strafkatalog enthält dabei von der Sperrung bestimmter Webseiten bis zum Abklemmen des Internets die üblichen, auch andernorts bereits debattierten Bestimmungen.

Das erstaunt den britischen "Guardian" ein wenig. Noch im Juni waren entsprechende Pläne von der Regierung ausdrücklich ausgeschlossen worden. Stattdessen sollten ertappte Tauschbörsensünder einen blauen Brief mit der Aufforderung zugesandt bekommen, ihr ungesetzliches Tun zu unterlassen. Erst wenn es nicht gelingen würde, die Piraterierate insgesamt um mindestens 70 Prozent zu senken, sollten die Breitbandleitungen der Betroffenen gedrosselt werden. Und überhaupt sollte das alles nicht vor 2012 zum Tragen kommen.

Da ist der aktuelle Stand der Dinge weitaus drakonischer. Der Warnbrief bleibt, wer aber danach beim Tauschen von illegalem Material erwischt wird, muss nun damit rechnen, zumindest zeitweise ohne Internetzugang dazustehen.

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