Netzwelt-Ticker: Terroristenjagd mit Cyborg-Insekten

Von Richard Meusers

Kommen nach den Torpedo-Delphinen bald die Überwachungs-Motten? US-Militärs planen, künftig auch Insekten zu militärischen Zwecken zu nutzen. Der Bundesrat hingegen fasst ins Auge, nun doch noch mehr Daten auf Vorrat zu speichern. Das und mehr im Überblick.

Wer demnächst mit der Fliegenklatsche einen lästigen Flatterer erlegt, könnte einem fliegenden Spion den Garaus gemacht haben. Wie die Times berichtet arbeiten Forscher der DARPA, der technischen Entwicklungsabteilung des Pentagon, derzeit an der Entwicklung von Insekten-Cyborgs für militärische Zwecke.

Eine Libelle auf einer gelben Blüte: Frei fliegendes Insekt oder militärischer Cyborg?
DPA

Eine Libelle auf einer gelben Blüte: Frei fliegendes Insekt oder militärischer Cyborg?

Die Tierchen sollen bereits als Larven mit einem Mikrosystem ausgerüstet werden, das dann in der Verpuppungsphase in den Körper integriert würde. Fraglich bleibt allerdings, wieweit die eingepflanzte Technologie sich mit den Insektenhirnen an den richtigen Stellen verbinden kann, um das Kerbtier auch fernsteuern zu können. An diesem Problem war bereits ein ähnliches Projekt mit Wespen gescheitert.

Wie das jetzt genau vonstatten gehen soll, bleibt rätselhaft, Kooperationspartner vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) sprechen undeutlich vom "maschinellen Lernen nach dem Schlüpfen der Motte". Die Fliegenklatsche kann also weiter benutzt werden, denn zumindest in naher Zukunft besteht wohl keine Gefahr, mit einem Schlag teure Militärtechnik zu zerstören.

Bundesrat will noch mehr Überwachung

Noch wogt die Debatte um die wachsende staatliche Datenneugier, da werden aus dem Bundesrat Forderungen nach noch weitergehender Telekommunikationsüberwachung laut. Rechts-, Innen- und Wirtschaftsausschuss sprechen sich dafür aus (pdf), die Vorratsdatenspeicherung der Verbindungsdaten für Telefon und Internet von sechs auf zwölf Monate zu verlängern. Der Katalog jener Straftaten, bei deren Verdacht die Kommunikationsüberwachung erlaubt ist, soll um Delikte wie schweren Diebstahl oder Verstöße gegen das Vereinsgesetz erweitert werden.

In Sachen Staatstrojaner sehen die Ausschüsse trotz eines anderslautenden Urteils des Bundesgerichtshofs keinen Bedarf für gesetzliche Regelungen. Stattdessen sollen Dienstanbieter schon bei einfachen zivilrechtlichen Ansprüchen wie zum Beispiel bei Urheberrechtsverletzungen die Klarnamen hinter den betroffenen IP-Adressen herausgeben. Diese und ein ganzes Bündel weiterer Maßnahmen im Entwurf erwecken beim Leser nicht gerade den Eindruck, die Ausschussmitglieder hätten die Diskussion um den Datenschutz der Bürger in den letzten Wochen aufmerksam verfolgt.

Erfassung aller Einkommensdaten geplant

Die Gesellschaft für Informatik (GI) kritisiert denn auch folgerichtig den "Datensammeleifer", den staatliche Stellen zunehmend an den Tag legen. Dadurch werde das Recht auf informationelle Selbstbestimmung systematisch ausgehöhlt. Das gelte auch für die geplante Einführung des "Elektronischen Einkommensnachweises" (ELENA), der in der Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen worden sei.

Derzeit muss jeder, der Sozialleistungen beantragt, einen Nachweis über sein Einkommen erbringen, was bisher zum Beispiel in Form von Kontoauszügen möglich ist. In Zukunft soll das papierlos anhand eines zentralen Datenregisters, in dem sämtliche Einkommensdaten abhängig Beschäftigter der letzten vier Jahre erfasst sind, geschehen.

Damit sollen Sozialmissbrauch unterbunden und Bürokratie abgebaut werden. Das heißt aber im Klartext auch, dass demnächst zehntausende von Sachbearbeitern Zugriff auf persönliche Vermögensangaben haben. Außerdem wäre ein solches Register lückenhaft - Selbstständige und Freiberufler sollen nämlich nicht berücksichtigt werden. "Wir müssen wieder dahin zurückkommen, dass bei der Überwachung der Bevölkerung die Prinzipien Verhältnismäßigkeit und Zweckbindung im Vordergrund stehen", so GI-Chef Matthias Jarke.

