Netzwelt-Ticker Teen als Botnet-Meister verurteilt

Hacker verseuchen mit wild blinkenden Mustern ein Epilepsieforum, die Telekom sorgt sich mal wieder um ihre Hausfarbe Magenta, StudiVZ verschiebt den Rauswurf von AGB-Unwilligen und ein jugendlicher Botnetz-Meister aus Neuseeland verursacht 13,5 Millionen Euro Schaden. Das und mehr im Überblick.


Jugendlicher Botnetz-Meister bekennt sich schuldig

Vor einem Gericht in Neuseeland hat sich ein Teenager in sechs Fällen des Computerbetrugs schuldig bekannt. Für seine Tätigkeiten als Botnetprogrammierer erhielt der heute Achtzehnjährige laut Stuff.co.nz circa 20.000 Euro. Doch er war ein Herr über angeblich Millionen Computer (wahrscheinlich eher: Zehntausende). Während seine Eltern glaubten, der 18-jährige Owen Thor W. führe Auftragsarbeiten als Programmierer aus, verbreitete er Trojaner im Netz. Mit ihnen verschaffte er sich automatisiert Zugang zu Rechnern, versklavte sie elektronisch und verkaufte sein so genanntes Botnetz, also die Rechenkraft all seiner gekaperten Rechner an Spammer, Saboteure und andere Hacker.

Der Teenager war im vergangenen November nach 18-monatiger Fahndung der amerikanischen Bundespolizei FBI und der niederländischen und neuseeländischen Sicherheitsbehörden in seinem Heimatort Hamilton rund eine Autostunde südlich von Auckland gefasst worden. Den Berichten zufolge dürfte der 18-Jährige aber aus gesundheitlichen Gründen um eine Haftstrafe herumkommen. Da er an dem Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus, leide, habe der Richter bereits erkennen lassen, dass er den Angeklagten im Falle eines Schuldspruchs wohl nicht ins Gefängnis schicken werde, hieß es.

Weit größer als sein Verdienst an der Sache soll übrigens der Schaden sein, den Owen Thor mit seinem Botnetz verursacht haben soll: Die Rede ist von rund 13,5 Millionen Euro.

Hack-Angriff auf Epilepsie-Forum

Normalerweise finden Epilepsiekranke im Forum der Epilepsy Foundation Rat und Hilfe. Doch Wired berichtet von einem perfiden Angriff auf dieses Forum: Unbekannte hinterließen dort präparierte Einträge, welche die Ratsuchenden auf Websites mit heftig blinkenden Mustern umleiteten. Wohl, um damit Anfälle bei den epileptischen Surfern auszulösen.

Die Forenadministratoren schlossen kurz nach Bekanntwerden der Attacke das Forum und löschten Hunderte dieser Einträge. Denn die blinkenden, bunten Muster können tatsächlich Epilepsieattacken auslösen. "Wir wissen von Betroffenen", so ein Mitarbeiter der Epilepsy Foundation. "Zum Glück sind das nur eine Handvoll. Aber es ist möglich, dass sich noch nicht jeder gemeldet hat. Betroffene kommen vielleicht erstmal nicht so schnell wieder zurück ins Forum."

Telekom: Gib mir mein Magenta zurück

Die Deutsche Telekom AG wacht mit Argusaugen über ihre Hausfarbe Magenta. Das bekam jetzt das Technik-Blog Engadget zu spüren. Ihre Sparte Engadget Mobile verwendet einen magentafarbenen Schriftzug im Website-Logo. Zu viel des guten Farbtons, meint offenbar die Deutsche Telekom AG. Mit einem - durchaus netten – Brief fordert sie die Engadget-Betreiber Weblogs Inc. dazu auf, die Farbe aus dem Programm zu schmeißen – das sei ja nicht viel Aufwand und im Interesse beider Rechtspersonen. Gerne helfe man sogar bei der Abwicklung.

