Netzwelt-Ticker: Texanisches Gericht schmettert Web-Patent ab

Von Carolin Neumann

Ein US-Patenttroll geht leer aus - das Gericht hält ihn nicht für den Erfinder des interaktiven Webs. Für Kodak führt der Weg aus der Insolvenz zu einem neuen Kerngeschäft, Facebook baut sein Kerngeschäft mit noch mehr Werbemöglichkeiten aus, und Googles Cloud-Dienst soll demnächst starten.

Netzwerkverteiler: "Die Mutter aller Patenttroll-Prozesse" ist schon wieder zu Ende Zur Großansicht
AP

Netzwerkverteiler: "Die Mutter aller Patenttroll-Prozesse" ist schon wieder zu Ende

Nichts Geringeres als das "interaktive Web" will der US-Biologe Michael Doyle erfunden haben und beschritt deshalb den offiziellen Weg. Doch das texanische Gericht, das ihm zusprechen sollte, Gründungsvater des modernen Internets zu sein, lehnte seine Patentklage jetzt ab.

Mehr als ein Jahrzehnt lang versuchten Doyle und seine Firma Eolas Technologies laut "Wired", Ruhm, Ehre und vor allem Lizenzgebühren für das Web, wie wir es heute kennen, für sich zu beanspruchen. Jeder, der eine Internetseite mit "interaktiven" Eigenschaften betreibt, sollte nach Doyles Willen dafür zahlen. Mit seinen Partnern will der Mann das "interaktive Web", wie es in der Klageschrift genannt wird, bereits im Oktober 1994 patentiert haben.

"Wired" nannte den Prozess zuvor "die Mutter aller Patenttroll-Prozesse" und sah das World Wide Web als Solches durch das Vorgehen in Gefahr. Firmen wir Google, Yahoo und zahlreiche andere waren betroffen, mehrere Klagen hätten sie Strafzahlungen in einer Gesamthöhe mehrerer Millionen Euro kosten können. Doch die noch ausstehenden Prozesse wurden nach der Entscheidung in Texas nun abgesagt; die Geschworenen erklärten alle Ansprüche des Biologen für nichtig.

Kodak steigt aus dem Kamerageschäft aus

Kodak ist pleite und muss sein Geschäftsmodell überdenken, wenn es trotz "Chapter 11"-Insolvenz noch weitergehen soll. Das "Wall Street Journal" berichtet nun, das Unternehmen trenne sich von der Kameraproduktion. Die Marke werde an andere Hersteller lizenziert, heißt es - und lebt damit theoretisch weiter. Selbst will Eastman Kodak jedoch keine Kameras mehr anbieten.

Dem Blatt zufolge hatte das Unternehmen schon seit Jahren mit diesem Gedanken gespielt, die Insolvenz scheint den Ausschlag gegeben zu haben für die schwerwiegende Entscheidung, sich des Kerngeschäftes zu entledigen, für das die Firma vor 130 Jahren gegründet worden war. Das "Wall Street Journal" zitiert mit der Angelegenheit vertraute Personen, wonach Kodak sich künftig auf das Geschäft mit Druckern, Entwicklung und Fotografieausrüstung konzentrieren will.

Facebook baut Werbemöglichkeiten aus

Seit Nutzer auf Facebook ohne weitere Klicks anzeigen lassen können, was sie gerade lesen, hören oder schauen, ist noch deutlicher sichtbar, was die Menschen wirklich konsumieren. Von wegen! Tatsächlich, das war klar und wird jetzt Wirklichkeit, will der Werbekonzern damit Partnern noch bessere Möglichkeiten geben, Kunden zu erreichen. Sämtliche durch Facebooks Open Graph geteilte Informationen können so theoretisch künftig zu "Sponsored Stories" werden.

"Sponsored Stories" sind die in der Seitenspalte und seit Kurzem auch mitten im Nachrichtenstrom angepriesenen Dinge, bei denen jeder Nutzer theoretisch zur Werbefigur wird, wenn er bei einer Seite auf "Gefällt mir" klickt. Bislang durften Werber nur auf ihren eigenen Seiten oder innerhalb ihrer Anwendungen solche "Stories" kaufen. Nun kann laut einem "TechCrunch"-Beispiel eine Band ihre Songs bewerben, die über einen Musikdienst wie Spotify gestreamt und direkt in der eigenen Chronik angezeigt werden.

Meldungen wie "Nutzer XY hört gerade diesen und jenen Song von der und der Band" könnten künftig zusätzlich als Werbung markiert werden und dementsprechend mehr Aufmerksamkeit bekommen. Auch in der neuen Fotoansicht, die nach und nach für Facebook-Nutzer freigeschaltet wird, spielt Werbung eine prominentere Rolle, zeigt die "Huffington Post".

Auch das noch:

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Netzticker
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren
  • Zur Startseite
Zur Autorin
  • Carolin Neumann berichtet und bloggt aus Hamburg über die Zukunft der Medien. Nebenbei schaut sie viel zu viele Serien.

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.



E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.