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Netzwelt-Ticker: Steuergeschenke lösen Porno-Boom aus

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Wer hätte gedacht, dass US-Präsident Bush die Pornoindustrie reich macht? Gleichzeitig wird Sony durch Spiele ziemlich arm und in London tanzt der Robo gern den Pogo. Das und mehr im Nachrichten-Überblick.

US-Präsident George W. Bush ist bekanntlich ein gottesfürchtiger und sittenstrenger Mann. Ganz sicher hätte er nicht mit den Nebenwirkungen gerechnet, die eine seiner jüngsten Initiativen auf einen doch recht unheiligen Wirtschaftszweig haben würden. Um dem darbenden Konsum im Lande nachzuhelfen, verkündete die US-Regierung Steuernachlässe und verschickte Schecks über bis zu 1200 Dollar. Prompt stellte sich der gewünschte Effekt ein - vor allem allerdings bei kostenpflichtig im Internet angebotener Pornografie.

Pornodreh: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Steuerrückzahlungen und einer Zunahme der Nutzung von Bezahl-Porno-Websites?
AFP

Pornodreh: Gibt es einen Zusammenhang zwischen Steuerrückzahlungen und einer Zunahme der Nutzung von Bezahl-Porno-Websites?

Ein Marktforschungsunternehmen namens Adult Internet Market Research Company (AIMRCo), das sich auf Anbieter von Brust- und Bauchbildchen spezialisiert hat, verzeichnete schon bald einen ungewöhnlichen Anstieg der Einnahmen im Marktsegment. Normalerweise sei das Geschäft gerade im Sommer ziemlich lahm, so AIMRCo-Chef Kirk Mishkin. "Aber viele der von uns untersuchten Seiten meldeten einen Abonnentenzuwachs von 20 bis 30 Prozent, seit Mitte Mai die Schecks verschickt worden sind." Immerhin gibt es nun neben der Rüstungsindustrie wenigstens eine weitere Branche, die dank der präsidialen Entscheidungen floriert.

Milliardengrab Playstation

Japans Unterhaltungselektroniker Sony wird mit seiner Playstation 3 nicht recht glücklich. Schon Ende Juni teilte der Konzern in einer Börsenmeldung mit, man habe mit der Konsole 3,3 Milliarden Dollar Miese gemacht. Dadurch bestünde die Gefahr einer "signifikant negativen Beeinflussung des Konzernprofits". Entsprechend äußerte sich auch David Cole vom Marktforschungsinstitut DFC Intelligence im "Handelsblatt", selbst bei Rückkehr in die Gewinnzone sei ein Ausgleich der bislang aufgelaufenen Verluste unwahrscheinlich.

Dies ist für die Japaner umso schlimmer, als die Spieleabteilung traditionell Sonys Goldesel ist. Mit 8,5 Milliarden Dollar trägt die Daddelsparte zwar nur ein Achtel vom Konzernumsatz bei, erwirtschaftet aber 60 Prozent der Gewinne. Sollte die Rendite auch hier wie schon zuvor bei TV-Geräten und DVD-Playern in den Keller gehen, sieht Sony dunklen Zeiten entgegen. Doch kann man sich in Japan mit Blick auf Microsoft trösten. Seit die Redmonder vor sechs Jahren mit der Xbox an den Markt gingen, haben sie mehr als sieben Milliarden Dollar versenkt.

Iran: Todesstrafe für Blogger?

Derzeit wird im Parlament in Teheran ein Gesetzentwurf debattiert, der im Falle seiner Verabschiedung der langen Liste todeswürdiger Verbrechen einige neue hinzufügen würde.

Dazu gehört unter anderem die "Einrichtung von Blogs und Websites, die Korruption, Prostitution und den Abfall vom Glauben befördern". Schon bislang unterliegt die gerade in Iran äußerst lebendige Netzgemeinde stärkster Zensur seitens der ultra-konservativen Tugendwächter, die zum Beispiel Seiten wie Facebook oder Flickr sperren ließen. Kaum verwunderlich, dass der Obrigkeit die eifrig betriebenen Blogs ein Dorn im Auge sind.

Der Robo tanzt den Pogo

Laut war es und bewegt, als am Wochenende im britischen Institute of Contemporary Arts eine Musik-Performance abgehalten wurde. Drei Nächte mit Punk und Pogo schüttelten die Besucher der Londoner Kunsthalle durch, unter ihnen drei nichtmenschliche Mittänzer, aus Blech und zwei Meter hoch.

Verantwortlich dafür waren ein Neurowissenschaftler und die Musiker der Punkband Fumadores, die gemeinsam die Interaktion Mensch-Maschine demonstrierten. Dabei sollten die beweglichen Roboter vor allem auf die akustischen Reize der dargebotenen Punkmusik reagieren und sie in tanzähnliche Aktionen umsetzen.

"Ich erstelle mathematische Modelle für die Art und Weise, in der das Gehirn Sinnesreize verarbeitet", so Professor Peter McOwan von der Queen Mary University. Dann konstruierte er drei Roboter, die über ein neuronales Netzwerk verbunden waren und mit ihren Prozessoren wie ein einfaches Tiergehirn funktionierten. Die Ausrichtung auf Punk war naheliegend, denn die dort üblicherweise auftretenden "Sinnesreize" sind nicht ganz so kompliziert wie etwa die Klänge einer Mozart-Sonate. Dazu bräuchte es dann wohl noch etwas mehr Köpfchen.


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