Netzwelt-Ticker Stratfor verschwieg Hack-Angriff wegen FBI-Ermittlungen

Die US-Sicherheitsberatungsfirma Stratfor wusste schon seit Anfang Dezember vom Hack-Angriff auf die eigene Kundendatenbank. Außerdem im Überblick: Musikstreaming-Dienst Rdio startet in Deutschland, VZ-Netzwerke versprechen Fortbestehen über März 2012 hinaus.

Anonymous-Maske: Angeblich haben Aktivisten der Web-Guerilla Stratfor gehackt
dapd

Anonymous-Maske: Angeblich haben Aktivisten der Web-Guerilla Stratfor gehackt


Die US-Sicherheitsberatungsfirma Stratfor schwieg wochenlang über den Angriff Unbekannter auf die Abonnenten-Datenbank. Das räumt Stratfor-Geschäftsführer George Friedman in einer nun veröffentlichten Stellungnahme auf der Unternehmens-Website ein. "Anfang Dezember", so heißt es in dem Schreiben, sei Friedman durch einen Kollegen über den Angriff unterrichtet worden. Tags darauf sei das FBI in den Fall involviert gewesen. Die Öffentlichkeit und Stratfor-Kunden aber wurden absichtlich im Dunkeln gelassen.

Friedman erklärt in der Stellungnahme sein Dilemma: Wen soll er schützen, die Kunden und ihre Kontakt- und Kreditkartendaten oder die Ermittlungen des FBI? Er entschied sich zugunsten der Ermittlungen - auch, weil das FBI die Kreditkartenunternehmen mit einer Liste der (bis dato unveröffentlichten) Daten versorgte und so zumindest den finanziellen Schaden von Stratfor-Kunden abmildern konnte.

Doch am 24. Dezember traf das Unternehmen ein erneuter Hack: Anonymous hinterließ auf der Stratfor-Website ein Bekennerschreiben, in dem es hieß, dass die Hacker-Gruppe auch Firmen-E-Mails erbeutet habe. Einen Tag später war der Hack bekannt, der Fall Stratfor das umstrittene Weihnachtsthema in IT-Kreisen; zu Silvester dann veröffentlichten Unbekannte, die sich als Anonymous-Aktivisten ausgaben, Hunderttausende Kundendaten.

Friedman bemüht sich sichtlich um Transparenz und Aufrichtigkeit in seiner Stellungnahme. Eine Videobotschaft soll unterstreichen, wie ernst Stratfor den Hack nimmt. Doch ist die letzte Karte im Spiel um Stratfor noch nicht gespielt. Mit der Veröffentlichung der 2,7 Millionen Kunden-E-Mails will Anonymous beweisen: Stratfor ist nicht nur ein Medienangebot, sondern ein privater Geheimdienst der Reichen und Mächtigen.

Musikdienst Rdio startet deutsches Angebot

Der Musik-Streamingdienst Rdio hat eine deutsche Version seines Angebots gestartet. Preise und Funktionen sind mit Konkurrenten wie Simfy und Deezer vergleichbar: Ein reiner Streamingdienst per Browser oder Desktop-Anwendung kostet 4,99 Euro monatlich, wer auf das Repertoire auch von Smartphones aus zugreifen und einen Teil auf dem Gerät speichern will (für Zugfahrten etwas), muss 9,99 Euro im Monat zahlen (die Angebote im Überblick in der Tabelle unten).
lis

Musik-Streamingdienste im Überblick

Angebot Rdio Napster Deezer Simfy Juke
Titel im Katalog 12 Millionen (DE) 15 Millionen Titel (DE) 13 Millionen (DE) 13 Millionen (DE) 13 Millionen Titel (DE)
Abrech-
nung
Flatrate Flatrate Flatrate Flatrate Flatrate
Download nein nein nein nein nein
Browser ja ja ja ja ja
Anwend-
ungen
Windows, iOS, Windows Phone 7, Android, Blackberry iOS, Android Windows, MacOS, iOS, Android Windows, MacOS, Linux, iOS, Android, Blackberry iOS, Android
Offline- Modus ja (9,99 Euro im Monat) nein ja (9,99 Euro im Monat) ja, auf allen Geräten mit Simfy-Anwen-
dungen, für Premium-Plus-Abonen-
nten
ja, auf iOS- und Android-Geräten
Kosten (Monat) Euro 4,99 (Browser / Desktop), 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) 7,95 (Streaming Deskto), 12,95 (Desktop und Mobil) 4,99 (Browser / Desktop), 9,99 (Mobil, Offline-Funktion) werbe-
finanziert (20 Stunden Streaming auf Desktop / per Browser), 4,99 (unbe-
grenztes Streaming auf Desktop / per Browser), 9,99 (alle Funktionen)
9,99

