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Netzwelt-Ticker: Steuer-ID mutiert zur Personenkennziffer

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Deutschlands oberster Datenschützer sieht eine große Missbrauchsgefahr durch die Steuernummer, der größte Filesharing-Prozess in den USA steht vor dem Ende und Zuckerbergs Schwester verlässt Facebook. Das und mehr im Überblick.

Steuererklärung (Symbolbild): Bildung aussagekräftiger Persönlichkeitsprofile Zur Großansicht
dapd

Steuererklärung (Symbolbild): Bildung aussagekräftiger Persönlichkeitsprofile

Seit drei Jahren bekommt jeder Deutsche vom Finanzamt eine sogenannte Steueridentifikationsnummer zugeteilt, mit der steuerrechtliche Angelegenheiten noch bis zu 20 Jahre nach dem Tod des Betroffenen bearbeitet werden können. Eine bereits am Anfang von manchen geäußerte Befürchtung nahm jetzt Bundesdatenschützer Peter Schaar wieder auf: Die Erwartung, dass die Steuer-ID mittlerweile von allen möglichen Stellen und Behörden benutzt werde, habe sich bewahrheitet.

"Nicht nur Finanzbehörden, sondern auch Banken, Versicherungen und Krankenkassen verwenden mittlerweile die Steuer-ID. Wer heute ein Konto eröffnen will oder Elterngeld beantragt, muss dafür seine Steuer-ID angeben." Die inzwischen gesammelten Daten würden rein finanztechnische Verwaltungsaufgaben bei Weitem überschreiten und tiefe Einblicke in private Lebensumstände erlauben, so Schaar. Daten zu Familienangehörigen oder zur Religionszugehörigkeit erhöhten die "Gefahr der Bildung aussagekräftiger Persönlichkeitsprofile".

Neben der ungezügelten Datensammelwut aller möglichen Stellen und Behörden beunruhigt so manchen Bürger auch die Frage nach der sicheren Verwahrung der Informationen. Immer wieder tauchen eigentlich vertrauliche Datenbestände in freier Wildbahn auf. Wie weit das gehen kann, demonstriert ein erschreckendes Beispiel aus Südkorea. Dort gerieten in der letzten Woche die Sozialversicherungsnummern von 35 Millionen Menschen, beinahe drei Viertel der Bevölkerung, nach einem Hackerangriff in die Öffentlichkeit. Die Spur des Angriffs führe nach China, berichtet der "Korea Herald". Inzwischen würden die Identitäten zum Stückpreis von umgerechnet knapp sieben Cent gehandelt.

US-Richter schlägt Verfahren gegen 23.000 Filesharer nieder

Vom Monster-Prozess gegen 23.238 Filesharer, die den Film "Expendables" verbreitet hatten, erhofften sich die Rechteinhaber eigentlich eine wegweisende Wirkung gegen illegale Downloads. Doch daraus wird wohl nichts: In einer Sammelklage hatten die Kläger die Offenlegung der hinter den mehr als 23.000 IP-Adressen stehenden Besitzernamen verlangt. Der zuständige Richter Robert Wilkins verwarf die Forderung in 99 Prozent der Fälle mit einem schlichten Argument. Die meisten der potentiellen Sünder würden nicht in seinem Gerichtsbezirk wohnen, also sei er auch nicht zuständig. Den Klägern stehe natürlich der Weg offen, sich auf dem Klageweg an sämtliche im Lande befindlichen Bezirksgerichte zu wenden.

Google macht Eigenreklame für Webmaster einfacher

Wer an seiner Webseite gebastelt hat und nun möglichst schnell bei Google bekannt werden will, bekommt vom Suchmaschinenbetreiber ein kleines Hilfsmittelchen zur Verfügung gestellt. Schon seit einiger Zeit gibt es bei den Webmaster-Tools die Möglichkeit, einzelne Seiten mit einem Google Bot zu laden, der überprüft, ob die Suchmaschine sie auch erfassen kann. Nun erscheint nach erfolgter positiver Überprüfung die Option "URL bei Index einreichen". Wird eine Seitenadresse auf diese Weise an den Index gesandt, sollte Google die meisten innerhalb eines Tages crawlen und in den Index aufnehmen, verspricht das "Webmaster Central Blog".

Microsoft lobt 250.000 Dollar für IT-Sicherheitsideen aus

Auf der diesjährigen Black Hat Security Conference treffen sich wieder IT-Sicherheitsexperten aus etlichen Ländern. Auch Microsoft ist vertreten und hat die Gelegenheit genutzt, einen "Blue Hat"-Preis auszuloben. Prämiert werden soll die beste Lösung, um die Ausnutzung von Sicherheitslücken in der Speicherverwaltung zu verhindern. Dem Sieger winken 200.000 Dollar, die beiden Nächstplazierten teilen sich weitere 50.000 Dollar. Von dem Wettbewerb erhofft sich Microsoft "neue Ideen für defensive Ansätze zur Unterstützung der Computer-Sicherheit".

