Netzwelt-Ticker Supercomputer soll Jeopardy gewinnen

Der IT-Konzern IBM will eine künstliche Intelligenz in der US-Quizshow Jeopardy! antreten lassen. Außerdem im Überblick: 62.000 Roaming-Dollar für einen Film-Download, "Time" akzeptiert die von 4chan gehackte Umfrage und es gibt wieder einmal eine Holo-Scheibe.


"IBM entwickelt einen Computer, der unter diesem Namen an der Quizshow Jeopardy! teilnehmen soll." Der US-amerikanische Quizmaster Alex Trebek erklärt das in einer Videobotschaft von IBM, die eine künstliche Intelligenz (KI) ankündigt: "Watson". Die nach dem Sherlock-Holmes-Freund benannte Software soll "komplexe Fragen und Antworten" verstehen und beantworten können - und zum Beweis an Amerikas bekanntester Quizshow teilnehmen.

Herausforderung für die Entwickler: Bei Jeopardy! ist die Frage die Antwort. In der vorgegebenen Antwort sind die Hinweise versteckt, die auf die richtige Frage hindeuten: Doppeldeutig, ironisch, verrätselt. Menschen beherrschen dieses Spiel ganz gut, Computer nicht. IBMs "Question Answer"-System "DeepQA", eine künstliche Intelligenz, die auf dem Supercomputer BlueGene läuft, soll diese Lücke füllen - von den Jeopardy!-Produzenten als TV-Spektakel in Szene gesetzt.

Noch aber ist Watson nicht schlau genug, es müssen noch viele Fragen geklärt werden. Zum Teil auch recht triviale: Wie soll Watson in Jeopardy! überhaupt auftreten? Etwa als brummender Supercomputer? Wenig spektakulär. Als Computer-Figur, ein Avatar? Schon eher. Per Sprachsynthese wird Watson sich on Air dann auch verbal äußern können, zuhören jedenfalls muss er nicht; die Quiz-Frage/Anwort bekommt er schriftlich mitgeteilt.

Damit Watson aber nicht irgendwann seine Entwicklungskosten in TV-Shows wieder einspielen muss, denken die IBM-Entwickler über sinnvollere Anwendungsmöglichkeiten einer Frage-Antwort-KI nach. Computersysteme, die auf schwierige Fragen mit großer Sicherheit eine richtige Antwort finden können, sind der Stein der Computer-Weisen: Könnten solche Systeme doch, an die gigantische Datenbank Internet angeschlossen, einen gewaltigen Schritt nach vorn bedeuten für den Umgang der Menschheit mit dem im Internet abgespeicherten Wissen - und Unwissen. Denn das ist nach wie vor das große Problem, auch für Watson: Wie unterscheidet man Sinn von Unsinn, woran erkennt man, was relevant und was irrelevant ist? Und das in der denkbar schlimmsten Umgebung, dem Internet?

Roaming-Horror: 62.000 Dollar für einen Film-Download

"62.000 Dollar?" Moderator Clark Howard kriegt sich kaum noch ein: "Warte, warte, warte, warte, warte: Wie viel?" Anrufer Alberto sagt's nochmal: "62.000 Dollar".

Dafür, dass er bei einem Abstecher nach Mexiko per SIM-Karte den Disney-Film "Wall-E" aus dem Netz herunterlud: "Mein Neffe wollte den Film sehen."

Ein schwerer Anfängerfehler: Zwar sind Handy-Telefonate aus dem Ausland schon teuer genug, keine Grenzen kennt aber die Preis-Phantasie der Telekommunikationsfirmen beim Daten-Roaming. Nach jeder Urlaubssaison häufen sich die Klagen von Verbrauchern, die Datendienste im Ausland nutzten und von ihrem Mobilfunkanbieter zur Kasse gebeten wurden.

Damit soll zwar - zumindest in der EU - bald Schluss sein, das hilft Anrufer Alberto aber nur wenig. Der Mobilfunk-Anbieter, von dem Alberto die Daten-SIM kaufte, zeigte sich ein bisschen verständnisvoll - und senkte die Rechnung auf 17.000 Dollar. Mehr sei aber nicht drin, erfuhr Alberto vom Anbieter - so viel zahle man selber an die Konkurrenz in Übersee. Diese Kosten reiche man natürlich an die eigenen Kunden weiter. Ars Technica vermutet deswegen: Alberto wird wohl auf den 17.000 Dollar sitzen bleiben.

"Time"-Umfrage: Die einflussreichste Person der Welt ist...

Das US-Magazin "Time" wollte sich bei seiner Wahl der 100 einflussreichsten Personen des Jahres mit einer Pseudo-Wahl im Web schmücken und nahm den Web-Guerillero moot als Kandidaten auf. Die Reaktion: Hacker knackten das Abstimmsystem und führten das PR-Spiel ad absurdum.

Das hinderte die "Time"-Redaktion aber nicht daran, die Abstimmungsergebnisse nun auch offiziell anzuerkennen. Mit einer Einschränkung: "Ich will jeden, der die Ergebnisse anzweifelt, daran erinnern, dass dies eine Internetabstimmung ist", so die etwas lahme Bemerkung des Time.com-Chefredakteurs Josh Tyrangiel: "Denn genau darum geht's: Die Ergebnisse anzuzweifeln."

Was auch immer das heißen soll. Wir hatten eher vermutet, die im Web zelebrierte Schein-Demokratie mit Publikums-Abstimmung sollte chic wirken und davon ablenken, dass die Top-Promis des Jahres in Wahrheit Verlagsintern ausgewürfelt werden.