Stand: 12.1.2012

Microsofts Suchmaschine Bing holt in den USA auf

Im Konkurrenzkampf mit Google hat Microsofts Suchmaschine Bing aufgeholt. Mit 2,75 Milliarden Suchanfragen hat Bing im Dezember in den USA erstmals Yahoo von Platz zwei verdrängt, wie aus der Statistik des Marktforschers Comscore hervorgeht (Grafik von Statista).

US-Marktanteile: Den Zahlen des Statistikdienstleisters Comscore zufolge holt Bing auf
Statista

US-Marktanteile: Den Zahlen des Statistikdienstleisters Comscore zufolge holt Bing auf

Yahoo kam demnach auf 2,65 Milliarden Anfragen. Google bleibt aber mit zwölf Milliarden Suchen und einem Anteil von fast 66 Prozent mit großem Abstand Marktführer in den USA. In Europa liegt Google noch weiter vorn. Analysten hatten schon erwartet, dass Bing Yahoo bei der Zahl der Suchanfragen überholt. Grund ist eine im Juli 2009 bekanntgegebenen Partnerschaft, nach der Yahoo weitgehend die Suchmaschinentechnik von Bing nutzt und dadurch viel Geld spart. (dapd)

Medienkonzern Schibsted bietet für Musikstreaming-Anbieter

Der norwegische Zeitungskonzern Schibsted will das Unternehmen Aspiro übernehmen. Aspiro betreibt unter anderem das Musikstreaming-Angebot WiMP. Der Dienst hat - mit unterschiedlichen Kooperationpartnern (vor allem Telekom-Firmen) in Norwegen, Dänemark und Portugal eigenen Angaben mehr als 350.000 Abonnenten. (lis)

VZ-Netzwerke melden: VZ-Netzwerke werden nicht im März eingestellt

Die Besucherzahlen im Keller, ein augenscheinlich wenig anziehendes Produkt - stehen die VZ-Netzwerke StudiVZ, MeinVZ, SchuelerVZ vor dem Aus? Netzwertig.com hat beim Unternehmen nachgefragt und die interessante Antwort erhalten: "Weder die VZ-Netzwerke noch die Plattform studiVZ werden im März 2012 eingestellt." Es werde allerdings fieberhaft an einer Neuausrichtung gearbeitet.

Die satirische Website "Wann stirbt StudiVZ?" ist da allerdings anderer Meinung. Setzt man den Verfall der Besucherzahlen linear fort, müsste in neun Wochen mangels Seitenbesuchern Schluss mit VZsein.

Pentagon, Blogger lachen über Irans UFO

Wie konnte der Iran nur eine geheime US-Sonde vom Himmel holen, ein technisches Wunderwerk, State of the Art? Mit einem GPS-Hack, wie ein anonymer iranischer Ingenieur berichtet, oder doch mit einem UFO samt Kraftfeld-Technik - wie der Iraner Mehran Tavakoli Keshe, nach eigenen Angaben der Vater der Drohnen-Entführung, einem erstaunten Web-Publikum auf seiner eigenen Seite berichtet?

Dort schrieb er schon im Dezember 2011: "Es wurde nichts gehackt, es war fortgeschrittene Weltraum-Technik im Spiel." Die Drohne sei in der Luft und mit Hilfe von Kraftfeldern von der iranischen Armee gekidnappt worden (eine Technologie, die der Iran übrigens niemals offensiv einsetzen werde). Es folgt eine lange Lobrede auf die iranischen Wissenschaftler.

Wired.com ist der Sache nachgegangen, hat eine lustige Fotomontage angefertigt und beim Pentagon nachgefragt. Deren Antwort: "Wir kommentieren die Aussagen dieser Person nicht, aber der Verteidigungsminister hätte gerne sein Lichtschwert zurück."

Was am Donnerstag sonst noch in der Netzwelt wichtig war

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