US-Heimatschutz: Hilfe von Sci-Fi-Autoren

Terroristen sind findig und listig im Ersinnen von Anschlagsszenarien. Für Ermittler ist es manchmal schwierig, sich in ihre Gedankengänge hineinzuversetzen. Beim Department of Homeland Security ist man deshalb auf die skurrile Idee verfallen, den Rat von einigen Science-Fiction-Autoren einzuholen.

Bei der Zusammenstellung der mit dem Codenamen Sigma versehenen Truppe habe man darauf geachtet, dass die Betreffenden über akademische Abschlüsse im technischen Bereich verfügten. Ansonsten aber sollen sie ihrer Phantasie freien Lauf lassen, was die Entwicklung möglicher neuer Technologien angeht, auf terroristischer Seite wie zu ihrer Abwehr. Neben Grenzpatrouillen, Polizei und Flughafenüberwachung hätten die Verantwortlichen wohl gemerkt, dass sie noch "Leute mit verrückten Ideen brauchen", so Alan Andres, einer der Autoren, zu USA Today.

Unsichtbare Geheimtinte von Xerox

Nicht, um zu betrügen oder das Spionagehandwerk um ein neues Accessoire zu bereichern, sondern zum Schutz gegen Diebstahl hat Xerox einen unsichtbaren Toner erfunden. Mit Vierfarbdruckern können unsichtbare Schriftzeichen aufs Papier gedruckt werden, die nur unter Bestrahlung mit UV-Licht sichtbar werden.

Natürlich gibt es schon bislang unter UV-Licht fluoreszierende Tinten, aber im Unterschied zu diesen sehr teuren Produkten geht Xerox jetzt einen anderen, viel günstigeren Weg. Denn die meisten Papierhersteller setzen schon jetzt fluoreszierende Stoffe bei der Produktion ein, um das Papier möglichst weiß erscheinen zu lassen. Mit nur geringen Veränderungen an der Druckertinte können diese im Papier enthaltenen Substanzen an den gewünschten Stellen zu andersfarbigem Leuchten angeregt werden. Das erlaubt, personalisierte Rechnungen, Tickets oder Coupons mit einem Sicherheitsmerkmal auszustatten. Zielgruppe der neuen Entwicklung sollen kommerzielle Drucker bei Banken oder Versicherungen sein.

Rabattpunkte und Anstandswauwaus

Wer seine Musik bei iTunes kauft, kann damit jetzt auch Payback-Punkte sammeln. Dazu müssen die Mitglieder des Payback-Programms auf dessen Website nur ihre Kundennummer angeben und dann dem Link zum iTunes-Shop folgen. Für jeden Kauf gibt es wie üblich zwei Prozent des Kaufwertes als Gutschrift. Ab einer Mindestzahl gesammelter Punkte kann sich man für die Offenlegung seiner Einkaufsgewohnheiten mit nützlichen Dingen wie einem Fußball oder einem Fahrrad belohnen lassen.

Während also bei den Fans der Kommerz-Communities Freude über das hippe neue Angebot herrschen dürfte, gibt es in den USA beim von Six Apart betriebenen Bloggerangebot "LiveJournal" gerade mächtig Zoff. Dort fielen nämlich Hunderte von Accounts prüden Zensurmaßnahmen zum Opfer. Sie wurden ersatzlos gelöscht.

Diente die Aktion offiziell dem Schutz von Kindern gegenüber Pädophilen, mussten tatsächlich sogar Kritiken und Fan-Fiction zum Thema Harry Potter dran glauben. Nun rollt die Entrüstungswelle, unter anderem auch deshalb, weil betroffene Blogger zuvor weder von Six Apart noch von Livejournal angesprochen worden waren. Ihre Accounts wurden sang- und klanglos gelöscht. Mittlerweile hat Livejournal seine Löschaktion begründet. Es gehe um "Material, das als Interesse an oder Aufforderung zu illegalen Inhalten verstanden werden kann". Was einen Livejournal-Nutzer zur trockenen Erwiderung veranlasste: "Unter meinen 'Interessen' führe ich auch die Homo-Ehe auf, die in meinem Bundesstaat verboten ist. Mit der Begründung könnte auch mein Blog ohne Vorwarnung gelöscht werden, nur weil ich für das gleiche Recht für alle zur Heirat eintrete."

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