Barack Obama brachte es beim Internet-Publikum übrigens auf Platz 37. Möglich, dass er bei der offiziellen Kür durch die Redaktion etwas besser bewertet wird.

Hartplatzhelden kämpfen vor BGH für Regio-Sportschau

Der Rechtsstreit zwischen den Betreibern des Internetportals 'Hartplatzhelden" und dem Württembergischen Fußballverband (WFV) wird vor dem Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Die Verantwortlichen der Internetseite, die in der Vergangenheit Bewegtbilder aus Amateurligen veröffentlicht haben und dies weiter betreiben wollen, haben beim BGH Revision gegen die Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart eingelegt.

Bei dem Rechtsstreit geht es um Grundsätzliches :

  • Der Württembergische Fußballverband (wfv) will - stellvertretend für die Kicker-Verbände - per Gericht endgültig klären lassen, wer auf seinen Plätzen filmen und vor allem diese Videos dann vermarkten darf. Der Verband will das nur selbst tun - mit dem kommerziellen Partner DieLigen GmbH.
  • Die Website Hartplatzhelden.de, die solche Videos der unteren Spielklassen seit 2006 sammelt und veröffentlicht und damit auch Werbeumsätze generiert, will damit weitermachen: Sie verschweigt nicht, darin ein Geschäft zu sehen.
  • Viele Fans wollen wissen, wem der Fußball und die Bilder, die er generiert, eigentlich gehören: den Verbänden, Vereinen und Investoren oder den Spielern und Fans? Soll überhaupt jemand mit Amateurspielen Geschäfte machen dürfen? Und dann noch mit den Laienvideos anderer Leute? Wem gehören die eigentlich?

'Wir glauben, dass wir im Recht sind. Es steht zwar 0:2, aber es gab sehr viele positive Signale, die uns bestärkt haben. Zudem hat das OLG die Revision ausdrücklich zugelassen. Wir wollen uns nicht einfach fügen", sagte 'Hartplatzhelden"-Betreiber Oliver Fritsch der Nachrichtenagentur Sport-Informations-Dienst. Zuletzt hatte das OLG Stuttgart in zweiter Instanz dem WFV Recht gegeben.

Das Gericht folgte dabei der Argumentation des WFV, wonach das Recht an Bewegtbildern auch im Amateurbereich dem Verband als Ausrichter der Spiele gehöre. Somit dürfe auch nur der Verband die Rechte vermarkten. Die Revision vor dem BGH wurde vom OLG allerdings zugelassen. Aus diesem Grund hatten die 'Hartplatzhelden" einen Spendenaufruf veröffentlicht, um die Kosten für ein derartiges Verfahren aufbringen zu können. "Wir haben die 15.000 Euro, die wir vor einer Revision auftreiben wollten, zwar noch nicht zusammen, aber das heißt ja nicht, dass wir das nicht noch schaffen", meinte Fritsch, der mit einem Urteil nicht vor 2010 rechnet.

lis/sid

100 DVDs auf einer Holo-Scheibe

Kann sich noch jemand an die Tesa-ROM erinnern, die Ende des vorigen Jahrtausends vorgestellte holografische Speichertechnik, die bis zu zehn Gigabyte pro Tesa-Rolle abspeichern kann? Das Revolutions-Getöne verstummte bald, aus dem Projekt wurde ( fast) nichts. Der Deutschlandfunk schrieb der Holo-Rolle schon 2004 ein Post Mortem.

Jetzt aber greift die "New York Times" auf alte Durchbruch-Metaphern zurück - und lobpreist die Entwicklungsarbeit an einem neuen holografischen Speicher: Der US-Konzern Generel Electrics habe ein Speichermedium entwickelt, das auf CD-Größe den Inhalt von 100 DVDs speichern könne. Noch sei es nur "ein Labor-Erfolg", aber "Experten für Opto-Speicher und Industrie-Analysten" sähen jetzt schon "einen großen Schritt nach vorn", entdeckten darin "eine neue Generation von Billig-Speicher", die GE-Forschung sei "vielversprechend" usw usf.

ChannelWeb schreibt etwas weniger aufgeregt: Die Discs könnten irgendwann 500 Gigabyte Daten speichern, die Technik erinnert an Blu-ray- und DVD-Scheiben, nur dass die Bits in mehreren Schichten, statt nur auf der Oberfläche eingraviert sind. Wegen der ähnlichen Lesevorgänge könnten zukünftige Holodisc-Lesegeräte wohl auch DVDs und Blu-Ray-CDs lesen. Mehr zum Thema Holo-Speicher bei ChannelWeb.

Doku-Film startet gleichzeitig im Kino und auf YouTube

Am 5. Juni kommt die Umwelt-Doku "Home" in die Kinos - und zu YouTube. Der Dokumentarfilm unter der Regie von Yann Arthus-Bertrand, produziert von Luc Besson, präsentiert die Erde aus der Vogelperspektive. "Aus der Luft," so die euphorische Google-Pressemitteilung, erlebe man "die komplexen Umweltprobleme".

Der 90-Minüter wird von Google mit allerlei Netz-Vernetzung begleitet: Ausschnitte, Interviews und Making-ofs gibt's im entsprechenden YouTube-Channel, auf Google Maps können Surfer fünf "Layer" aktivieren, die "nutzergenerierte Inhalte zu der Filmthematik sowie Wissenswertes zum Umwelt- und Naturschutz anzeigen".

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