Zuckerberg-Schwester verlässt Facebook

Bislang arbeitete Randi Zuckerberg als Marketing-Chefin bei Facebook. Doch nun verlässt die Schwester von Firmengründer Mark Zuckerberg das Unternehmen, um eine eigene Firma zu gründen. Deren Geschäftsfeld soll in der Beratung von Unternehmen in Sachen Social Networks liegen. In der Medienindustrie gebe es "aufregende Trends", auf die sie sich fokussieren wolle, zitiert All Things Digital aus dem Kündigungsschreiben.

Auch das noch:

  • Vom Urlaubsort kann man nicht nur seine Lieben zu Hause mit Postkarten erfreuen. Eine sollte auch an die Parlamentarier im Innenausschusses des EU-Parlaments gehen und gegen die umfassende und langfristige Speicherung von Fluggastdaten protestieren. Die Idee hatte die Initiative NoPNR.org, die auch eine Auflistung sämtlicher gesammelter Fluggastdaten bietet.
  • Die norwegische Handelskette Coop Norge verkleinert unter dem Eindruck des Massenmords das Sortiment. Die Spiele "World of Warcraft" und "Call of Duty - Modern Warfare" fliegen aus dem Programm, weil der Attentäter die beiden Titel in seinem Textkonvolut erwähnt hatte.

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1. Der gläserne Bürger
Transmitter, 04.08.2011
Steuer ID wird zur Personenkennziffer? Wie witzig! Das war doch bereits sonnenklar, als die eingeführt wurde. Von der Geburt bis zum Tod eine einzige Kennzahl. Da wird doch alles darunter gespeichert, was nur halbwegs interessant sein könnte. Von der Strom- und Wasserrechnung bis zur Vorstrafe, vom nicht bezahlten Parkticket bis zum Ehekrach. Ein ganzes Leben auf einen Mausklick. Das wird wirklich noch lustig hierzulande. Auch für Journalisten, deren Beiträge und Artikel demnächst 20 Jahre rückwirkend - politisch bewertet - von jedem Finanzamts-Hausmeister oder Parkplatzwächter online abgerufen werden können. Es gab mal eine Zeit, da riefen die 68er zum Volksaufstand auf, weil die Regierung eine anonymisierte Volkszählung durchführen wollte. Heute, wo sie die Macht haben, zeigt diese verkommene Herrscher-Elite den Bürgern wo es lang zu gehen hat. Aber wie!
2. "World of Warcraft"...
OmaGeddon 04.08.2011
...ist KEIN "Ballerspiel". Dies sollte korrigiert werden! Breivik hat WoW gespielt, um seine persönlichen Management-Fertigkeiten zu schulen, durch Leitung einer Gilde/eines Raids. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich: man lernt in der Tat eine ganze Menge darüber, wie man Leute motiviert, bei der Stange hält, Streitigkeiten schlichtet, Probleme behebt, "Mitarbeiter" ihren Fähigkeiten entsprechend einsetzt oder fördert.
3. Wir immer...
JadziaDax 04.08.2011
Zu allen Zeiten haben die Mächtigen herausgefunden, wer was macht oder nicht macht. Die Methoden zur Erlangung der Infosrmationen sind inzwischen weniger blutig geworden. Deshalb muss man vorsichtig sein. Vorallem mit dem was man macht. Auch das war schon immer so. Meinetwegen können die Mächtigen alle Werte meines Gas- und Wasserverbrauchs haben. OK, Strom auch noch.
4. Killerspiele
thecali 04.08.2011
"Ballerspiele wie "World of Warcraft" and "Call of Duty - Modern Warfare" fliegen aus dem Programm..." World of Warcraft ist doch kein Ballerspiel! Einfach nur noch lustig, diese Sachkenntnis der dortigen Entscheidungsträger. Fast do lustig wie das kecke englische "and" was sich in diesen Satz eingeschlichen hat...
5. Sachverstand
nyx^^305 04.08.2011
Man sollte doch davon ausgehen können, dass sich der Verfasser einer Kolumne mit dem entsprechenden Themengebiet wenigstens begrenzt auskennt und sich auch mit diesem identifizieren kann. Mit der Bezeichnung von World of Warcraft als WBallerspiel" wird hier jedoch das absolute Gegenteil bewiesen. Unabhängig davon ob die Handelskette diese Klassifikation als Grundlage für die Entfernung aus dem Sortiment vornimmt oder nicht, muss sie nicht zwangsläufig übernommen werden.
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  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.


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