Engadget zeigt sich wenig beeindruckt von den Nettigkeiten – und veröffentlichte das Anwaltsschreiben. Es bestehe doch keine Verwechslungsgefahr zwischen einem Blog und einem Mobilfunkanbieter! In einem Blogeintrag werden deshalb die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Deutsche Telekom und Engadget aufgeführt, um die absurden Markenansprüche, die hinter dem Anwaltsschreiben stecken, vorzuführen. Der eine ist ein Mobilfunk-Carrier, der andere nicht. Der eine vertreibt Mobilfunkzubehör, der andere nicht. Der eine habe noch mehr als fünf Freunde, der andere nicht.

Rauswurf: StudiVZ schiebt Abschiebung auf

Das soziale Netzwerk StudiVZ hat seine Drohungen nicht wahrgemacht: Eigentlich wollte das Unternehmen alle Nutzer rauswerfen, welche die neuen, umstrittenen Nutzungsbedingungen nicht bis Ende März unterschrieben haben. Doch die Galgenfrist ist verlängert, gab Unternehmenssprecher Dirk Hensen der "Frankfurter Rundschau" zu Protokoll: "Das liegt schlicht daran, dass es einige Mitglieder gibt, die sich seit Anfang Januar diesen Jahres erst jetzt wieder einloggen". Fünf Prozent aller Nutzer hätten die neuen AGBs nicht unterschrieben, weil sie nicht mit der Datenschutzpolitik von StudiVZ einverstanden sind – oder schlicht, weil sie nicht mehr im sozialen Netzwerk aktiv waren. Im Klartext: Die Zwangslöschung hätte das StudiVZ um prestigeträchtige Aktenleichen gebracht, und das wäre schlecht für die (Nicht-) Nutzerzahlen!

Nur als Tipp: StudiVZ bietet eine Reihe weitreichender Möglichkeiten, die Privatsphäre zu schützen. Dazu einfach nach dem Login am Seitenende auf "Datenschutz" klicken, auf "Einstellung zur Verwendung meiner Daten" und dann in vier Reitern mehr Datenschutzmöglichkeiten wahrnehmen, als bei den meisten anderen sozialen Netzwerken.

Tonträgerindustrie will 2.5 Millionen Dollar von Pirate Bay

Der Verband der Internationalen Phonoindustrie hat am Montag vor einem schwedischen Gericht die Forderungen gegen die BitTorrent-Seite The Pirate Bay klar gemacht: 2.5 Millionen Dollar Schadensersatz. Gottfried Svartholm Warg, einer der vier Pirate-Bay-Gründer zeigt sich in einer Replik zu den Forderungen nicht weniger pompös: "Die Plattenfirmen sollen sich verpissen!"

Diese werfen der Pirate Bay vor, 24 Musikalben, neun Filme und vier Videospiele über ihre Plattform unrechtmäßig verbreitet zu haben. Multipliziert mit der geschätzten Anzahl der Downloads, multipliziert mit dem Verkaufspreis könnte sich die Schadensersatzsumme berechnen. Warg jedenfalls zeigt sich von den Forderungen unbeeindruckt: "Das bereitet uns wenig Sorgen – wie immer."

Als das Pirate-Bay-Team die Millionenforderungen für die 37 Alben, Filme und Spiele zum ersten Mal hörte, hätten sie "vor allem darüber gelacht". Die IFPI-Zahlen seien reine Phantasie, die errechneten Verluste rein theoretisch: die meisten Downloader hätten sich niemals auch alles gekauft, was sie alles herunterluden.

Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob die Pirate Bay ihre Server und einen bleichen Administrator tatsächlich in die Ägyptische Wüste schicken, um da vor den Fangarmen der Unterhaltungsindustrie sicher zu sein, wie in einem Blog-Posting zum 1. April angekündigt … Ach ja, und es bleibt abzuwarten, ob auch ein Richter denkt, dass geklaute Waren weniger geklaut sind, wenn man sie sowieso nie gekauft hätte.

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