Netzwelt-Ticker: Suche Mann, verklage Atlanta

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Seit der WM ist Deutschland Weltmeister der Herzen. Auch im Netz: 6,2 Millionen Deutsche sind in Singlebörsen aktiv. US-User kuscheln nicht so gern - sie verklagen lieber Plattenfirmen, die behaupten, man hätte via Tauschbörse Gangster-Rap aus dem Netz geklaut.

Deutsche suchen Partner gerne online

Im deutschen Internet ist es Frühling, schon ein ganzes Jahr lang. Vergesst Musik-Downloads, vergesst Computerspiele! Der deutsche Surfer flirtet. Laut Branchenverband Bitkom haben 6,2 Millionen Deutsche im ersten Quartal 2007 in Singlebörsen nach einem Partner oder einer Schlafgelegenheit gesucht. Das ist zwar etwas weniger als im Vorjahr - schuld daran sind wohl Flirtmöglichkeiten auf Community-Seiten wie MySpace oder StudiVZ - der Umsatz mit Singlebörsen stieg 2007 jedoch um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis Ende des Jahres werden hormongesteuerte Surfer voraussichtlich 85 Millionen Euro für die Online-Partnersuche ausgeben. Auch in Resteuropa ist, laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Jupiter Research, Flirtfrühling.

RIAA erleidet Rückschlag, wird verklagt

Rapper Snoop Dogg: Gangsta-Beatz from the Netz?
REUTERS

Rapper Snoop Dogg: Gangsta-Beatz from the Netz?

Der Fall war so aufregend, wie peinlich: Der Verband der amerikanischen Plattenfirmen verklagt Tanya Andersen, eine behinderte, alleinerziehende Mutter. Sie soll über die Tauschbörse Kazaa illegal Gangsterrap heruntergeladen haben. Der Fall wird öffentlich, Empörung aller Orten, aber die Record Industry Association Of America (RIAA) gibt nicht auf. Prompt kommt im Oktober 2005 die Gegenklage: Geschäftemacherei, Betrug, unlauteres Geschäftsgebaren wird der Plattenfirma Atlanta vorgeworfen. Und jetzt das noch: Die RIAA gibt den Fall einfach auf – und entlastet damit die Angeklagte und Klägerin.

Die kann nun die Prozesskosten von der RIAA einfordern. Aber damit nicht genug: Wie nun bekannt geworden ist, schießt eine weitere, von der RIAA beschuldigte Downloaderin zurück. Wie Andersen wirft Suzy Del Cid dem Industrieverband allerlei Vergehen vor. Darunter das illegale Eindringen in die Computer fremder Leute. Erfolgsversprechender dürften laut Ars Technica aber ganz andere Vorwürfe sein: Die RIAA soll nicht-lizenzierte Privatermittler eingesetzt und übereifrig und illegal Schulden eingetrieben haben. Ähnliche Klagen werfen den RIAA-Plattenfirmen vor, mit ihren drakonischen Geldstrafen (750 Dollar pro Song) gegen die Verfassung zu verstoßen bzw. dank eines 115-Millionen-Dollar Abkommens mit der Tauschbörse Kazaa ohnehin keine Forderungen mehr gegen Privatleute geltend machen zu können. Die gesamte Story steht im Blog Recording Industry vs. the People.

Tauschbörsennutzer: Ruudert die EU zurück?

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft ist offenbar dabei, die Änderungen des EU-Parlaments an der Richtlinie zum "Schutz geistigen Eigentums" zu überdenken. Zur Disposition steht der zweite EU-weite Anlauf zum Schutz der Eigentumsrechte. Geregelt werden soll darin, ob neben Produktpiraten auch Millionen private Tauschbörsen-User in Zukunft strafrechtliche Verfolgung zu befürchten haben. Warum es zu der Neuausrichtung kommen könnte, schreibt Erich Moechel in der ORF Futurezone.

Wie lange halten eigentlich Farbausdrucke?

Die Reportage in der "New York Times" lässt keine Zweifel offen: Fotografien, die im kanadischen Nationalarchiv eingefroren werden, halten ewig. Unsere selbstgeknipsten, tintenstrahlgedruckten Jugenderinnerungen hingegen nicht. Oh, Schreck! Wie lange können wir uns denn noch an den Fotos von Omas 85. Geburtstag laben – ausgedruckt und mittels Magneten an die Kühlschranktür geheftet? Hängt ganz von Druckermodell, Papiersorte und Tintenqualität ab, sagt Henry Miller. Der amerikanische Forscher versucht mit einem aufwändigen Verfahren, die Beständigkeit von Selbstdruckbildern herauszubekommen. Seine Schätzungen veröffentlicht er im Netz. Ein Bild aus einer HP Photosmart 475 hat demnach folgende Lebensdauer. Unter Glas: 82 Jahre, ständig Licht ausgesetzt: 42 Jahre.

Die "New York Times" liefert weitere Zahlen aus dem düsteren Zwischenreich Farbdruck. Stichwort Epson-Desaster: Im Jahr 2000 veröffentlichte Epson zwei Tintenstrahldrucker und ein neuartiges, schnelltrocknendes Papier. Henry Miller schätzte Haltbarkeit der Ausdrucke auf zehn Jahre. Aber als das Produkt auf den Markt kam, stellte sich heraus, dass die Farben wegen des Spezialpapiers bereits nach zwei Monaten verblichen waren. Der Verfall hat aber auch eine gute Seite: Die meisten Bilder, die man eben mal ausdruckt, sind es wohl ohnehin nicht wert, im kanadischen Nationalarchiv für die Ewigkeit aufbewahrt zu werden.

Deutschland und Österreich tauschen Fingerabdrücke

Schäuble freut sich, Datenschützer warnen: Deutschland und Österreich sind die ersten beiden Staaten weltweit, die Fingerabdruck-Daten tauschen. Innerhalb weniger Minuten kann über diesen Datenaustausch ermittelt werden, ob zu dem eingegebenen Fingerabdruck Erkenntnisse im jeweils anderen Staat vorliegen, schreibt die ORF Futurezone. Dabei werde elektronisch nur angezeigt, ob ein Treffer vorliegt oder nicht. Personendaten können weiterhin nur über herkömmliche Rechtshilfe übermittelt werden, so Schäuble in einer Pressemitteilung des Innenministeriums.

Adsense für Landkarten

Google öffnet mit dem neuen Feature Mapplets seine Landkarten für Webentwickler. Die Mapplets sind eine Verbindung von Google Maps und Google Gadgets. Maps wird dadurch vor allem vielfältiger: Bilder, Texte oder aufwändigere Informationen können ab sofort in den Landkarten als Sprechblasen angezeigt werden. Mashable.com rechnet zudem mit einer "Adsensibilierung" von Google Maps - Unternehmen könnten das Feature nun als gigantische Werbefläche verwenden. Erste Eindrücke der Mapplets zeigt Google auf einer Preview-Seite.

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